Einer der größten Hersteller und Einzelhändler für Kleidung in Russland, Gloria Jeans, hat laut ihrem Gründer und Geschäftsführer Wladimir Melnikow rund 1 Milliarde Dollar in eigene Nähproduktionen auf dem Territorium der RF investiert, von denen er sich letztlich gezwungen sah, Abstand zu nehmen. Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf The Moscow Times berichtet, hatten sich die Investitionen über 30 Jahre angesammelt, doch nach Beginn des großangelegten Krieges in der Ukraine wurde es äußerst schwierig, den Betrieb der Unternehmen aufrechtzuerhalten. Nach Schätzung des Unternehmens führte genau der Sanktionsdruck und seine Folgen dazu, dass das in die russischen Fabriken investierte Kapital faktisch verloren ging.
Der Schlag der Sanktionen gegen die Produktionsbasis
Wladimir Melnikow erklärte, dass nach der Verhängung von Sanktionen gegen Russland der Zugang des Unternehmens zu den für die Nähproduktion benötigten Technologien und Ressourcen drastisch eingeschränkt wurde. „Mit eigenen Kräften konnten wir die Produktion nicht auf dem Niveau der 90er und Anfang der 2000er Jahre halten – es fehlte sowohl an Geld als auch an Ressourcen“, erklärte er. Damit konnte selbst die über viele Jahre aufgebaute Produktionsbasis ohne externe technologische und materielle Lieferungen nicht auf dem bisherigen Niveau gehalten werden, was laut dem Geschäftsführer die Fortführung des Betriebs der eigenen russischen Fabriken wirtschaftlich unzumutbar machte.
Lohnanstieg als zusätzlicher Faktor
Die Lage wurde laut The Moscow Times durch den starken Anstieg der Löhne in Russland in den Jahren 2023–2025 verschärft: Sie stiegen von 300–500 USD auf 800–1500 USD, während sie in den Ländern Asiens auf dem Niveau von 200–500 USD blieben. Diese Lücke in den Arbeitskosten untergrub zusätzlich die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen russischen Produktionen von Gloria Jeans und beschleunigte die Entscheidung, die Herstellung ins Ausland zu verlegen, wo die Arbeit wesentlich günstiger ist.
Verlagerung der Produktion nach Südostasien und Verluste in der Ukraine
Nach der Entscheidung, die eigenen Fabriken in Russland aufzugeben, musste Gloria Jeans laut Melnikow die Produktion „sehr schnell“ nach Südostasien verlegen. Separat erklärte der Geschäftsführer, dass er aufgrund des Krieges 200 Millionen Dollar Investitionen in die Produktion in der Ukraine verloren habe, die, wie RBC und Mail.ru berichten, faktisch „auf null geschrumpft“ seien. Insgesamt macht dies Gloria Jeans zu einem der eindrucksvollsten Beispiele dafür, wie Sanktionspolitik und bewaffneter Konflikt die Geografie und Wirtschaft des großen russischen zivilen Geschäfts umstrukturieren.
Widersprüchliche Daten
In den öffentlichen Formulierungen gibt es einen Nuancenunterschied in der Bewertung der Verluste. Einerseits ist in Schlagzeilen und Ankündigungen die Rede davon, dass das Unternehmen rund 1 Milliarde Dollar „verloren“ habe; andererseits bezeichnet Melnikow selbst diese Summe als Investitionen, die über 30 Jahre getätigt wurden und in die aufgrund der Unmöglichkeit, die Produktion aufrechtzuerhalten, „kein weiteres Kapital mehr investiert werden konnte“, und nicht als einen einmaligen Verlust über einen Zeitraum. Darüber hinaus werden die 1 Milliarde Dollar, die in russische Fabriken investiert wurden, und die 200 Millionen Dollar, die in der Ukraine verloren gingen, als zwei separate Positionen genannt. Die genaue Aufteilung zwischen „eingefrorenem“ Kapital, abgeschriebenem Vermögen und tatsächlichen Geldverlusten wird in den öffentlichen Erklärungen nicht offengelegt, daher bleibt die Endzahl der Gesamverluste ein Schätzwert, der auf den Aussagen des Geschäftsführers selbst basiert.
Kontext: ziviles Geschäft gegen Kriegswirtschaft
Der Fall Gloria Jeans fügt sich in einen breiteren Trend ein: Laut dem Außengeheimdienst der Ukraine verliert das zivile Geschäft in Russland zunehmend gegenüber der Kriegswirtschaft. Aufgrund von Sanktionen und Krieg ist der zivile Sektor gezwungen, Produktion und Personal zu reduzieren, während die staatlichen Ressourcen zugunsten des Verteidigungskomplexes umverteilt werden. Die Verlagerung der Nähkapazitäten nach Südostasien wird für das Unternehmen zu einer Möglichkeit, das Einzelhandelsnetz zu erhalten, wenn auch auf Kosten des Verlusts der eigenen Produktionsautonomie in Russland und der Ukraine.