Am 3. September 2026 fand in Kiew ein Treffen der Außenminister der Ukraine und Indiens statt. Im Anschluss erklärte der indische Außenminister Subrahmanyam Jaischankar, dass New Delhi beabsichtige, sich den Bemühungen zur Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine anzuschließen, sofern die Hilfe Indiens tatsächlich benötigt werde. Dies berichtet RBC-Ukraine. Das Treffen fand vor dem Hintergrund einer verstärkten diplomatischen Aktivität Indiens rund um den ukrainischen Konflikt statt und wurde zu einem der zentralen Ereignisse des Besuchs des indischen Diplomaten in der ukrainischen Hauptstadt.
Aufruf Modis und Position New Delhis
Bei einem Briefing erinnerte Jaischankar an die jüngste öffentliche Erklärung des indischen Premierministers Narendra Modi, der einige Tage zuvor den russischen Präsidenten Wladimir Putin aufgerufen hatte, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. „Wir müssen vom endlosen Krieg zum Kriegsende übergehen“, wandte sich Modi an den Kreml-Chef. Den Worten Jaischankars zufolge sind sich die indischen Behörden sehr wohl bewusst, dass jeder Tag der russischen Aggression immer mehr Tote und Zerstörung mit sich bringt. Gleichzeitig, so betonte der Minister, erkenne New Delhi, dass es Kiew und Moskau seien, die einen Ausweg aus der entstandenen Situation suchen müssten. „Aber wenn Indien auf irgendeine Weise helfen kann, sind wir bereit, dies zu tun. Und genau das war das Hauptthema meines heutigen Gesprächs mit dem Außenminister Sybiha“, erklärte Jaischankar.
Angriffe auf Handelsschiffe und Krise des „Globalen Südens“
Bei den Verhandlungen in Kiew besprachen die Seiten eine Reihe konkreter Aspekte des Konflikts. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand das Problem der Angriffe auf Handelsschiffe unter verschiedenen Flaggen. Der indische Außenminister betonte, dass dies eine ernste Herausforderung für viele Länder des „Globalen Südens“ darstelle, vor allem aufgrund des Mangels an Brennstoff, Düngemitteln und Lebensmitteln. „Deshalb haben wir uns zu diesen und damit zusammenhängenden Fragen ausgetauscht“, fasste Jaischankar zusammen. Damit positioniert sich die indische Seite nicht als Vermittler zwischen Kiew und Moskau, sondern als potenzieller Helfer bei der Lösung konkreter humanitärer und wirtschaftlicher Probleme, die durch den Krieg verursacht wurden.
Kontext: Indien reduziert seine Abhängigkeit von Russland
Die Erklärungen Jaischankars erfolgten vor dem Hintergrund einer Reihe von Veränderungen in der indischen Politik. Kürzlich wurde bekannt, dass Indien den Import russischen Erdöls reduziert und aktiv nach alternativen Energiequellen sucht. Analysten stellen zudem fest, dass Indien, zusammen mit Aserbaidschan und Botswana, zunehmend Abstand zu Russland nimmt. Zuvor hatte RBC-Ukraine ausführlich über den Verlauf des Treffens Putins und Modis berichtet, bei dem, den Berichten zufolge, die Lage um die Ukraine besprochen wurde. Parallel dazu führte Jaischankar, den Angaben russischer Medien zufolge, im Rahmen seiner diplomatischen Tour ein separates Gespräch mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow, in dem er sich über die Sicherheit indischer Seeleute besorgt zeigte und die bilateralen Beziehungen der beiden Länder besprach.
Widersprüchliche Angaben
In den vorliegenden Quellen wurden keine wesentlichen Widersprüche in der faktischen Darstellung der Erklärung Jaischankars festgestellt. Allerdings ist ein Unterschied in den Schwerpunkten zu bemerken: Die ukrainische Seite (RBC-Ukraine) stellt den Besuch als Demonstration der Bereitschaft Indiens dar, zur Beendigung des Krieges beizutragen, während russische Medien (TASS, Kommersant, Mail.ru) den Schwerpunkt auf das separate Gespräch Jaischankars mit Lawrow legen, in dem die Sicherheit indischer Seeleute und die bilateralen Beziehungen besprochen wurden. Dies ist kein Widerspruch, sondern spiegelt verschiedene Perspektiven eines diplomatischen Zyklus wider; dem Leser ist es jedoch wichtig zu verstehen, dass die Erklärung zur Bereitschaft, der Ukraine zu helfen, gerade bei dem Briefing in Kiew und nicht im Rahmen der Verhandlungen mit der russischen Seite abgegeben wurde.