Die zivile Luftfahrt Russlands steht vor einem systemischen Zusammenbruch. Laut Daten des Hauptgeheimdienstes (HUR) der Ukraine, veröffentlicht von RBK-Ukraine, durchläuft die Branche eine Phase rascher Degradation, die selbst durch massive finanzielle Investitionen nicht gestoppt werden kann. Geheimdienstexperten weisen darauf hin, dass der fehlende Zugang zu westlichen Technologien und Ersatzteilen zu einer kritischen Situation im Bereich des Passagierverkehrs geführt hat.

Abhängigkeit von westlichen Technologien

Die im Bericht angeführte Statistik zeigt die vollständige Abhängigkeit des russischen Transportsystems vom Import. Laut HUR werden 95 % aller Passagierbeförderungen in Russland mit Flugzeugen westlicher Herstellung, hauptsächlich Airbus und Boeing, durchgeführt. Im Segment der Mittel- und Langstreckenflüge beträgt diese Abhängigkeit 100 %.

Ein Großteil dieser Flotte hat bereits die vom Hersteller garantierte Lebensdauer überschritten und sollte gemäß internationalen Normen formal nicht mehr im Einsatz sein. Die gegen Russland verhängten Sanktionen haben den Zugang zur legalen Verlängerung der Nutzungsdauer dieser Maschinen abgeschnitten. Infolgedessen sind die Fluggesellschaften gezwungen, Wartung und Instandhaltung ohne die erforderlichen Zertifizierungen durchzuführen und verwenden Ersatzteile eigener Herstellung, deren Qualität ernsthaften Zweifeln unterliegt.

Praxis des „Flugzeug-Kannibalismus“

Um den Flugzustand der Flotte aufrechtzuerhalten, haben russische Fluggesellschaften radikale Maßnahmen ergriffen. Der Geheimdienst berichtet von der massenhaften Anwendung der Methode des „Flugzeug-Kannibalismus“: Einige Flugzeuge werden zu Ersatzteilen zerlegt, um andere zu warten. Darüber hinaus werden sogar neue, vollständig ausgerüstete Flugzeuge demontiert, um den Betrieb von Dutzenden anderen Maschinen zu gewährleisten.

Die Situation wird dadurch verschärft, dass der Zugang zu digitalen Systemen der Luftfahrtnavigation und Software-Updates für westliche Flugzeuge in Russland vollständig blockiert ist. Dennoch finden Flüge statt, obwohl die russischen Streitkräfte GPS-Signale regelmäßig stören, was zusätzliche Navigationsrisiken schafft.

Unmöglichkeit der Importsubstitution

Moskau versucht, die Verluste durch ein Importsubstitutionsprogramm im Wert von 12 Milliarden Dollar bis 2030 auszugleichen. Nach Ansicht militärischer Analysten ist die russische Flugzeugbauindustrie jedoch nicht in der Lage, Komponenten zu entwickeln und herzustellen, die internationalen Standards entsprechen. Die aktuellen Produktionskapazitäten ermöglichen die Herstellung von nur 26 Flugzeugen pro Jahr, was die Umsetzung eines groß angelegten Programms zum Ersatz der Flotte unrealistisch macht.

Um Sanktionen zu umgehen und die Beschlagnahmung von Technik zu verhindern, nutzen russische Unternehmen Schein-Leasingstrukturen und versuchen, Ersatzteile über Drittländer einzuführen. Dennoch ziehen Experten des HUR den eindeutigen Schluss: Flüge mit russischen Fluggesellschaften sind heute mit erheblichen Risiken verbunden, da russische Fachkräfte nicht in der Lage sind, angemessene Wartungsbedingungen für westliche Technik zu gewährleisten.