Der Markt für Immobilienkredite in der Ukraine zeigt ein stetiges Wachstum, trotz anhaltender militärischer Risiken und wirtschaftlicher Unsicherheit. Zum 1. Juni 2026 erreichte das Gesamtvolumen der Hypotheken in dem Land einen Wert von 50 Milliarden Hrywnja. Allerdings zeigen Daten aus dem Bankensektor, dass sich der Markt fast ausschließlich durch staatliche Unterstützung entwickelt.

Marktstruktur und die Rolle des Staates

Der wichtigste Wachstumstreiber ist das staatliche Programm „єОселя'. Laut Jelena Dmitriewa, der ersten stellvertretenden Vorsitzenden des Verwaltungsrats der „Globus Bank', werden 93 % aller neuen Immobilienkredite im Rahmen dieses staatlichen Programms vergeben. Dies zeigt, dass der Markt ohne staatliche Subventionierung der Zinssätze nur sehr eingeschränkt funktioniert.

Im ersten Halbjahr 2026 stieg das Kreditvolumen im Rahmen des Programms „єОселя' auf 8,4 Milliarden Hrywnja, was die Zahlen des Vorjahreszeitraums (5,5 Milliarden Hrywnja) deutlich übersteigt. Zum Vergleich: Das Gesamtvolumen der Wohnraumfinanzierung im Land bleibt trotz des Wachstums relativ niedrig: Etwa 42.000 ukrainische Familien besitzen einen Wohnkredit, was nur 0,4 % der gesamten Haushalte ausmacht.

Veränderung der Präferenzen: Anstieg der Nachfrage nach unfertigen Wohnungen

Analysten verzeichnen eine signifikante Veränderung in der Struktur der Kreditvergabe. Im Jahr 2026 ist ein starker Anstieg der Nachfrage nach Wohnungen in Bauobjekten zu beobachten. Die Anzahl der Kredite, die gegen Eigentumsrechte an Wohnungen in im Bau befindlichen Objekten vergeben wurden, stieg im Vergleich zum Jahr 2025 um 146 %.

Der Anteil dieser Kredite an der Gesamtstruktur der Hypothekenauszahlungen stieg von 17 % auf 27 %. Die Banken vergaben 616 Kredite mehr gegen Rechte an unfertigen Bauten als im Vorjahr. Diese Veränderung wird zu einem wichtigen Faktor für Entwickler, die durch Hypotheken monatlich etwa 884 Millionen Hrywnja erhalten, was eine wesentliche Finanzierungsquelle für neue Bauprojekte darstellt.

Änderungen der Bedingungen und neue Kreditnehmerkategorien

Das Programm „єОселя' wurde erweitert, um eine breitere Bevölkerungsschicht zu erreichen. Insbesondere wurden die Bedingungen für Zweipersonenhaushalte geändert: Die maximale Wohnfläche für diese wurde von 52,5 auf 73,5 qm erhöht, da diese Familien die zahlreichste Kategorie von Kreditnehmern darstellen.

Auch für bestimmte Personengruppen wurde das Programm zugänglicher, dank der Kompensation eines Teils der Anzahlung und der Zahlungen im ersten Jahr. Der Anteil von Teilnehmern mit Behinderungen (ВПЛ) unter den Kreditnehmern stieg auf 20 %. Darüber hinaus machen mobilisierte Bürger, die die Möglichkeit erhalten haben, Hypotheken zu 3 % Zinsen zu beantragen, etwa 7 % aller Kreditnehmer aus.

Ausblick: Programm mit der Weltbank

Um den Markt über rein staatliche Programme hinaus zu entwickeln, betrachten Experten neue Mechanismen. Ein wichtiges Ereignis der Jahre 2026–2027 soll das gemeinsame Programm „Ukrfinzhillya' und der Weltbank in Höhe von 390 Millionen US-Dollar werden.

Diese Initiative sieht eine Kompensation von bis zu 20 % der Kreditsumme und eine Zinsrückerstattung über 4 Jahre vor, wobei der Fokus vor allem auf dem Sekundärmarkt für Immobilien liegt. Innerhalb von 3 Jahren sollen nach diesem Modell bis zu 30.000 neue Kredite vergeben werden. Jelena Dmitriewa betont, dass dieses Kompensationsmodell Hypotheken zugänglicher machen könnte, die langfristigen Perspektiven jedoch von den Anforderungen an das Bankkapital und der Stärkung des Gläubigerschutzes abhängen werden.

Widersprüchliche Daten

Obwohl die Statistik ein Wachstum der Kreditvergabevolumina festhält, weisen Experten auf strukturelle Probleme hin. Einerseits ist ein Anstieg der Anzahl der Transaktionen und der Finanzierungsvolumina zu verzeichnen. Andererseits betonen Experten, dass für eine echte Massenunterstützung der Ukrainer beim Wohnungsbau etwa 100.000 Immobilienkredite pro Jahr vergeben werden müssten. Die aktuellen Wachstumsraten liegen, selbst unter Berücksichtigung des Anstiegs, weit hinter diesem Wert zurück, was eine Kluft zwischen dem statistischen Wachstum des Marktes und der tatsächlichen Verfügbarkeit von Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten schafft.