Der ukrainische Militärische Nachrichtendienst meldet weitreichende Vorbereitungen für eine allgemeine Mobilmachung in Russland. Laut dem Hauptverwaltung für Aufklärung (HUR) des ukrainischen Verteidigungsministeriums ist die gesamte notwendige Infrastruktur für diese Maßnahme bereits bereit. Allerdings, wie der Sprecher der Behörde Andrij Tjernjak anmerkt, könnte der Start des Prozesses bis zum Abschluss der Herbstwahlen zur Staatsduma verschoben werden.
Infrastruktur bereit, aber der Zeitpunkt ist noch nicht gekommen
Andrij Tjernjak betonte in seiner Erklärung im Telegram-Kanal, dass die russische Führung absichtlich öffentliche Diskussionen über das Thema Mobilmachung vermeidet. Als Hauptgrund für diese Vorsicht wird die mögliche Unzufriedenheit der Bevölkerung genannt. „Wenn die feindlichen Führer und Propagandisten der Bevölkerung jetzt signalisieren, dass eine Mobilmachung stattfinden wird, ist unklar, wie die Russen darauf reagieren werden', erklärte der Nachrichtendienst-Sprecher.
Laut Einschätzungen der ukrainischen Seite bleibt die Wahrscheinlichkeit einer Mobilmachung nach den Wahlen hoch. Experten verbinden dies mit der Notwendigkeit, personelle Verluste auszugleichen und die Frontabschnitte zu verstärken.
Mangel an Personal und „Kanonenfutter“
Der ukrainische Nachrichtendienst weist auf einen erheblichen Mangel an Personal in der russischen Armee hin. Trotz der Verfügbarkeit ausreichender Ausbildungszentren und Übungsplätze benötigt Moskau zusätzliche menschliche Ressourcen, um die Kampfhandlungen gegen die Ukraine fortzusetzen.
„Sie brauchen einfach ‚Kanonenfutter‘, das gegen die Ukraine kämpfen wird', fasste Tjernjak zusammen. Dies bestätigt, dass die Mobilmachung als Mittel zur schnellen Vergrößerung der Truppenstärke ohne zusätzliche Kosten für Vertragsangehörige betrachtet wird.
Druck auf Unternehmen und Regionen
Die Behörden der russischen Regionen haben bereits begonnen, Druck auf Unternehmer auszuüben und von ihnen die Bereitstellung von Personal für den Krieg zu verlangen. Wenn die Geschäftsleute nicht bereit sind, diese Forderung zu erfüllen, wird ihnen angeboten, sogenannte „Abfindungen' zu zahlen. Diese Praxis deutet darauf hin, dass Moskau bereit ist, alle Methoden anzuwenden, um Personalprobleme zu lösen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor ebenfalls vor einer neuen Welle der Mobilmachung nach den Wahlen zur Staatsduma gewarnt. Er verband dies mit dem Wunsch des Kremls, erhebliche Kosten für die Unterhaltung von Vertragsangehörigen zu vermeiden.