Der EU-Kommissar für Verteidigung, Andrius Kubilius, erklärte, dass russische Provokationen mit dem Einsatz von Drohnen und Sabotageaktionen eine direkte und wachsende Bedrohung für die zivile Luftfahrt in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und den Nachbarstaaten darstellen. Dies teilte er in einem Gespräch mit Journalisten mit, in dem er den jüngsten Vorfall im Luftraum Moldaus kommentierte, der mit dem Abflug des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach Norwegen am 8. September 2026 zusammenhängt.
Vorfall in Moldau: Abflugverzögerung und Drohnenabsturz
Wie der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre zuvor mitgeteilt hatte, wurde das Flugzeug des ukrainischen Staatschefs „beim Start aus Moldau beinahe von einer Drohne abgeschossen“. Die moldauische Regierung bestätigte, dass Selenskyjs Abflug aus dem Land nach Norwegen am 8. September aufgrund der Anwesenheit einer russischen Drohne im Luftraum der Republik verzögert wurde. Die Startfreigabe wurde erst erteilt, nachdem bekannt geworden war, dass die Drohne in der Nähe des Dorfes Starî Mihaileni im Rajon Rîșcani gestürzt und explodiert war – etwa 160 km vom internationalen Flughafen Chișinău entfernt.
Bewertung Brüssels: von „möglicher Aggression“ zum Aufruf, die Verteidigung zu stärken
Im Zusammenhang mit dem Vorfall betonte Kubilius, dass es nach Selenskyjs eigenen Worten „möglicherweise keine direkte Aggression gegen das Flugzeug des Präsidenten“ gewesen sei, jedoch „vollständig verständlich“ sei, „dass die Lage auch für die zivile Luftfahrt in den Nachbarländern immer gefährlicher wird“. Nach seinen Worten besteht die entscheidende Frage nun darin, wie man eine solche Tätigkeit Russlands konkret stoppen kann. Der EU-Kommissar erklärte, dass die russischen Provokationen die Europäische Union dazu zwingen, „bei der Entwicklung unserer Verteidigungsfähigkeiten noch proaktiver zu sein“.
Widersprüchliche Angaben
Rund um den Vorfall in Moldau gibt es eine Reihe widersprüchlicher Bewertungen. Einerseits weisen der norwegische Ministerpräsident Støre und der moldauische Botschafter in den USA, Wladislaw Kulminski, auf den gezielten Charakter der Bedrohung hin: Nach Kulminskis Worten „könnte die russische Drohne, die den Luftraum Moldaus verletzt hatte, gezielt auf das Flugzeug des ukrainischen Präsidenten zugesteuert haben“. Andererseits habe die Europäische Union, wie strana.news berichtet, keine Bestätigung dafür gefunden, dass die russische Drohne in Moldau beabsichtigt hatte, Selenskyjs Flugzeug anzugreifen. Auch Kubilius ließ in seiner Formulierung die Einschränkung, dass es „möglicherweise keine direkte Aggression“ gewesen sei. Somit bleibt die Frage, ob die Drohne unmittelbar auf das Präsidentenflugzeug abgezielt hatte oder ob ihr Erscheinen im Luftraum einen anderen Charakter trug, offen und auf Ebene offizieller EU-Feststellungen unbestätigt.
Nicht der erste Fall: Präzedenzfälle an der Ostflanke
Kubilius erinnerte daran, dass Bedrohungen für europäische Staatsführer und zivile Flugzeuge bereits nicht zum ersten Mal festgestellt werden. So berichtete er, dass Piloten beim letzten Jahr, als er zusammen mit der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, die Länder der EU-Ostflanke bereiste, in Bulgarien „tatsächlich erhebliche Probleme aufgrund der Störung von Navigationssignalen“ hatten, was nach seinen Worten „ebenfalls sehr gefährlich für die zivile Luftfahrt“ sei. Diese Vorfälle bildeten nach Bewertung Brüssels eine beständige Tendenz, die eine systematische Antwort der Europäischen Union im Bereich der Verteidigungspolitik und des Luftraumschutzes erfordere.