Drohung der Eskalation: Iran zielt auf alternative Ölwege
Der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Iran, Mochsen Resaei, erklärte am Abend des 22. August 2026 im staatlichen Fernsehen, dass die Islamische Republik bereit sei, nicht nur Öltanker anzugreifen, die durch die Straße von Hormus fahren, sondern auch andere Raffinerie- und Exportrouten aus der Persischen Bucht. Seinen Worten zufolge werde „kein einziger Tropfen Öl mehr aus der Persischen Bucht und der Straße von Hormus transportiert“, falls die Länder der Region den Sanktionen der USA gegen den Iran beitreten. Resaei betonte, dass der Iran in einem solchen Szenario „andere Exportrouten für Öl aus der Region als Ziele in Betracht ziehen“ werde.
Bedingungen der Eskalation: Verknüpfung mit der US-Sanktionspolitik
Die Erklärung Resaeis ist eindeutig konditional formuliert: Die Drohung, die Geografie der Angriffe zu erweitern, wird durch eine konkrete Bedingung ausgelöst – die Beteiligung der Nachbarländer am wirtschaftlichen Krieg der USA gegen den Iran. „Wir rufen alle Nachbarländer auf, nicht am wirtschaftlichen Krieg der USA gegen den Iran teilzunehmen, sonst wird der Iran sie als Feinde betrachten“, erklärte der General im Live-Fernsehen. Gleichzeitig betonte er, dass Teheran „keine Eskalation des Konflikts“ wünsche, fügte jedoch hinzu: Wenn die Nachbarn Washington im Sanktionsdruck unterstützen, werde dies „den Interessen des Iran schaden“, was nach seiner Logik als feindlicher Akt gewertet werden würde.
Status der Straße von Hormus: „wird geschlossen bleiben“
Separat erklärte Resaei, dass die Straße von Hormus „geschlossen bleiben wird, bis die Vereinigten Staaten ihr Verhalten ändern“. Die Formulierung „wird geschlossen bleiben“ deutet darauf hin, dass die Straße bereits im Status einer faktischen Blockade oder eines eingeschränkten Transits ist. Zuvor, Ende Juli 2026, wurden Angriffe iranischer Kräfte auf Tanker, die versuchten, die Straße zu passieren, sowie eine öffentliche Mitteilung des Außenministeriums der VAE über einen iranischen Angriff auf einen Tanker in der Gewässergrenze der Region verzeichnet. Die Drohung Resaeis vom 22. August stellt somit keine Erstwarnung, sondern eine Eskalation dar: Nach der faktischen Schließung der Straße erklärt der Iran seine Absicht, den Druck auf alternative Kanäle des Ölexports zu verlagern.
Kontext: Rolle der US-Marine und Umgehungswege
Laut Angaben der New York Times, die von ukrainischen Medien zitiert wurden, sichert die US-Marine den Transport von rund 5 Millionen Barrel Öl pro Tag durch die Straße von Oman – den wichtigsten alternativen Weg, der die Straße von Hormus umgeht. Dies bestätigt, dass die Logistik des Ölexports aus der Persischen Bucht bereits um die amerikanische Militärpräsenz herum umstrukturiert wurde. Die iranische Drohung, „andere Exportrouten als Ziele in Betracht zu ziehen“, richtet sich genau auf diese Umgehungswege: die Straße von Oman, die Häfen der VAE, Saudi-Arabiens und Kuwaits sowie die Küsteninfrastruktur, über die das Öl in Tanker für den weiteren Transport umgepumpt wird.
Geopolitische Folgen und Reaktion der Region
Die Erklärung Resaeis stellt den Ländern der Persischen Bucht faktisch ein Dilemma: den US-Sanktionsregime zu unterstützen und das Risiko einzugehen, „Feinde“ des Iran mit entsprechenden militärischen Folgen für die eigene Ölinfrastruktur zu werden, oder sich von Washington zu distanzieren und die Neutralität zu wahren. Für den globalen Ölmarkt, durch den traditionell etwa 20 % des weltweiten Öls über die Straße von Hormus und die angrenzenden Gewässer fließen, bedeutet eine solche Rhetorik einen direkten Druck auf die Kurse und die Versicherungsprämien. Teheran erklärt im Wesentlichen, dass es bereit ist, die gesamte Persische Bucht zu einer Risikozone für den Öltransit zu machen, wenn der wirtschaftliche Druck seitens der von den USA angeführten Koalition nicht aufgehoben wird.