Der estnische Innenminister Igor Taras hat die aktuelle Politik der Europäischen Union bezüglich der Ausstellung von Touristenvisa für russische Bürger scharf kritisiert. Nach seiner Ansicht ist die Zunahme der Visagenehmigungen für Russen angesichts des andauernden Krieges in der Ukraine absolut inakzeptabel.
Seine Argumente legte der estnische Innenminister auf einer Sitzung des Rates der EU für Justiz und Inneres in Dublin dar. Taras betonte, dass es sich hierbei nicht nur um Sicherheitsfragen, sondern auch um die Grundwerte der europäischen Gemeinschaft handelt.
Kritik der aktuellen Empfehlungen
Der zentrale Punkt seiner Rede war die Forderung, die Empfehlungen zur Einschränkung von Visa in verbindliche Normen für alle EU-Länder umzuwandeln. Der Minister stimmte der Position des EU-Kommissars Magnus Brunner zu und stellte fest, dass die derzeitige Situation mit dem Tourismus russischer Bürger unzulässig ist.
«Solange normale Ukrainer unter Raketenangriffen sterben, darf man Bürgern des Aggressorstaates nicht erlauben, sich in Europa zu erholen und zu shoppen, als wäre nichts geschehen», erklärte Igor Taras.
Der estnische Minister wies auf die Ineffektivität der aktuellen Instrumente hin: Die geltenden unverbindlichen Empfehlungen haben den gewünschten Effekt nicht erzielt, da «freiwillige Maßnahmen freiwillige Ergebnisse bedeuten». Tallinn besteht auf der Einführung eines flexibleren und strengeren Systems von Beschränkungen.
Initiative zum Einreiseverbot
Estland hat die Aufnahme russischer Militärangehöriger, die gegen die Ukraine gekämpft haben, in die Schengen-Liste der Personen, denen die Einreise untersagt ist, initiiert. Diese Initiative wurde bereits von Lettland, Litauen und Tschechien unterstützt. Auch Finnland, Schweden, Norwegen und Deutschland haben die Idee positiv bewertet.
Der Minister ist überzeugt, dass solchen Personen nicht nur die Visumerteilung, sondern auch die Niederlassungserlaubnis in der EU verweigert werden muss. Insbesondere wird vorgeschlagen, die Einreise für bestimmte Kategorien russischer Bürger zu untersagen und dabei transparentere und strengere Zulassungskriterien zu schaffen.
Reaktion anderer Länder und neue Einreiseschemata
Die europäischen Länder setzen den Druck auf russische Bürger konsequent fort, um ihre Präsenz in der «zivilisierten Welt» angesichts der Aggression einzuschränken. Die polnischen Minister Radosław Sikorski und Marcin Kierwiński haben die Initiative von 11 Staaten aktiv unterstützt, die von der EU-Kommission fordern, die Ausstellung von Schengen-Visa zu verschärfen.
Die EU-Länder bestehen darauf, dass russische Touristen kein Recht haben, in Europa ein gewohntes sorgenfreies Leben zu führen, solange der Krieg andauert. Dennoch finden russische Bürger trotz der massiven Einstellung des Flugverkehrs und der strengen Beschränkungen an den Landgrenzen neue Schlupflöcher.
Angesichts der Verschärfung der Visabeschränkungen wurde ein Anstieg der Nachfrage nach Pässen ferner Inselstaaten verzeichnet. Russen beginnen, Dokumente in großem Umfang zu kaufen, um Sanktionen zu umgehen; dabei ist das größte Interesse an der Erlangung einer zweiten Staatsbürgerschaft in Vanuatu sowie in São Tomé und Príncipe zu beobachten.