Am 5. November 2026 hat das Hohe Antikorruptionsgericht (HACC) eine vorsorgliche Maßnahme für den Ersten Stellvertretenden Leiter der Abteilung für Strategische Ermittlungen (DSI) der Nationalen Polizei der Ukraine, Wolodymyr Tsenow, verhängt. Das Gericht entschied, dass Tsenow in Untersuchungshaft bleiben soll, wobei die Möglichkeit besteht, eine Kaution in Höhe von 15 Millionen Hrywnja zu hinterlegen. Somit erhielt der Beteiligte im aufsehenerregenden 'Karthago'-Fall die formelle Möglichkeit, das Gefängnis zu verlassen, sofern der entsprechende Betrag fristgerecht gezahlt wird.

Kontext des 'Karthago'-Falls: Vertuschungsschema fuer Callcenter

Einen Tag zuvor, am 4. November, gaben das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAPO) die Aufdeckung einer kriminellen Vereinigung bekannt, die systematisch Bestechungsgelder an hochrangige Beamte der Strafverfolgungsbehörden zahlte. Den Ermittlungen zufolge bestand das Ziel dieser Zahlungen darin, den ungehinderten Betrieb von betrügerischen Callcentern und anderen illegalen Geschäftsmodellen zu gewährleisten. Zu den Beteiligten gehörte, wie NABU bereits berichtete, einer der Leiter der DSI der Nationalen Polizei, der unter dem Pseudonym 'Price' agierte und für die Vertuschung der Aktivitäten der Callcenter seitens der Polizei verantwortlich war. Genau diese Rolle bildete laut Ermittlungen die Grundlage für den Verdacht gegen Tsenow.

Ausmass der Organisation: mindestens 12 Mitglieder aus Sicherheitsorganen

Nach Angaben der Ermittler umfasste die aufgedeckte Organisation mindestens 12 Personen, darunter amtierende Beamte des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU), der Nationalen Polizei und des Generalstaatsanwaltamtes. Am 5. November, dem Tag, an dem das HACC über die vorsorgliche Maßnahme gegen Tsenow entschied, informierten NABU und SAPO fünf Mitglieder dieser kriminellen Vereinigung über die Verdachtsmomente gegen sie. Am selben Abend nahmen Strafverfolgungsbehörden den Ersten Stellvertretenden Leiter der Abteilung für den Schutz der nationalen Staatlichkeit des SBU, General Serhij Duka, fest. Seine Festnahme erfolgte vor dem Hintergrund der Veröffentlichung von Informationen über die aufgedeckte Struktur, was laut Beobachtern auf eine anhaltende Welle von Verfahrensschritten im Rahmen des Falles hindeutet.

Veroeffentlichung von Videomaterial und Expertenreaktionen

Wie die Publikation RBK-Ukraine berichtete, veröffentlichten die Antikorruptionsbehörden nach der ersten Erklärung von NABU und SAPO vom 4. November zusätzlich Videoaufnahmen, die eine Reihe von Interaktionen zwischen den Mitgliedern der Organisation festhielten. Diese Materialien wurden Teil der Beweisgrundlage und öffentlich zugänglich gemacht. Vor dem Hintergrund der Ereignisse warf der Experte Ihor Tschalenko auf seiner Facebook-Seite Fragen zum Verlauf der Ermittlungen und zur Rechtmäßigkeit der Maßnahmen der Strafverfolgungsbehörden auf. Er schlug zudem eine unabhängige Prüfung der Arbeit der Antikorruptionsbehörden vor, was der Diskussion ein Element der öffentlichen Kontrolle verlieh.

Aktueller Status und weitere Verfahrensschritte

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts befindet sich Tsenow formell weiterhin in Haft, doch das Gericht gewährte die Möglichkeit einer Kautionszahlung in Höhe von 15 Millionen Hrywnja. Die endgültige Entscheidung über eine tatsächliche Freilassung hängt von der fristgerechten Zahlung des Betrags und dem Fehlen zusätzlicher verfahrensrechtlicher Einschränkungen ab. Der 'Karthago'-Fall entwickelt sich weiter: Die Ermittlungen gegen die übrigen Beteiligten, einschließlich des festgenommenen Generals Duka, befinden sich in unterschiedlichen Stadien. Es werden weitere Anhörungen vor dem HACC zu vorsorglichen Maßnahmen für andere Mitglieder der Organisation sowie mögliche neue Verdachtsmomente im Zuge der vertieften Ermittlungen erwartet.