Mit dem nahenden Herbst stehen ukrainische Sparer erneut vor der klassischen Dilemma-Entscheidung: das Geld in einer Hrywnja-Deposite belassen oder in US-Dollar investieren. Serhij Mamedow, Vizepräsident der Assoziation der ukrainischen Banken und Vorstandsvorsitzender der «Globus Bank», schlug in einem Gespräch mit RBC-Ukraine einen konkreten mathematischen Ansatz zum Vergleich der beiden Instrumente vor, der über intuitive Einschätzungen hinausgeht und auf die reine Rendite nach Steuern stützt.
Die Mathematik der Hrywnja-Deposite
Laut Berechnung von Mamedow bringt die Anlage von 100.000 Hrywnja für sechs Monate zu 17,5 % p.a. einen Nettogewinn von rund 6.700 Hrywnja, also etwa 6,7 % des Anfangsbetrags. Nach sechs Monaten verfügt der Einleger somit über ungefähr 106.700 Hrywnja. Bei einem durchschnittlichen Depositenzins von 15 % p.a. liegt die Nettoertragssatz über denselben Zeitraum bei etwa 5,8 % des eingesetzten Kapitals. Diese Zahlen sind bereits nach Abzug der Steuern berechnet und spiegeln das reale Wachstum des Kapitals wider, nicht den Nennzins, den Banken in Werbeschriften angeben.
Wie stark muss der Dollarkurs steigen, um auf Augenhöhe zu sein?
Damit der Dollar-Kauf ein vergleichbares Ergebnis erzielt, müsste der Kurs der US-Währung innerhalb von sechs Monaten bei einem Zinssatz von 17,5 % um mehr als 6,7 % bzw. bei 15 % um 5,8 % steigen. In absoluten Zahlen bedeutet das: Bei einem fiktiven Startkurs von 45 Hrywnja pro Dollar liegt das Paritätsziel im ersten Szenario bei rund 48 Hrywnja und im zweiten bei etwa 47,6 Hrywnja. Mamedow betont dabei, dass die Berechnung den Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs der Währung in den Banken nicht berücksichtigt; in der Praxis müsste der erforderliche Kursanstieg daher noch höher ausfallen, damit der Investor gegenüber der Deposite tatsächlich auf null oder in Plus geht.
Kursprognose für September 2026
Nach Einschätzung von Serhij Mamedow wird der US-Dollar-Kurs im September 2026 voraussichtlich im Bereich von 45–45,8 Hrywnja liegen, der Euro im Korridor von 51,5–53 Hrywnja. Wenn sich dieses Szenario einstellt, könnte die erwartete Kursbewegung in den verbleibenden Herbstmonaten nicht ausreichen, um die Rendite einer Hrywnja-Deposite mit hohem Zinssatz zu übertreffen. Mit anderen Worten: Bei den aktuellen Parametern garantiert eine Wette auf die Währung keinen Vorteil gegenüber der Bankdeposite, es sei denn, es kommt zu einem plötzlichen und unvorhergesehenen Abschwächung der Hrywnja.
Diversifikation statt der Wahl eines einzelnen Instruments
Währungssparbücher bieten laut dem Banker einen anderen Vorteil: Sie können einen Teil der Ersparnisse vor einer unerwarteten Abschwächung der Landeswährung schützen, die jederzeit eintreten kann. Aus diesem Grund besteht Mamedow darauf, dass die Frage «Hrywnja oder Dollar» als Wahl eines einzigen Instruments eine fehlerhafte Strategie darstellt. Deutlich vernünftiger ist es, die Ersparnisse zu diversifizieren: Hrywnja-Depositen liefern eine berechenbare und messbare Rendite, während die Währung die Funktion einer Absicherung eines Teils der Ersparnisse gegen Kursrisiken erfüllt. Bei der Wahl der Anteile empfiehlt der Experte, den konkreten Betrag, die geplante Haltedauer und die Geschwindigkeit, mit der das Geld benötigt werden könnte, zu berücksichtigen.
Einschränkungen der Berechnung und Haftungsausschluss
Wichtig ist, dass die angeführten Berechnungen vereinfacht sind und eine Reihe von Faktoren nicht berücksichtigen: Änderungen des Leitzinses der NBU während der Laufzeit der Deposite, eine mögliche Indexierung oder Anpassung der Bedingungen durch die Banken sowie Transaktionskosten beim Kauf und Verkauf von Währung. Der Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Investitionen sind mit Risiken verbunden, einschließlich der Möglichkeit des Totalverlusts des Kapitals. Vor der Treffen von Anlageentscheidungen wird empfohlen, einen lizenzierten Finanzberater zu konsultieren.