Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen erklärte in einem Interview mit dem dänischen Fernsehsender DR, auf den sich RBC-Ukraine bezieht, dass die westlichen Staaten über eine ausreichende Anzahl von Patriot-Luftabwehrsystemen verfügen und diese der Ukraine in zusätzlichem Umfang übergeben können. Ihrer Aussage zufolge ist das Einzige, was der Verwirklichung dieses Szenarios im Weg steht, das Fehlen des entsprechenden politischen Willens seitens der Partner. „Wir haben Patriot-Systeme in der Umgebung. Dänemark als Land kann das nicht, aber der Ukraine kann durchaus mehr Unterstützung bei der Luftverteidigung geleistet werden“, betonte die dänische Regierungschefin und präzisierte, dass Kopenhagen selbst über keine solchen Systeme verfüge.
Warnung vor winterlichen Risiken
Frederiksen wies darauf hin, dass ein Zögern bei der Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung schwere Folgen für die Zivilbevölkerung im Winter haben werde. „Wenn wir das nicht tun, wird die Ukraine einen Winter erleben, in dem die Russen alles um sich herum zerstören, bombardieren, auch mit ballistischen Raketen, und viele Menschen töten werden“, warnte die Premierministerin. Ihre Worte kommen vor dem Hintergrund anhaltender massiver Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine, die in der Herbst-Winter-Saison zu systematischen Strom- und Heizausfällen führen können.
Der Faktor USA und die Produktionslizenz
Separat hob Frederiksen hervor, dass, obwohl die europäischen Länder derzeit den Großteil der Unterstützung für Kiew auf sich nehmen, ein Verzicht auf die Vereinigten Staaten nicht möglich sei. Der entscheidende Grund: Nur die USA besitzen die Lizenz zur Herstellung von Raketen für die Patriot-Systeme, was Washington zu einem unverzichtbaren Glied in der Lieferkette macht. Ohne die amerikanische Beteiligung können die europäischen Länder den Munitionsbestand für die bereits gelieferten Systeme nicht eigenständig auffüllen.
Parallele Initiativen Kiews
Die Ukraine ihrerseits setzt ihre systematische Arbeit zur mehrkanaligen Stärkung der Luftverteidigung fort. So wird insbesondere an der Beschaffung zusätzlicher französischer SAMP/T-Systeme und an der Umsetzung des gemeinsamen Projekts FREYA gearbeitet. Die Verhandlungen mit Deutschland über den Abschluss eines Sonderabkommens, das die Lieferung von PAC-2-Raketen für die Patriot-Systeme sicherstellen soll, werden fortgesetzt. Parallel dazu baut die ukrainische Industrie ihre eigenen Entwicklungen und die Produktion von Mitteln zur Abwehr ballistischer Bedrohungen aus.
Die Position Selenskyjs
Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seinen Ansprachen betont, dass Raketen für die Patriot-Luftabwehrsysteme in der Welt existierten und kein unüberwindbares Defizit darstellten. Der Staatschef rief die Verbündeten auf, eine konkrete politische Entscheidung über die Übergabe von Munition an die Ukraine zu treffen, statt die knappen Raketen auf Lagern zu horten. Die Erklärung Frederiksens bestätigt diese Position im Wesentlichen: Das Problem liege ihrer Einschätzung nach nicht im Fehlen von Technik, sondern in der Bereitschaft der Politiker, die entsprechenden Dokumente zu unterzeichnen.