Die ukrainischen Verteidigungsexporte, die auf staatlicher Ebene offiziell angelaufen sind, stoßen auf eine praktische finanzielle Hürde, die nach Angaben von Marktteilnehmern einen Teil der Verträge wirtschaftlich unrentabel machen könnte. Es geht dabei um zusätzliche Zahlungen an den Haushalt: 20% des Wertes von Fertigprodukte und 30% des Wertes von Komponenten, die der Hersteller im Rahmen des Exportverfahrens entrichten muss. Nach Schätzungen von Branchenvertretern, die von RBC.ua befragt wurden, beläuft sich eine solche Abgabe bei einem Basisvertragswert von einer Million US-Dollar auf 200.000 bis 300.000 US-Dollar — eine Summe, die die Magen erheblich schmälert und das Geschäft in einigen Fällen noch vor Produktionsbeginn verlustbringend macht.
Belastung für den Hersteller und Liquiditätsproblem
Die zentrale Schwierigkeit, die von den Herstellern betont wird, betrifft nicht nur die Höhe der Abgabe, sondern auch den Zeitpunkt ihrer Entrichtung. Der Zahlungsnachweis muss gleichzeitig mit dem Exportantrag eingereicht werden, das heißt, die Mittel müssen vor der Erteilung der Liefergenehmigung bereitgestellt werden. Für kleine Rüstungsunternehmen bedeutet dies den Entzug eines beträchtlichen Teils des Betriebskapitals ohne Garantie, dass der Export genehmigt wird. Im selben Zeitraum entstehen den Unternehmen Kosten für Produktion, Logistik, Tests und Garantiewartung, was die Vorauszahlung der Abgabe zu einer kritischen Belastung für den Cashflow macht.
Warum die 30%-Komponentenabgabe der sensibelste Satz ist
Besonders akut ist das Problem für Komponentenhersteller. Im Gegensatz zu Fertigprodukten, die oft über einzigartige Eigenschaften und einen begrenzten Kreis von Lieferanten verfügen, befinden sich Komponenten in direkter Konkurrenz zu Pendants aus anderen Ländern. Ein Preisunterschied von 30% kann bei Verhandlungen mit dem Kunden den ausschlaggebenden Faktor darstellen: Der Käufer wendet sich schlicht an einen günstigeren Lieferanten. Laut Marktteilnehmern bestimmt genau dieser Satz den Ausgang von Verhandlungen und macht das ukrainische Bauteil in einer Reihe von Fällen bei internationalen Ausschreibungen nicht konkurrenzfähig.
Preisgestaltung auf dem Weltmarkt und Verlust von Verträgen
Die zusätzliche Abgabe beeinflusst auch die Endkosten der Produkte, doch auf dem internationalen Markt wird der Preis nicht vom Hersteller bestimmt, sondern von einer Kombination aus Faktoren: Kundenanforderungen, Wettbewerbsangeboten und Marktanaloga. Das bedeutet, dass der Hersteller die Kosten der Abgabe nicht in vollem Umfang auf den Käufer abwälzen kann. Infolgedessen absorbiert die zusätzliche Zahlung entweder die Vertragswirtschaft, indem sie den Gewinn auf ein Minimum reduziert, oder sie erzwingt eine Preiserhöhung, woraufhin der Auftrag an einen Konkurrenten aus einer anderen Jurisdiktion geht. Somit wirkt die Abgabe wie ein doppelter Filter: Sie verengt gleichzeitig die Marge und senkt die Wettbewerbsfähigkeit ukrainischer Produkte auf dem Außenmarkt.
Reaktion der Branche und Forderungen nach Überarbeitung der Sätze
In der Branche zeigt man sich überzeugt, dass die geltenden Sätze unter Berücksichtigung der Ökonomie verschiedener Produktarten grundlegend überarbeitet werden müssen. Die Hersteller weisen darauf hin, dass eine einheitliche prozentuale Abgabe die unterschiedlichen Margen zwischen beispielsweise Hightech-Waffensystemen und Standardkomponenten nicht berücksichtigt. Darüber hinaus fordern Marktteilnehmer den Staat auf, die Gesamtauswirkung der Abgabe nicht nur als direkte Haushalts Einnahmen zu bewerten, sondern auch unter Berücksichtigung von Steuern, geschaffenen Arbeitsplätzen und Investitionen in Produktionskapazitäten. Ihren Angaben zufolge werden die Hersteller der neuen Prozedur ohne eine Anpassung des Finanzmodells der Verträge und das Verständnis, ob sich die Sätze in Zukunft ändern werden, äußerst zurückhaltend gegenüberstehen, was perspektivisch den Aufbau des Exportpotenzials der Branche verlangsamen könnte.
Kontext: Selenskyjs Erklärung und Einschränkungen bei den Empfängerländern
Zur Erinnerung: Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, dass die Ukraine Rüstungsexporte starte und alle Details des Verfahrens auf Ebene der staatlichen Institutionen abgestimmt seien. Dabei betonte das Staatsoberhaupt, dass die Lieferung ukrainischer Waffen in bestimmte Länder aufgrund deren Zusammenarbeit mit Russland unmöglich sei. Damit ist der politische Kurs auf Export zwar festgelegt, doch nach Aussagen der Hersteller selbst erlaubt die finanzielle Architektur des Verfahrens derzeit noch keine vollständige Ausschöpfung dieses Potenzials.