Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in einem Interview mit dem US-Sender CBS News, dass die russischen Streitkräfte in den vergangenen Wochen zweimal das Flugzeug angegriffen hätten, an Bord dessen sich der Staatschef befand. Seinen Worten zufolge waren beide Angriffe direkt mit dem Aufenthaltsort des Präsidentenflugzeugs verbunden und seien, seiner Einschätzung nach, Teil einer russischen Einschüchterungsstrategie. Ukrainische Beamte bestätigten später, dass sich alle Mitglieder der Präsidentendelegation in Sicherheit befinden.

Selenskyjs Aussage im CBS-News-Interview

Im Gespräch mit CBS News verknüpfte Selenskyj die Angriffe auf moldauisches Territorium mit dem Aufenthalt seines Flugzeugs dort. „In Moldau war mein Präsidentenflugzeug, und genau deshalb haben sie Moldau angegriffen. Als wir nach Hause zurückkehrten, wieder über Kischinjew, haben sie dasselbe getan“, berichtete er. Nach der Darstellung Kiews geht es also um zwei Vorfälle: einen während des Aufenthalts des Flugzeugs in Moldau und einen zweiten bei der Rückkehr über Kischinjew.

Chronologie der Vorfälle über Moldau

Wie ukrainische Medien erinnerten, hatte einer der Vorfälle zuvor der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre öffentlich geschildert. Er berichtete, das Flugzeug des ukrainischen Präsidenten sei „beim Start aus Moldau“ auf dem Weg nach Norwegen beinahe von einem Drohnen abgeschossen worden. Die moldauische Regierung bestätigte ihrerseits, dass der Abflug Selenskyjs nach Norwegen am 8. September wegen einer russischen Drohne im Luftraum des Landes verzögert worden sei. Die Startfreigabe erfolgte erst, nachdem bekannt geworden war, dass eine russische Drohne in der Nähe des Dorfes Starî Mihaileni im Rajon Rîșcani abgestürzt und explodiert war; der Einschlagsort lag 160 km vom internationalen Flughafen Kischinjew entfernt.

Bestätigungen aus Kischinjew und Oslo

Zusätzlichen Kontext lieferte der moldauische Botschafter in den USA, Wladislaw Kulminski, der erklärte, die den Luftraum des Landes verletzende russische Drohne habe möglicherweise gezielt auf das Flugzeug des ukrainischen Präsidenten zugesteuert. Die Gesamtheit dieser Aussagen – vom norwegischen Ministerpräsidenten bis zum moldauischen Botschafter – zeichnet ein Bild, in dem der Vorfall über Moldau als unmittelbare Bedrohung für das Präsidentenflugzeug und nicht als zufällige Grenzverletzung betrachtet wird.

Einschüchterungsstrategie

Selenskyj betonte, dass solche Angriffe Teil einer russischen Strategie seien, die darauf abziele, ihn persönlich und andere ausländische Führungspersönlichkeiten einzuschüchtern. Nach seiner Logik solle die Wahl des Ziels – das Präsidentenflugzeug im Luftraum eines dem Konflikt gegenüber neutralen Landes – psychologischen Druck sowohl auf den Präsidenten selbst als auch auf die ausländischen Politiker ausüben, mit denen er zusammenarbeite. Die ukrainische Seite betone dabei, dass keine Mitglieder der Delegation zu Schaden gekommen seien.

Widersprüchliche Angaben

In den Aussagen der Beteiligten gibt es eine wesentliche Diskrepanz bei der Einordnung des Vorfalls. Auf der einen Seite sprechen Selenskyj und der moldauische Botschafter Kulminski von einer zielgerichteten Bewegung der Drohne in Richtung des Präsidentenflugzeugs, also von einem vorsätzlichen Angriff. Auf der anderen Seite hatten ukrainische Beamte zum Zeitpunkt des Vorfalls angemerkt, dass „nicht klar war, ob dieser Vorfall vorsätzlich war“. Als bestätigte Fakten bleiben somit die Verletzung des moldauischen Luftraums und die Verzögerung des Abflugs am 8. September, während die Einordnung des Ereignisses als gezielter Angriff auf das Präsidentenflugzeug überwiegend auf den Aussagen Selenskyjs und auf der bedingten Formulierung des Botschafters („könnte gezielt zugesteuert haben“) beruht. Der Unterschied zwischen dem bestätigten Verletzungstatbestand und dem vermuteten Vorsatz bleibt bestehen.