Seit mehr als tausend Jahren stehen Astronomen vor demselben Rätsel: In antiken Katalogen wurde der Stern Theta Eridani als Objekt von unglaublicher Helligkeit beschrieben, die mit dem, was wir heute sehen, nicht vergleichbar ist. Lange Zeit wurde diese Diskrepanz als einfacher Fehler von Abschreibern oder eine Verwechslung mit einem anderen Stern angesehen. Eine neue Studie, die auf dem Preprint-Server arXiv veröffentlicht wurde, liefert jedoch endlich eine physikalische Erklärung für dieses Phänomen.

Fehler der Antike oder reales Phänomen?

Historische Aufzeichnungen deuten eindeutig darauf hin, dass Theta Eridani einst einer der auffälligsten Objekte am Nachthimmel war. Bereits im Jahr 129 v. Chr. beschrieb der antike griechische Astronom Hipparch sie als den hellsten und südlichsten Stern im Sternbild Eridanus. Zwei Jahrhunderte später nahm Claudius Ptolemäus sie in seinem grundlegenden Werk „Almagest“ in die Liste der 13 hellsten Sterne des gesamten Himmels auf.

Sogar im Jahr 964 n. Chr. schrieb der persische Gelehrte al-Sufi dem Stern die erste Sterngröße zu. Der radikale Wandel trat erst im Jahr 1603 ein, als der niederländische Seefahrer Frederick de Houtman einen neuen Katalog des südlichen Himmels erstellte. Darin ordnete er Theta Eridani der dritten Größe zu – einer Eigenschaft, die ihrem heutigen Zustand vollständig entspricht.

Lange Zeit neigte die wissenschaftliche Gemeinschaft dazu, die Version zu bevorzugen, dass antike Astronomen Theta Eridani einfach mit ihrem viel helleren Nachbarn, Alpha Eridani (Achernar), verwechselt haben. Moderne Berechnungen widerlegen diese Hypothese jedoch: Die antiken Beobachter sahen die Realität so, wie sie war.

Dreifachsystem und evolutionärer Ausbruch

Moderne Beobachtungen haben bestätigt, dass Theta Eridani kein einzelner Stern, sondern ein komplexes Dreifachsystem ist. Sein Kern besteht aus einem engen inneren Sternpaar mit Massen von etwa 2,3 und 2,2 Sonnenmassen. Sie rotieren in einem kritisch nahen Abstand – nur 0,083 astronomische Einheiten voneinander entfernt. Zum Vergleich: Das entspricht nur einem Fünftel des Abstands von Merkur zur Sonne.

Genau diese Nähe war der Schlüssel zur Lösung des Rätsels. In solchem Abstand kann die eigene Gravitation eines Sterns seine Materie nicht mehr halten, und diese beginnt, auf den benachbarten Objekt zu fließen. Der massereichere Stern des Systems hat vor kurzem die Wasserstofffusion im Kern abgeschlossen und befindet sich in einer Übergangsphase der evolutionären Entwicklung.

Zehnmal heller

Neue Modelle von Astrophysikern zeigen, dass Theta Eridani zwischen 2000 und 1000 n. Chr. tatsächlich visuell zehnmal heller leuchtete als heute. Dies wird durch umfangreiche evolutionäre Prozesse innerhalb des engen Doppelsternsystems erklärt, die vorübergehend sein Leuchten verstärkten. Somit waren die Aufzeichnungen von Hipparch, Ptolemäus und al-Sufi kein Fehler, sondern eine genaue Wiedergabe des Zustands des Sterns in dieser historischen Periode.