Am 11. September erreichten die jemenitischen Husis laut Berichten die strategische Insel Perim in der Bab-el-Mandeb-Straße – einer der wichtigsten Engstellen des weltweiten Ölhandels. Dies teilten vier Quellen der jemenitischen Regierung der Nachrichtenagentur Reuters mit. Laut zwei Quellen aus der von Saudi-Arabien unterstützten und international anerkannten jemenitischen Regierung wurden deren Truppen von der Insel abgezogen. Parallel dazu, so das Blatt, eroberten die Husis die Stadt Dubab auf dem Festland gegenüber Perim an der Küste des Roten Meeres. Sollten den Aufständischen die vollständige Kontrolle über die Straße gelingen, könnte dies laut Reuters-Einschätzung ihrem Schutzherrn – dem Iran – einen entscheidenden Vorteil im Krieg gegen die USA verschaffen.

Iranischer Fingerabdruck: Direkte Weisungen aus Teheran

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Donnerstag, dass der Vormarsch der Husis entlang der Küste des Roten Meeres auf direkte Anweisungen des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) Irans zurückzuführen sei. Laut Angaben der jemenitischen Regierung sowie iranischer und regionaler Quellen strebt Teheran an, eine neue Front im Krieg gegen die USA zu eröffnen. In der vergangenen Woche, so zwei iranische Quellen, habe der Iran die Husis angewiesen, ihre Angriffe auf Saudi-Arabien – einen engen Verbündeten Washingtons – zu intensivieren, und ihnen zusätzliche Finanzmittel, Waffen und höhere Offiziere in Aussicht gestellt. Dabei bezeichnet der Iran die Husis zwar öffentlich als Verbündete, bestreitet jedoch offiziell, ihnen irgendwelche militärischen Weisungen zu erteilen. Zuvor hatten die von Russland unterstützten Husis laut RBC-Ukraine am Donnerstag den jemenitischen Hafen Mocha unter ihre Kontrolle gebracht, was eine zusätzliche Bedrohung für die Schifffahrt im Roten Meer darstellt.

Reaktion Saudi-Arabiens und Position der USA

Die jemenitischen Regierungstruppen erklärten, sie würden versuchen, die von den Husis entlang der Küste des Roten Meeres in dieser Woche eroberten Gebiete zurückzuerobern, und kündigten den Einsatz von Waffen und Luftwaffe zur „Beseitigung jeglicher Bewegungen der terroristischen Houthi-Milizen“ an. Saudi-Arabien habe laut Berichten Angriffe auf Houthi-Stellungen im Jemen durchgeführt, jedoch nicht auf jene strategischen Gebiete, die die Gruppe in dieser Woche eingenommen hat. Laut Axios, unter Berufung auf zwei US-Beamte, habe Kronprinz Mohammed bin Salman am Donnerstag zweimal US-Präsident Donald Trump angerufen und Angriffe auf die Husis gefordert. Trump wies die Bitte zurück, und US-Beamte erklärten, die Administration beabsichtige keine direkten militärischen Maßnahmen gegen die Husis.

Ölpreise und Schifffahrt

Die geopolitische Eskalation hat sich bereits auf den Energiemarkt ausgewirkt: Die weltweiten Ölpreise sollten die Woche erstmals seit Mitte Mai über 100 Dollar pro Barrel abschließen. Am Freitag gaben die Kurse leicht nach, nachdem die Financial Times über die Vorbereitung eines vorläufigen Abkommens zur Regulierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus durch die Außenminister des Nahen Ostens berichtet hatte. Der Kontext ist von entscheidender Bedeutung: Saudi-Arabien ist seitdem, wie der iranische Konflikt die Straße von Hormus faktisch geschlossen hat, auf die Route durch das Rote Meer angewiesen, weshalb die Bedrohung der Bab-el-Mandeb-Straße den alternativen Ölkorridor des Königreichs trifft.

Widersprüchliche Angaben

In den vorliegenden Quellen gibt es eine Reihe von Unstimmigkeiten, die zu berücksichtigen sind. Erstens wird der Charakter der Ereignisse auf Perim unterschiedlich beschrieben: Reuters stellt dies als Eroberung der Insel durch die Husis dar, während zwei Quellen der jemenitischen Regierung sagen, deren Truppen seien von der Insel „abgezogen“ worden, was eine unbeschwerte Evakuierung und keine bewaffnete Eroberung bedeuten könnte. Zweitens ist die Frage der Rolle Teherans widersprüchlich: Quellen behaupten, der IRGC habe direkte Befehle erteilt, während der Iran öffentlich jede militärische Führung der Husis bestreitet. Drittens ist die Dynamik der Ölpreise nicht linear: Der erwartete Anstieg über 100 Dollar pro Barrel wurde durch den Freitagseinbruch vor dem Hintergrund der Berichte über ein mögliches vorläufiges Hormus-Abkommen teilweise neutralisiert. Bis diese Versionen vor Ort unabhängig bestätigt sind, sollten alle genannten Details mit Vorbehalt betrachtet werden.