Das ukrainische Verteidigungsunternehmen Fire Point hat seine ballistische Rakete FP-7 in die Phase der militärischen Erprobung überführt. Dies erklärte die Geschäftsführerin des Unternehmens, Irina Terech, am Rande der Branchenkonferenz Photonics4Defense 2026: Technology Exchange & Matchmaking. Ihren Worten zufolge hat die Rakete bereits zwei Vorprüfphasen erfolgreich durchlaufen und befindet sich nun in der Phase der militärischen Erprobung, die zugleich in den Kodifizierungsprozess des Erzeugnisses einfließt – also in das formale Festlegen seiner Eigenschaften und die Vorbereitung auf die Serienanwendung.
Prüfphasen: vom Labor zum Flug
Wie Terech erläuterte, hatten die ersten Erprobungsphasen einen boden- und labortechnischen Charakter: Dabei wurden nacheinander jedes System und jede Teilsystem der Rakete geprüft, darunter auch der Raketenantrieb und die Navigationsausrüstung. Der nächste Schritt sind die Flugversuche, bei denen die tatsächlichen Betriebsparameter der Rakete im Flug erfasst und mit den berechneten Werten abgeglichen werden. Gerade das Abschluss dieses Zyklus und der Übergang zu den militärischen Erprobungen betrachtet das Unternehmen als entscheidende Schwelle vor einem möglichen Kampfeinsatz.
„Es fehlt an Raum“: Die Frage der Testgelände
Auf die Frage nach den Zeitrahmen gab Terech zu, dass die FP-7 möglicherweise schon in Kürze in den Kampfeinsatz übergehen könnte. Dabei wies sie auf ein organisatorisches Problem hin: Da es sich um eine ballistische Rakete großer Reichweite handelt und in der Ukraine ihrer Einschätzung nach nicht genügend Raum für vollständige Erprobungen vorhanden sei, werde „vermutlich die zweite Phase nahtlos in die dritte übergehen“, und es sei möglich, dass „die Erprobungen unmittelbar am Gegner“ beginnen müssten. Diese Aussage verknüpft das Abschluss der Erprobungen faktisch mit dem Einsatz des Erzeugnisses unter realen Bedingungen des Konflikts.
Kontext des ballistischen Programms von Fire Point
Schon Ende Juli hatte der Fire-Point-Vertreter Denis Shtillerman ein Foto eines nächtlichen Starts einer ukrainischen Rakete veröffentlicht und erklärt, dass die FP-7 als kostengünstiges Äquivalent des US-Systems ATACMS mit einer Reichweite von bis zu 200 km positioniert wird, während die leistungsfähigere Modifikation FP-9 Ziele auf einer Entfernung von 800–850 km treffen kann. Damals wurde ebenfalls berichtet, dass der Kampfeinsatz der FP-7 bereits im laufenden Jahr erfolgen könnte und die ballistischen Raketen des Unternehmens sich in den finalen Erprobungsphasen befinden. Anfang August wurde bekannt, dass Fire Point einen eigenen Turbostrahltriebwerk entwickelt hat, das für die Lenkflugkörper „Flamingo“ verwendet werden kann; laut Terech stellte sich die Entwicklung des Triebwerks als schwierigere Aufgabe heraus als die Entwicklung der Rakete selbst.
Widersprüchliche Angaben
In den öffentlichen Aussagen des Unternehmens gibt es einige Unstimmigkeiten, die zu berücksichtigen sind. Erstens charakterisiert Terech auf der Konferenz die FP-7 als „ballistische Rakete sehr großer Reichweite“, während in der eigenen früheren öffentlichen Beschreibung (Ende Juli) die FP-7 als Äquivalent von ATACMS mit einer Reichweite von bis zu 200 km erscheint – also als Erzeugnis mittlerer und nicht „sehr großer“ Reichweite; als sehr große Reichweiten werden in der Produktlinie des Unternehmens die FP-9 (800–850 km) bezeichnet. Zweitens werden die Zeitrahmen für den Kampfeinsatz unterschiedlich dargestellt: Im Juli wurde vom „laufenden Jahr“ gesprochen, auf der Konferenz hingegen von „Kürze“ und „Wochen“, wobei das Unternehmen die Möglichkeit vollständiger Erprobungen selbst mit dem Mangel an Testgelände-Flächen und der Wahrscheinlichkeit einer Prüfung „unmittelbar am Gegner“ einschränkt. Diese Formulierungen spiegeln eher die Projektionen der Führung wider als unabhängig bestätigte Fakten.