Indische Ölraffinerien sind gezwungen, die Einfuhr russischen Öls von den Rekordwerten, die im Juli 2026 erreicht wurden, zu reduzieren. Laut Sumit Ritolia, Senior Manager für Modellierung bei der Analytikfirma Kpler, werden die Lieferungen aus Russland nach Indien im August auf etwa 2 Mio. Barrel pro Tag sinken – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Juli-Hoch von 2,8 Mio. Barrel pro Tag. In diesem Zusammenhang hat die größte Raffinerie des Landes, Indian Oil Corp., bereits eine Reihe von Ausschreibungen zur Beschaffung von Öl aus Amerika und dem Persischen Golf bekanntgegeben, und diese Woche schlossen sich Hindustan Petroleum Corp. und Mangalore Refinery & Petrochemicals Ltd. den Eilvereinbarungen über den Kauf nicht-russischen Rohöls an.
Rückgang der Einfuhren und deren Ursachen
Der Rückgang der Mengen erfolgt vor dem Hintergrund eines erwarteten Anstiegs der Inlandsnachfrage in Indien: Die Ölraffinerien beenden die geplante Wartung ihrer Anlagen, was es ihnen in naher Zukunft ermöglichen wird, die Produktionsmengen deutlich zu erhöhen. Der Kpler-Experte erklärt die Entwicklung mit einer Normalisierung des Marktes nach den aktiven Juli-Einkäufen, einem Rückgang der Verfügbarkeit des russischen Exports und einer verstärkten Konkurrenz um Rohöl seitens Chinas. Dabei erwarten die Analysten, dass die Lieferungen aus Russland nach Indien in Zukunft etwas über der Marke von 2 Mio. Barrel pro Tag stabilisiert werden und nicht in einen langfristigen Rückgang übergehen werden.
Suche nach alternativen Rohölquellen
Unter dem Druck auf den russischen Ölexport sind indische Unternehmen mit der aktiven Suche nach alternativen Rohölquellen begonnen. Die Käufer richten ihren Blick auf Barrel aus Westafrika, Amerika und den Ländern des Persischen Golfs, trotz der angespannten Lage in der Region, die mit dem Konflikt im Nahen Osten zusammenhängt. Genau deshalb konzentrieren sich die Ausschreibungen von Indian Oil Corp. sowie die Eilverträge von Hindustan Petroleum und Mangalore Refinery & Petrochemicals Ltd. auf nicht-russische Quellen, was die Beschaffungsstruktur des weltweit größten Ölimporteurs verändert.
Angriffe auf die Infrastruktur und Mangel in Russland
Die Lage auf dem Weltmarkt wird zusätzlich durch den von Russland gegen die Ukraine entfesselten Krieg und den Konflikt im Nahen Osten kompliziert. Laut Tanker-Tracking-Daten ist der gesamte ausländische Ölexport aus Russland in den letzten vier Wochen auf 3,5 Mio. Barrel pro Tag gesunken, gegenüber dem Juli-Hoch von mehr als 4 Mio. Barrel. Die Wellen ukrainischer Drohnenangriffe auf russische Raffinerien und Schwarzmeerhäfen haben laut Redaktion zu einem Kraftstoffmangel innerhalb Russlands geführt und Moskau daran gehindert, Rohöl auf externe Märkte umzuleiten – dies wurde zu einer der Schlüsselursachen für die Reduzierung der indischen Einkäufe.
Der China-Faktor und der asiatische Markt
China erhöht Berichten zufolge rasant die Einfuhren russischen Öls, um die Lieferungen aus dem Nahen Osten zu ersetzen. Dies führt zu einem Rohölmangel in Indien und könnte laut Analysten zu einem akuten Kraftstoffmangel in ganz Asien führen. Indische Raffinerien befinden sich somit unter doppeltem Druck: Einerseits sinkt die Verfügbarkeit des russischen Barrels, andererseits nimmt die Konkurrenz um alternatives Rohöl seitens des zweitgrößten Verbrauchers der Region zu.
Widersprüchliche Daten
Bei der Bewertung der Ursachen und Perspektiven des Einfuhrrückgangs gibt es Abweichungen. Einerseits liegt in der redaktionellen Darstellung und in Teilen der Erklärungen der Schwerpunkt darauf, dass indische Raffinerien die Einkäufe „gezwungenermaßen“ reduzieren – aufgrund erfolgreicher ukrainischer Angriffe auf die russische Infrastruktur, die die Exportlieferungen gestört und einen Mangel geschaffen haben. Andererseits erklärt der Kpler-Analyst Sumit Ritolia den Rückgang vor allem mit Marktfaktoren: Normalisierung nach den aktiven Juli-Einkäufen, sinkender Exportverfügbarkeit und dem Wettbewerb Chinas, und nicht ausschließlich mit dem „gezwungenen“ Charakter. Auch die Prognose weicht ab: Einige Beobachter (darunter in der TKS-Publikation vom 21. August 2026) charakterisieren das Juli-Rekordhoch als wahrscheinlich vorübergehend und erwarten eine Stabilisierung etwas über 2 Mio. Barrel pro Tag, während eine härtere Interpretation einen anhaltenden strukturellen Abfluss des russischen Barrels aus Indien vor dem Hintergrund des asiatischen Kraftstoffmangels annimmt. Beide Versionen werden der Vollständigkeit halber dargestellt; das endgültige Gleichgewicht wird von der Dynamik der Tankerströme und den Ergebnissen der Ausschreibungen in den kommenden Wochen abhängen.
Auswirkungen auf die Weltmarktpreise
Vor dem Hintergrund der Umstrukturierung der asiatischen Ströme zeigen die Weltmarktkurse einen Rückgang: Laut Reuters sind die Ölpreise in den letzten 24 Stunden um etwa 3 % gefallen, und dieser Trend hält bereits seit mehreren Tagen an. Die Gesamtheit der Faktoren – Angriffe auf die russische Exportinfrastruktur, der Wechsel Indiens zu alternativen Quellen, die Aufstockung der China-Einkäufe und die Anspannung im Nahen Osten – macht den Markt volatil und bildet die Grundlage für eine weitere Umverteilungsdynamik in Asien.