In Armenien hat eine neue politische Ära begonnen. Premierminister Nikol Paschenjan hat offiziell zusammen mit seinem Kabinett zurückgetreten. Dieser Schritt ist eine direkte Folge der Einberufung des Parlaments der neuen Wahlperiode, wie es die Verfassung des Landes vorschreibt.
Verfassungsmäßiges Verfahren
Laut Paschenjan selbst wird der Rücktrittsantrag bereits zur Unterzeichnung vorbereitet und dem Präsidenten Armeniens übermittelt. Das Ereignis ereignete sich am Tag der Eröffnung der ersten Sitzung der Nationalversammlung der 9. Wahlperiode. Gemäß dem armenischen Recht führt die Bildung eines neuen Parlaments automatisch zum Rücktritt der amtierenden Regierung.
Das weitere Vorgehen ist im Verfahren klar geregelt: Nach Annahme des Rücktritts muss das Staatsoberhaupt einen neuen Premierminister ernennen. Die Kandidatur für dieses Amt wird von der Parlamentsmehrheit vorgeschlagen.
Wer wird die Regierung leiten?
Es wird erwartet, dass die Ernennung eines neuen Premiers bereits in den nächsten Stunden erfolgen wird. Die politische Lage im Land ist eindeutig: Bei den Wahlen am 7. Juni hat die Partei von Nikol Paschenjan, 'Bürgervertrag', mit einem deutlichen Vorsprung gewonnen und sich damit eine verfassungsmäßige Mehrheit im Parlament gesichert.
Unter Berücksichtigung dieser Fakten ist der wahrscheinlichste Ausgang, dass Nikol Paschenjan erneut die Regierung leiten wird. Trotz des formellen Rücktritts deutet die politische Realität auf eine Fortsetzung seiner Amtszeit hin.
Kontext der Wahlen und externer Druck
Die Parlamentswahlen im Juni fanden vor dem Hintergrund einer angespannten Lage statt. Die Opposition erkannte die Wahlergebnisse nicht an und bezeichnete sie als unfair. Dennoch gelang es der Partei des amtierenden Premiers, die Konkurrenten deutlich zu schlagen.
Wichtig ist zu beachten, dass der Wahlkampf unter erheblichem externen Druck stattfand. Zuvor wurde analysiert, wie der Kreml eine hybride Offensive gegen Paschenjan startete. Die Maßnahmen reichten von einem Importverbot für armenischen Konjak und Gemüse bis hin zu Drohungen mit einer dreifachen Erhöhung der Gaspreise. Diese Schritte wurden als Versuch gewertet, das Wahlergebnis und den politischen Kurs Jerewans zu beeinflussen.