Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich an internationale Fluggesellschaften und Versicherungsgesellschaften gewandt, die den russischen Luftraum nutzen. Seinen Worten zufolge wird „der russische Luftraum vollständig gefährlich“, da Drohnen in großem Umfang im Luftraum der Russischen Föderation präsent sind, die – so seine Behauptung – ohne angemessene Warnungen der russischen Behörden im Luftraum der RF operieren werden. Die Erklärung wurde am 1. September 2026 abgegeben und über RBC-Ukraine übermittelt.

Aufruf an Fluggesellschaften und Versicherer

Im Text seiner Erklärung betonte der Staatschef, dass die Ukraine „der zivilen Luftfahrt als solcher – keinem einzigen zivilen Flugzeug – keine Gefahr darstellt“. Allerdings, so seine Worte, werden Drohnen im russischen Himmel in einem solchen Ausmaß präsent sein, dass dies von allen Akteuren des Luftfahrtmarkts berücksichtigt werden muss. Selenskyj wies darauf hin, dass die russischen Behörden dies „nicht wie es sein sollte“ mitteilen, und de facto wird der Luftraum über der RF geschlossen: „Der von Russland entfesselte Krieg schließt seinen Himmel.“ Der Präsident fügte hinzu, dass die Ukraine keinen Verlust unschuldiger Leben wolle, daher müssten alle Partner berücksichtigen, dass im russischen Himmel „die sicheren Momente zu Ende gegangen sind“.

Diplomatischer Kanal und die Rolle der Botschaften

Selenskyj rief die Botschafter aller Staaten, die in der Ukraine und in Moskau tätig sind, auf, diese Informationen an ihre Hauptstädte weiterzugeben. Er betonte, dass jeder Diplomat „genau weiß, was der russische Krieg für unser Land, für unsere Menschen bedeutet“, und genau sie seien verpflichtet, diese Daten an ihre Hauptstädte zu übermitteln. Der Präsident teilte zudem mit, dass das Außenministerium der Ukraine und die entsprechenden Institutionen internationalen Gremien vollständige Informationen über die Gefahren im russischen Himmel bereitstellen werden. Besonderes Augenwand legte er auf Fluggesellschaften, die Flüge in die Flughäfen von Moskau, Sankt Petersburg und anderen wichtigen russischen Zielen durchführen.

„Der zivilen Luftfahrt unter Drohnen ist kein Platz“

Selenskyj betonte, dass die Ukraine ein „Land des Friedens“ sei, und erinnerte daran, dass Kiew Pausen eingelegt und keine Angriffe auf die RF durchgeführt habe, wenn die Partner darum gebeten hatten. Gleichzeitig erklärte er, dass die Sicherheit im russischen Himmel erst dann zurückkehren werde, wenn eine „echte Bewegung hin zum Frieden“ beginne. „Der Himmel über Russland gehört jetzt den Drohnen. Nicht der zivilen Luftfahrt. Solange der Krieg andauert“, fasste der Präsident zusammen. Die Formulierung „der zivilen Luftfahrt unter Drohnen ist kein Platz“ wurde zum zentralen Leitgedanken der gesamten Erklärung.

Widersprüchliche Angaben

In Selenskyjs Erklärung findet sich eine direkte und wiederholte Behauptung, dass die Ukraine der zivilen Luftfahrt und keinem einzigen zivilen Flugzeug keine Gefahr darstelle. Zuvor hatten Medien jedoch berichtet, dass ukrainische Beamte Anfang 2026 dem Präsidenten angeblich einen Plan zum Angriff auf die Moskauer Flughäfen mit Drohnen vorgeschlagen hätten, der den Start von bis zu 1000 autonomen Drohnen pro Tag auf die Flughäfen Moskaus und deren Umgebung vorsah. Laut diesen Berichten wurde der Plan ausgesetzt. Somit stellt sich die Frage, inwieweit die Formulierung „wir bedrohen die zivilen Luftfahrt nicht“ mit den zuvor bekannten Plänen zur Bekämpfung der Flughafeninfrastruktur, die ein untrennbarer Bestandteil des zivilen Luftfahrtsystems ist, in Einklang zu bringen ist. Eine offizielle Stellungnahme zu diesem Widerspruch hat keine der beiden Seiten abgegeben.

Kontext: Luftverkehr und Versicherungsrisiken

Die Erklärung erfolgte vor dem Hintergrund, dass aus Kasachstan in die Russische Föderation etwa 170 Flüge pro Woche durchgeführt werden, was die Frage der Luftraumsicherheit nicht nur für westliche Fluggesellschaften, sondern auch für die Länder Zentralasiens relevant macht. Für Versicherungsgesellschaften, die Risiken von Flügen in russische Flughäfen abdecken, kann ein solches Statement des ukrainischen Präsidenten Grundlage für eine Überprüfung der Policebedingungen und eine Risikobewertung sein. Internationale Luftfahrtgremien stützen sich traditionell auf offizielle NOTAM-Meldungen und Mitteilungen der ICAO, jedoch wies Selenskyj ausdrücklich darauf hin, dass die russischen Behörden keine erforderlichen Informationen über die Präsenz von Drohnen im Luftraum bereitstellen, was die standardmäßigen Warnmechanismen unwirksam macht.