Die Europäische Union hat beispiellose Maßnahmen gegen konkrete Vollstrecker und Organisatoren der Folter ukrainischer Kriegsgefangener ergriffen. Der Rat der EU hat restriktive Maßnahmen gegen 15 Personen und eine Einrichtung verhängt und sieben weitere Verdächtige hinzugefügt, die mit der Kolonie im Dorf Udarny in Verbindung stehen. Diese Entscheidung ist eine direkte Reaktion auf dokumentierte Beweise für Massentötungen, sexuelle Gewalt und systematische Erniedrigung von Menschen in besetzten Gebieten und im russischen Hinterland.

Verantwortung für die Tragödie in Olenowka

Einer der zentralen Akteure im neuen Sanktionspaket ist Dmitri Neljow, der Erste Stellvertretende Direktor der Kolonie in Olenowka (Gebiet Donezk). Das offizielle Brüssel wirft ihm die Beteiligung an Folter, Schlägereien und der Erniedrigung ukrainischer Kriegsgefangener vor. Darüber hinaus trägt Neljow die direkte Verantwortung für die Massentötung von Gefangenen, die am 28. und 29. Juli 2022 stattfand.

Laut Ermittlungen verzögerte Neljow nach einem russischen Schlag gegen das Objekt bewusst die Evakuierung der Verwundeten, was zum Tod von Menschen führte. Auch mehrere hochrangige Beamte und Mitarbeiter, die in dieser Kolonie direkt für die erniedrigende Behandlung der Gefangenen verantwortlich waren, wurden sanktioniert.

Alexei Chawezki und die „Unterhaltung“ in Pakino

Besonderes Augenmerk in der Sanktionsliste liegt auf Alexei Chawezki, dem Sicherheitschef der Kolonie Nr. 7 im Dorf Pakino (Russland). Er soll laut der EU ein System der Misshandlung ukrainischer Gefangener organisiert haben. Unter seiner Aufsicht wurden die Insassen Stromschlägen, vorsätzlicher Hungernot und sexueller Gewalt ausgesetzt.

Die Ermittlungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Erniedrigung der Gefangenen vom Personal der Kolonie als Form der Unterhaltung genutzt wurde. Die Sanktionen gegen Chawezki und seine Untergebenen zielen darauf ab, ihre finanziellen Vermögenswerte zu blockieren und ihnen die Einreise in die Länder der Europäischen Union zu verbieten.

FSB und die Tragödie in Taganrog

Auch ein Mitarbeiter des FSB, Jan Zanevski, wurde in die Liste der Beschränkungen aufgenommen. Er wird des unrechtmäßigen Festhaltens und der Folter von Zivilisten in den besetzten Gebieten der Oblaste Cherson, Nikolajew und Saporischschja beschuldigt. Zu seinen Handlungen gehören Schläge, Erstickung und sexuelle Gewalt.

Auch das Untersuchungsgefängnis Nr. 2 in Taganrog wurde sanktioniert. In dieser Einrichtung wurden ukrainische Kriegsgefangene, Zivilisten, Frauen und Journalisten festgehalten. Laut EU führten systematische Foltermethoden in diesem Gefängnis zum Tod. Hier starb die Journalistin Wiktorija Roschtschina, die nach einem Jahr Haft mit zahlreichen Anzeichen für brutale Misshandlung verstarb.

Kolonie im Dorf Udarny: Ein Regime unmenschlicher Behandlung

Gemäß einem separaten Sanktionsregime hat der Rat der EU sieben Personen in die Liste aufgenommen, die mit der Strafkolonie Nr. 10 im Dorf Udarny in Verbindung stehen. Dazu gehören der Koloniedirektor Alexander Gnutow, fünf seiner Stellvertreter und die Leiterin der medizinischen Abteilung Galina Mokschanowa.

In dieser Kolonie wurden Hunderte ukrainischer Kriegsgefangener und Zivilisten aus besetzten Gebieten festgehalten. Ehemalige Insassen berichten von unmenschlichen Bedingungen: Stromschlägen, Schlägen, Stresspositionen, die zu Geschwüren führen, sexueller Gewalt und simulierten Hinrichtungen. Zivilisten wurden unter denselben Bedingungen wie Gefangene festgehalten, ohne Gerichtsverfahren und offiziellen Status. Die Verweigerung medizinischer Hilfe war zur Norm geworden, was den Zustand der Festgenommenen verschlimmerte.

Politischer Kontext und Ausnahmen

Alle in die neuen Listen aufgenommenen Personen und Einrichtungen unterliegen der Einfrierung ihrer Vermögenswerte. Bürgern und Unternehmen der EU ist es untersagt, ihnen Mittel zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus wurden Einreiseverbote in die Länder der Europäischen Union oder Transit durch deren Hoheitsgebiet verhängt.

Die Europäische Union hat Folter, brutale Behandlung und Tötungen entschieden verurteilt und dazu aufgerufen, unabhängigen Beobachtern, insbesondere dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz, uneingeschränkten Zugang zu allen Gefangenen zu gewähren. Brüssel betonte die Notwendigkeit, die Schuldigen für schwere Verstöße gegen das internationale humanitäre Recht zur Rechenschaft zu ziehen.

Zu beachten ist, dass die neuen Sanktionen gegen Russland nicht nur die Strafverfolgungsbehörden, sondern auch den Technologiesektor betreffen. In die Liste wurden die Unternehmen VK und der Messenger Max aufgenommen.

Gleichzeitig wurde der Patriarch der Russisch-Orthodoxen Kirche, Kirill, erneut nicht in die Liste der Beschränkungen aufgenommen. Trotz wiederholter Forderungen wurde sein Name aufgrund der Position Bulgariens, das Sanktionen gegen den religiösen Führer blockierte, ausgeschlossen.