Geespace, eine Tochtergesellschaft des chinesischen Automobilkonzerns Geely Holding Group, hat vom chinesischen Ministerium für Industrie und Informationstechnologie die Genehmigung für zweijährige Tests ihrer eigenen orbitalen Konstellation von Kommunikationssatelliten erhalten. Wie die South China Morning Post berichtet, geht dies aus einer entsprechenden Mitteilung auf der offiziellen Website des Ministeriums hervor. Die im August 2026 erteilte Genehmigung macht Geespace zur ersten privaten Firma in China, die das Recht auf Tests einer solchen Satelliteninfrastruktur erhält.
Von den Montagebändern zu orbitalen Konstellationen
Geespace wurde 2018 als spezialisierte Einheit der Geely Holding Group mit dem einzigen strategischen Ziel gegründet: den Aufbau einer orbitalen Konstellation von Kommunikationssatelliten, die die Datenübertragung mit minimalen Kosten ermöglicht. Zwischen 2022 und 2025 brachte das Unternehmen 64 Satelliten im Rahmen von sechs Starts in den Orbit und schloss damit die erste Phase des Aufbaus seiner Konstellation ab. Das Endziel des ambitionierten Projekts liegt bei mehr als 5.600 Kommunikationssatelliten im Orbit. Bereits jetzt arbeitet Geespace mit Telekommunikationsbetreibern in über 20 Ländern Asiens, Lateinamerikas, des Nahen Ostens und Afrikas zusammen.
Genehmigung für den Privatsektor: ein Präzedenzfall in China
Das Satellitennetz von Geespace dient dem Datenaustausch über Terminals, die auf Fahrzeugen aller Art installiert sind – im Straßen-, Schienen- und Schiffsverkehr. In China wurde eine solche Genehmigung erstmals einer privaten Firma erteilt. Der Präzedenzfall für den Staatssektor wurde im Mai 2026 verzeichnet, als die vom staatlichen Telekommunikationsriksen China Mobile finanzierte Beijing Guodian High-Tech Technology eine ähnliche Genehmigung erhielt. Damit formt sich der regulatorische Rahmen für die Satellitenkommunikation in China nach einem zweistufigen Modell: zuerst die staatlichen Betreiber, dann die privaten Akteure.
Strategie „nicht wie Starlink“: Fokus auf IoT und flächendeckende Abdeckung
Die technische Philosophie der chinesischen Satellitensysteme unterscheidet sich grundlegend vom Ansatz von SpaceX Starlink. Während Starlink auf die schnelle Datenübertragung für den Endnutzer ausgerichtet ist, sind die chinesischen Systeme, einschließlich Geespace, auf einen geringen Energieverbrauch der Terminals und eine möglichst breite geografische Abdeckung ausgelegt. Eine solche Infrastruktur wird in China vor allem als Baustein für die Entwicklung des Internets der Dinge (IoT) betrachtet, in dem Milliarden verbundener Geräte einen stabilen, wenn auch nicht hochgeschwindigkeitsfähigen Kommunikationskanal benötigen. Experten erwarten, dass anderen chinesischen Telekommunikationsbetreibern das Beispiel von Geespace folgen wird, da auf dem Markt für IoT-Kommunikation für alle genug Platz sein wird.
Der Markt für Satelliten-IoT wächst zweistellig
Laut Schätzungen der Analyseagentur ABI Research nutzten im Jahr 2025 mindestens 13,6 Millionen Geräte die Satellitenkommunikation für Zwecke des Internets der Dinge, was 20,7 % mehr als im Vorjahr entspricht. Bis 2030 wird sich diese Zahl nach Prognosen derselben Agentur mehr als verdoppeln – auf 28,6 Millionen Geräte – und der entsprechende Umsatz des Segments wird 3,1 Milliarden US-Dollar erreichen. In diesem Kontext wirkt die von Geespace erhaltene zweijährige Testgenehmigung nicht wie eine bloße regulatorische Formalität, sondern wie ein Signal dafür, dass der private Weltraumsektor Chinas in eine Phase der vorauseilenden Kommerzialisierung eintritt.