Am 19. September unterzeichnete der US-Präsident Donald Trump das Gesetz über die sogenannten „Höllen-Sanktionen' gegen Russland, dessen Initiator der verstorbene Senator Lindsey Graham war. Das Dokument gibt Washington erstmals das Instrument, Zölle von bis zu 100 % auf Waren von Ländern zu erheben, die zu den größten Käufern von russischem Öl und Gas gehören – vor allem China und Indien. Laut Bloomberg haben führende indische Ölraffinerien in den letzten Tagen angesichts des Drucks durch dieses Gesetz begonnen, aktiv alternative Lieferungen von Rohöl zu suchen, was den jahrelangen Trend des Wachstums der russischen Exporte nach Neu-Delhi umkehren könnte.

Kürzung der Einkäufe: Was die Quellen sagen

Laut Personen, die an den Verhandlungen beteiligt sind, überdenken indische Raffinerien ernsthaft ihre Importstruktur. Neu-Delhi erwäge laut Quellen, den Anteil des russischen Rohöls am gesamten Importvolumen des Landes in nächster Zeit auf 20–30 % zu begrenzen. Das strategische Ziel besteht darin, die Position des Hauptkäufers von per Seeweg geliefertem Öl aus Moskau abzuschütteln und damit die Verwundbarkeit gegenüber möglichen US-Zöllen zu verringern. Die Vertragsverhandlungen für die November-Lieferungen beginnen in der Regel in der letzten Septemberwoche, was den aktuellen Moment für die Festlegung neuer Bedingungen zu einem kritischen macht.

Importzahlen und Dynamik

Indien bleibt der drittgrößte Rohöl-Käufer der Welt, Russland ist sein Hauptlieferant. Laut Daten der Analysefirma Kpler ist der Import von russischem Öl nach Indien bereits gesunken: Im September liegt er durchschnittlich bei etwa 1,9 Millionen Barrel pro Tag, was mehr als 35 % des gesamten Importvolumens ausmacht und den niedrigsten Wert seit April darstellt. Gleichzeitig entfallen auf Moskau derzeit rund 40 % des gesamten Rohölimports des Landes, und in den letzten Monaten kam laut Einschätzung des Mediums mehr als die Hälfte der Lieferungen aus Russland.

Widersprüchliche Daten

In den bereitgestellten Quellen ist ein deutlicher Unterschied in den Schätzungen des Anteils russischen Öls am indischen Import zu beobachten. Einerseits wird davon gesprochen, dass „mehr als die Hälfte' des Imports in den letzten Monaten aus russischem Öl bestand; andererseits von einem aktuellen Anteil von „rund 40 %'; drittens von einem September-Niveau von „mehr als 35 %' (1,9 Mio. Barrel pro Tag) laut Kpler. Diese Unterschiede erklären sich durch verschiedene Zeitfenster (Monat, Quartal, aktueller Tag) und Berechnungsmethoden, doch für den Leser ist wichtig, dass es keine einheitlich festgelegte Zahl gibt. Darüber hinaus verzeichnen einige Veröffentlichungen Rekordkäufe von russischem Öl durch Indien in einzelnen Zeiträumen, was formal der These einer kontinuierlichen Kürzung widerspricht und auf Volatilität statt auf einen linearen Trend hinweist.

Wirtschaftliche Einschränkungen und Verhandlungen mit den USA

Den russischen Öl-Volumen in Indien zu ersetzen, wird äußerst schwierig. Im Bundesstaat Rajasthan wird eine neue Ölraffinerie gebaut, und für die Erweiterung der Kapazitäten bestehender Raffinerien sind laut Schätzungen rekordhohe 5,4 Millionen Barrel pro Tag erforderlich. Vor diesem Hintergrund wird Neu-Delhi die Verhandlungen mit Washington fortsetzen: Das Gesetz erlaubt es der Trump-Regierung, innerhalb von 30 Tagen Zölle auf die Produkte der wichtigsten Käufer von russischem Öl zu erheben, wobei die Sätze bis zu 100 % erreichen können. Die indische Wirtschaft hat bereits 2025 einen Schlag durch ähnliche Zölle erlebt, nach dem die Einschränkungen aufgehoben wurden, was eine neue Runde des Drucks besonders empfindlich macht.

Reaktion Neu-Delhis und Risiken für die Beziehungen

Indien wird genau beobachten, ob Washington die neuen Zölle auf alle wichtigen Käufer russischer Energieträger, einschließlich Chinas, anwendet, um das Ausmaß und die Selektivität des Drucks zu bewerten. In Neu-Delhi wurde bereits öffentlich gewarnt, dass mögliche US-Zölle von bis zu 100 % für den Kauf russischen Öls die Beziehungen zwischen den beiden Ländern ernsthaft schädigen könnten. Somit befinden sich die indischen Raffinerien in einer schwierigen Lage: zwischen der Notwendigkeit, die Importe unter der Bedrohung maximaler Zölle zu diversifizieren, und der physischen Unfähigkeit, die russischen Volumina angesichts rekordhoher Verarbeitungsbedürfnisse schnell zu ersetzen.