Der russische Aktienmarkt verzeichnete am 15. Juli einen starken Rückgang vor dem Hintergrund von Nachrichten über die Vorbereitung eines neuen Sanktionspakets der USA. Investoren begannen bereits vor der offiziellen Verabschiedung des entsprechenden Gesetzesentwurfs mit einem massiven Verkauf von Vermögenswerten, da sie die Folgen für die russische Wirtschaft fürchteten.

Historisches Tief und Ignorieren der Ölpreise

Während der Handelssitzung fiel der Index der Moskauer Börse (MOEX) auf 2109,58 Punkte. Dies ist der niedrigste Stand seit dem 19. Dezember 2022. Bemerkenswert ist, dass der Rückgang trotz eines Anstiegs der weltweiten Ölpreise stattfand, die ein monatliches Maximum erreichten.

Innerhalb eines Tages verlor der Index fast 3 %. Seit Jahresbeginn beträgt der Gesamtrückgang bereits 23 %. Analysten führen diesen Kapitalabfluss auf Panik vor Berichten über neue Beschränkungen durch Washington zurück.

Wer verlor am meisten?

Der Schlag traf alle Schlüsselsectoren der Wirtschaft. Stand 15:49 Uhr Moskauer Zeit sah die Situation wie folgt aus:

  • VK: Die Aktien des Unternehmens stürzten um fast 7 %. Dies war eine Reaktion auf die Aufnahme des staatlichen Messengers Max in die Sanktionsliste.
  • «Severstal»: Verlor 4 % an Wert.
  • VTB: Die Aktien wurden um 3,8 % günstiger.
  • «Rosneft»: Der Rückgang betrug 2,9 %.
  • «Aeroflot»: Verlor 2,6 %.
  • «Gazprom»: Die Aktien wurden um 2 % günstiger und erreichten neue Tiefststände, die seit 2008 nicht mehr zu sehen waren. Ein zusätzlicher Faktor war die Meldung über die Aussetzung der Verhandlungen durch China zum Bau der Gaspipeline «Sila Sibiri-2».
  • «Sberbank»: Verlor 1,5 %.

Inhalt des neuen US-Gesetzesentwurfs

Die Hauptursache für den Verkauf waren Berichte über einen Gesetzesentwurf, der vom verstorbenen Senator Lindsey Graham entwickelt wurde. Das Dokument sieht die Einführung von 100-prozentigen Zöllen für Indien und China vor, falls diese weiterhin russisches Öl einkaufen.

Zudem enthält der Gesetzesentwurf harte Maßnahmen gegen den Finanzsektor Russlands:

  • Beschränkungen in Bezug auf die Zentralbank Russlands.
  • Sanktionen gegen die größten Banken, einschließlich «Sberbank», VTB und «Gazprombank».
  • Blockade der «Schattenflotte» und des Öltansports.
  • Schlag gegen die Projekte «Jamal LNG» und «Arctic LNG».

Nach dem Tod von Senator Graham erhielt das Dokument neuen Schwung. Im Weißen Haus wurde die Bereitschaft zur Unterstützung bestätigt, und US-Präsident Donald Trump erklärte, die Wahrscheinlichkeit der Verabschiedung des Gesetzesentwurfs sei «ziemlich hoch».

Position Kiews

Der vom ukrainischen Präsidenten für Sanktionspolitik Bevollmächtigte, Wladyslaw Wlasjuk, stellte fest, dass das aktualisierte Dokument individuelle und sektorale Sanktionen zusammenfasst. Nach seinen Worten zielt es darauf ab, den Finanz- und Energiesektor Russlands zu treffen und alle möglichen Umgehungswege für bereits geltende Beschränkungen zu blockieren.