Am frühen Mittwochmorgen, dem 26. August, brach im Bezirk Rasuwa nördlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu eine plötzliche Flutwelle mit Erdrutsch über die Region herein. Nach den neuesten Angaben kamen mindestens 18 Menschen ums Leben, rund 400 gelten als vermisst, ganze Dörfer wurden von der Naturkatastrophe fortgerissen. Laut vorläufigen Informationen wurde das Unglück durch ein Erdbeben ausgelöst, das eine Lawine aus schmelzendem Schnee verursachte, die in den Fluss Bhote Koshi stürzte. Auf verifizierten Aufnahmen ist zu sehen, wie der Strom eine Brücke fortreißt und mehrstöckige Gebäude zerstört.

Umfang der Zerstörung und Verlauf der Suchaktionen

Laut Angaben der nepalesischen Armee werden die Such- und Rettungsarbeiten auf beiden Seiten der Grenze durchgeführt; bislang wurden 88 Menschen gerettet. Der Sprecher der nepalesischen Armee, Rajaram Basnet, berichtete von Bemühungen, 115 Menschen aus dem Dorf Maylung zu retten. Das Innenministerium warnte vor erheblichen Verlusten in den Ortschaften Timur, Syabrubese und Betrawati. Mehrere Bezirke flussabwärts des Bhote Koshi wurden in einen Zustand erhöhter Bereitschaft versetzt: Straßen, Kommunikation und Stromversorgung sind gestört, und die Hauptstraße nach Kathmandu ist gesperrt.

Unter den Vermissten sind Touristen und Angehörige der Sicherheitskräfte

Der nepalesische Tourismusrat teilte mit, dass die Suche nach 291 Touristen und 93 nepalesischen Staatsbürgern, darunter Reiseleiter, die sich im Flutgebiet befanden, fortgesetzt wird. Darunter befinden sich 12 Reisende aus Großbritannien sowie Staatsangehörige der USA, Malaysias, Südafrikas und Indiens. Nepals Außenminister Shishir Khanal berichtete dem Parlament, dass 26 Polizisten, neun bewaffnete Polizisten und 44 Soldaten vermisst werden. Nepalesische Beamte erwarten „erhebliche Verluste“, und die staatlichen chinesischen Medien, die Tibet kontrollieren, berichten über zahlreiche Opfer.

Schlag gegen Infrastruktur und Energiewirtschaft

Die Naturkatastrophe beschädigte das Wasserkraftprojekt Trishuli. Das nepalesische Energieministerium erklärte, dass 430 MW Stromversorgung betroffen seien, überwiegend aus Wasserkraftwerken. Laut Berechnungen von Reuters entspricht dies mehr als 12 % der gesamten nationalen Wasserkraftkapazität von 3,2 GW. Brücken und mehrstöckige Gebäude wurden zerstört, und entlang des Flusslaufs des Bhote Koshi besteht weiterhin Gefahr für die Bevölkerung.

Ursache der Katastrophe und Gefahr einer zweiten Flutwelle

Nach vorläufigen Angaben war die Flut die Folge eines Erdbebens, das den Abfluss von schmelzendem Schnee in den Fluss Bhote Koshi auslöste. Die Behörden warnten vor einer möglichen zweiten Flutwelle: flussaufwärts an der Grenze zwischen Nepal und China hat sich ein Damm aus Trümmern gebildet, weshalb die Menschen an den Flussufern zur Wachsamkeit aufgerufen werden. Der chinesische Präsident Xi Jinping forderte „umfassende“ Suchmaßnahmen nach den Vermissten sowie die Stärkung der Überwachungs- und Frühwarnsysteme, um Sekundärkatastrophen zu vermeiden.

Widersprüchliche Angaben

In den Erklärungen der Beteiligten und in den Lageberichten gibt es Ungereimtheiten, die zu berücksichtigen sind. Erstens variiert die Zahl der Vermissten: In einigen Berichten wird von „rund 400“ gesprochen, während die Summe der separat genannten Gruppen – 291 Touristen und 93 nepalesische Staatsbürger – 384 Personen ergibt, und mit Einbeziehung der 79 vermissten Polizei- und Armeeangehörigen die Gesamtzahl 460 übersteigt. Zweitens ist die Zahl der Todesopfer („mindestens 18“) vorläufig und kann, wie die Beamten einräumen, noch steigen. Drittens wurde die Ursache der Flut bisher nur „nach vorläufigen Informationen“ genannt und mit dem Erdbeben in Verbindung gebracht, obwohl der Mechanismus des Abflusses des Schmelzwassers noch bestätigt werden muss. Besonders hervorzuheben ist: Das im Kontext erwähnte starke Erdbeben der Stärke 7,1 in Japan Ende Juli ist ein separates Ereignis, das mit der Flut in Nepal nichts zu tun hat.

Reaktion der Behörden und internationale Resonanz

Die Such- und Rettungsarbeiten werden auf beiden Seiten der Grenze koordiniert, und die chinesische Seite erklärte den Übergang zu „umfassenden“ Arbeiten und die Stärkung der Frühwarnsysteme. Die nepalesischen Behörden konzentrieren sich auf die Evakuierung der Bewohner der Flussdörfer und die Wiederherstellung der gestörten Kommunikationsverbindungen. Die Lage bleibt dynamisch, und die endgültigen Angaben zu Opfern und Zerstörungen werden im Zuge des Vorrückens der Rettungstrupps präzisiert.