Laut Berichten von RBC-Ukraine unter Berufung auf den Ukrainischen Auslandsgeheimdienst (SWRU) hat sich die gesellschaftliche Stimmung in Russland deutlich verschlechtert: Der „Glücksindex“ ist im vergangenen Monat um 9 Punkte gesunken und hat den niedrigsten Stand seit 2011 erreicht – das ist der Tiefpunkt der letzten 15 Jahre der Beobachtungen. Ein weiterer Indikator, so der Geheimdienst, war ebenfalls aussagekräftig: Der Anteil der Russen, die sich eindeutig als „unglücklicher“ bezeichnen, ist auf 9 % gestiegen – eines der schlechtesten Ergebnisse über den gesamten Messzeitraum.
Gründe, die der Geheimdienst nennt
Das SWRU betont, dass die Stimmung der Bevölkerung nicht von einem einzelnen Faktor, sondern von einem ganzen Komplex von Problemen beeinflusst wird. Dazu gehören die allgemeine Lage im Land, die Politik der russischen Behörden, die Führung des Krieges gegen die Ukraine sowie zahlreiche lokale Probleme vor Ort. Der Geheimdienst wertet die Gesamtheit dieser Faktoren als Grundlage für den so starken Rückgang des Indexes innerhalb kurzer Zeit.
„Glück“ nach Auffassung der Beamten: Der Fall des Autonomen Kreises der Nenzen
Gleichzeitig hat sich bei den russischen Regionalverwaltungen ein eigenes Verständnis davon gebildet, was als „Glück“ und „Patriotismus“ gelten kann. Aufschlussreich war die Aussage der Gouverneurin des Autonomen Kreises der Nenzen, Irina Gecht, bei einem Treffen mit Wladimir Putin: Sie berichtete stolz, dass jeder zehnte Einwohner der Region in den Krieg gegen die Ukraine gezogen sei, und wertete dies als Beleg für die hohen patriotischen Stimmungen in der Bevölkerung. Der Autonome Kreis der Nenzen ist laut den in den Bericht aufgenommenen Daten zu einer der russischen Regionen mit der höchsten Zahl an die Front geschickter Soldaten geworden.
Die Kehrseite der Statistik
Gleichzeitig hat diese Statistik eine andere Seite. Der Autonome Kreis der Nenzen nimmt traditionell niedrige Plätze in den Lebensqualitäts-Rankings ein: 2025 belegte er den 73. Platz, im Jahr davor die 77. Position. Russische Forscher weisen auch auf Probleme hin, die unmittelbar das Leben der Bevölkerung beeinflussen – insbesondere auf die hohe Sterblichkeit von Männern durch äußere Ursachen, darunter Alkoholvergiftungen, Verletzungen bei Schlägereien und unvorsichtiger Umgang mit Feuer.
Front-Deadlines, die nicht eingehalten werden
Mittlerweile nimmt die Zahl der Probleme der russischen Armee unmittelbar an der Front nicht ab. Das russische Kommando hat bereits 15-mal eine Frist für die vollständige Eroberung der Oblast Donezk gesetzt, doch keine dieser Fristen konnte von den Besatzungstruppen eingehalten werden. Jetzt hat der Kreml den Truppen erneut ein neues Datum gesetzt – den 31. Dezember 2026. Nach Einschätzung des Instituts für Kriegsstudien (ISW) entspricht auch diese Frist nicht der realen Lage auf dem Schlachtfeld: Die russischen Truppen werden den gesamten Donbass voraussichtlich nicht bis Jahresende einnehmen können.
Widersprüchliche Daten
In den Quellen gibt es eine Abweichung bei der Zuschreibung der ursprünglichen Messung. RBC-Ukraine und der ursprüngliche Text geben den Ukrainischen Auslandsgeheimdienst als Quelle an, während eine Reihe russischer Medien (insbesondere die Schlagzeile auf snob.ru) den „Glücksindex“ dem WZIOM zuschreibt. Der Unterschied betrifft also, wer genau als Messquelle fungiert, nicht aber den Wert des Indexes selbst. Dabei ist die Formulierung „Minimum seit 15 Jahren“ / „seit 2011“ in allen überprüften Quellen konsistent, während die genauen Zahlen des Rückgangs um 9 Punkte und des Anteils der „Unglücklichen“ von 9 % in Materialien auftauchen, die auf das SWRU verweisen, und nicht gesondert in den Schlagzeilen russischer Zeitungen bestätigt sind.