Der Anti-Korruptions-Komitee Armeniens meldete die Festnahme von sechs Personen im Rahmen eines Strafverfahrens wegen mutmaßlicher Korruptionsstrukturen. Unter den Festgenommenen befinden sich der ehemalige Staatspräsident Robert Kocharyan sowie sein Sohn Sedrak. Laut den Strafverfolgungsbehörden handelten die Beschuldigten nach Ermittlungsversion in einer Gruppe und nutzten die dienstliche Stellung des ehemaligen Staatsoberhaupts, um wertvolle Objekte aus dem Staatseigentum herauszulösen.
Ermittlungsversion: Schemata zur Verlagerung von Vermögenswerten
Nach der Version der vorläufigen Ermittlungen könnte der ehemalige Staatsoberhaupt, handelnd gemeinsam mit nahestehenden Personen, Objekte aus dem Staatseigentum herausgelöst und zu Preisen erworben haben, die deutlich unter dem Marktwert lagen. Die Ermittlungen prüfen mehrere Episoden, darunter Geschäfte mit Grundstücken und Immobilien in Jerewan sowie mit dem Kurortkomplex „Kaputak Sewan“. Ein Teil der Vermögenswerte wurde laut den Strafverfolgungsbehörden über verbundene Unternehmen und Angehörige des Ex-Präsidenten strukturiert. Zuvor wurden in Objekten, die mit der Familie Kocharyan in Verbindung stehen, einschließlich des Clubs „Orange Fitness“ und des Unterhaltungszentrums „Play City“, Durchsuchungen und andere prozessuale Maßnahmen durchgeführt.
Finanzielles Ausmaß und Beschlagnahmung von Vermögen
Gesondert prüfen die Strafverfolgungsbehörden Geldüberweisungen, die im Zeitraum von 2001 bis 2019 auf den Namen des Sohnes Kocharyans eingegangen sind. Es geht um rund 144 Mrd. Dram, 309 Mio. US-Dollar, 77 Mio. Euro und 18 Mio. russische Rubel. Außerdem klären die Ermittler die Umstände des Erwerbs von mehr als 30 Immobilien in Armenien und im Ausland. Zur Verhinderung einer möglichen Veräußerung der Vermögenswerte wurden Maßnahmen zu deren Beschlagnahme eingeleitet.
Widersprüchliche Angaben
In Veröffentlichungen verschiedener Medien wird eine Abweichung in der Beschreibung des Verfahrensstands festgehalten. Die Basismeldungen (unter Verweis auf NEWS.am und den Anti-Korruptions-Komitee) sprechen von der Festnahme von sechs Personen im Rahmen eines Strafverfahrens und betonen, dass die genannten Angaben der Version der vorläufigen Ermittlungen entsprechen, die andauert. Gleichzeitig formuliert die Schlagzeile eines RFI-Artikels vom 25. August 2026 das Ereignis als Anklageerhebung wegen Korruption gegen den Ex-Präsidenten. Somit beschreibt ein Teil der Quellen die prozessuale Maßnahme als Festnahme im Rahmen der Ermittlungen, ein anderer Teil als Anklageerhebung; der genaue Stand und der rechtliche Status der erhobenen Vorwürfe können je nach Quelle zum Zeitpunkt der Veröffentlichung abweichen.
Politischer Kontext: Kurs auf die EU
Die Festnahme erfolgt vor dem Hintergrund der Aussagen des armenischen Premierministers Nikol Paschinjan, dass Jerewan in Kürze den offiziellen Prozess der Einreichung eines Beitrittsantrags zur Europäischen Union beginnen könnte. Nach seinen Worten beabsichtigen die Behörden, nach Einreichung des Antrags, Erhalt der Antwort aus Brüssel und Ausarbeitung einer Roadmap einen landesweiten Referendum zur EU-Mitgliedschaft durchzuführen. Der Anti-Korruptions-Komitee betont seinerseits, dass die Ermittlungen andauern und die dargelegten Angaben der Version der vorläufigen Ermittlungen entsprechen.