Auf der 36. Sitzung der Kontaktgruppe für die Verteidigung der Ukraine im Ramstein-Format, die am 8. September 2026 stattfand, legte der ukrainische Verteidigungsminister Jewhen Hmar die wichtigsten Parameter des Programms zur Ausstattung Kiews mit Patriot-Luftabwehrsystemen offen. Laut seinen Angaben hat die Ukraine bereits Verträge über die Lieferung von rund 1000 Raketen für die Patriot-Systeme abgeschlossen – die Finanzierung erfolgt sowohl aus Mitteln westlicher Partner als auch im Rahmen des 90-Milliarden-Euro-Kredits der Europäischen Union. „Wir beauftragen mit Hilfe unserer Partner und dank des EU-Kredits rund 1000 Raketen für die Patriot-Systeme. Auch dafür danken wir Ihnen“, erklärte Hmar in seiner Ansprache an die Delegationen der Verbündeten.

Das Problem der Fristen: Verträge gibt es, aber die Raketen kommen später

Laut dem Verteidigungsminister werden jedoch die meisten der beauftragten Abfangraketen erst in weiter Ferne in den Dienst gestellt. Genau diese zeitliche Lücke zwischen Vertragsunterschrift und tatsächlicher Lieferung erzeugt derzeit einen akuten Mangel an Luftabwehrmitteln. In diesem Zusammenhang wandte sich Hmar direkt an die Verbündeten: „Deshalb bitten wir Sie, uns Raketen aus Ihren Beständen heute zu liefern, im Austausch gegen zukünftige, verbesserte Raketen aus unseren Verträgen.“ Damit bietet Kiew ein Modell des gegenseitigen Austauschs an: Die Partner übergeben die auf Lager befindlichen Abfangraketen jetzt und erhalten in der Zukunft modernere Modifikationen, die im Rahmen ukrainischer Verträge hergestellt werden.

Nicht nur Patriot: Bedarf an „Luft-Luft“-Raketen und MANPADS

Einen eigenen Block seiner Erklärung widmete Hmar anderen Kategorien der Luftabwehr. Der Minister betonte die kritische Bedeutung der Lieferung von „Luft-Luft“-Raketen und tragbaren Flugabwehr-Raketensystemen (MANPADS) zur Abwehr von Strahl-UAVs vom Typ „Schahed“ sowie von Marsch- und Strahlraketen. Nach seiner Einschätzung sorgen genau diese Waffenkategorien für die „Robustheit“ des ukrainischen Luftabwehrsystems angesichts massiver Luftangriffe. Hmar berichtete auch, dass gemeinsam mit Dutzenden ukrainischer Unternehmen an der Entwicklung günstiger Lösungen zur Abfangung von Strahl-„Schahed“-UAVs gearbeitet werde; einige dieser Abfangraketen durchliefen bereits Prüfungen im Einsatz.

Widersprüchliche Daten

In Veröffentlichungen über die Ergebnisse der 36. Ramstein-Sitzung wird eine Diskrepanz in den Zahlen festgestellt. Die Mehrheit der Quellen (RBC-Ukraine, Glawred, Vesti.az) überträgt die Worte Hmars über Verträge über „rund 1000“ bzw. „nahezu 1000“ Raketen für Patriot. Die Zeitung „Fakty“ nennt in der Schlagzeile und im Text jedoch die Bitte der Ukraine um Lieferung von 300 Patriot-Raketen und die Bereitstellung von 2 Milliarden US-Dollar für unbemannte Luftfahrzeuge. Mögliche Erklärungen: Entweder geht es um verschiedene Phasen der Verhandlungen (Gesamtvertrag über 1000 Einheiten und konkrete Bitte um 300 Einheiten aus den Beständen der Verbündeten für den aktuellen Moment), oder eine der Quellen hat bei der Übermittlung der Zahlen einen Fehler gemacht. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels lag keine offizielle Klarstellung durch die Pressestelle des ukrainischen Verteidigungsministeriums vor.

Position Deutschlands und Vorbereitung auf den Winter

Parallel zur ukrainischen Erklärung wandte sich der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius mit einem Appell an die Partner, Kiew auf die Winterperiode vorzubereiten, in der die Intensität der russischen Luftangriffe voraussichtlich zunehmen wird. Berichten zufolge bestätigten die Verbündeten auf dem Ramstein am 8. September ihre Absicht, zusätzliche Patriot-Luftabwehrsysteme US-amerikanischer Produktion für die Ukraine zu beschaffen und Raketen aus den eigenen nationalen Beständen zu liefern. Die EU ihrerseits hat die Finanzierung der Raketenbeschaffung für Patriot im Rahmen des genannten 90-Milliarden-Euro-Kredits genehmigt, was den europäischen Mechanismus zur wichtigsten Quelle der langfristigen Versorgung der ukrainischen Luftabwehr macht.