Neue „Schwarze Liste' und Konfiszierungsdrohungen
Die iranische Schifffahrtsbehörde im Persischen Golf (PGSA) erklärte am Sonntag die Bildung einer neuen Liste „nicht konformer Schiffe', die nach Einschätzung der iranischen Seite die Transitregeln durch die Straße von Hormus – eine der wichtigsten strategischen Schifffahrtsrouten der Welt – verletzen. In der Erklärung wird betont, dass Schiffe von dieser Liste bei der Durchfahrt durch die Meerenge mit Einschränkungen konfrontiert sein können: Zu den möglichen Maßnahmen, die die iranische Seite nennt, zählen Bußgelder, Festnahme, Arrest und sogar die Konfiszierung der Schiffe. Ukrainische Medien (RBC, Slovo i Dilo, UNN) charakterisieren das Dokument einheitlich als „Schwarze Liste' der Regelverletzer, was den harten Charakter der von Teheran angekündigten Maßnahmen widerspiegelt.
Kontrolle durch die IRGC und die Frage der „Zollabgabe'
Laut Newsweek kontrolliert seit Mitte März 2026 de facto der Revolutionsgarden-Korps (IRGC) das Verfahren für die Durchfahrt ausländischer Schiffe durch iranische Gewässer. Schiffe unter fremder Flagge werden vor Erteilung der Transitgenehmigung kontrolliert. Dabei besteht Iran konsequent darauf, dass es sich nicht um die Einführung von Zollabgaben handelt, sondern um eine Gebühr für maritime Dienstleistungen. Der Pressesprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, erklärte, dass diese Zahlungen die Kosten für Navigationshilfe, Schiffssicherung und Umweltschutzmaßnahmen kompensieren sollen, die laut seinen Angaben von Iran und Oman gemeinsam erbracht werden.
Druck auf die Region und die Reaktion Washingtons
Teheran erhöht den Druck nicht nur auf die Meerenge selbst, sondern auch auf die Nachbarstaaten: In Iran wurde davor gewarnt, dass Länder der Region, die die amerikanische Kampagne gegen die iranische Wirtschaft unterstützen, ihren Status als Partner Irans verlieren könnten. In diesem Zusammenhang erklärte Donald Trump den Beginn der „vernichtendsten Wirtschaftsoperation' der Geschichte gegen Iran und warnte, dass jedes Land, dessen Finanzinstitute oder Unternehmen Teheran helfen, diesen Druck zu umgehen, ebenfalls mit harten wirtschaftlichen Konsequenzen konfrontiert sein werde.
Rückgang des Traffics als Indikator
Als Kontext für die Einschätzung des Umfangs der Einschränkungen dient die Dynamik der Schifffahrt: Laut „Vzglyad' sind in zwei Tagen weniger als 20 Schiffe durch die Straße von Hormus gefahren. Für eine Meerenge, durch die traditionell ein erheblicher Anteil des weltweiten Ölhandels fließt, weist ein derart niedriger Traffic darauf hin, dass die angekündigten iranischen Maßnahmen bereits die Bereitschaft der Schiffe beeinflussen, diese Route zu nutzen.
Widersprüchliche Angaben
In den Darstellungen der Parteien gibt es eine wesentliche Abweichung bei der Qualifizierung des Geschehens. Iran stellt seine Maßnahmen als legitime Kontrolle und Erhebung einer Gebühr für tatsächliche maritime Dienstleistungen (Navigation, Versicherung, Ökologie) dar, nicht als Zollabgabe oder Einschränkung der Schifffahrtfreiheit. Die kritische westliche und ukrainische Darstellung (Newsweek, RBC, Slovo i Dilo, UNN) charakterisiert denselben Mechanismus als Zwangsinstrument: „Schwarze Liste', Konfiszierungsdrohungen und die faktische Kontrolle des Transits durch die IRGC, was nach dieser Logik die Navigationsfreiheit einschränkt und als Hebel des wirtschaftlichen Drucks genutzt wird. Darüber hinaus legt die iranische Seite in den verfügbaren Quellen die genaue Zusammensetzung der veröffentlichten Schiffsliste und die Rechtsgrundlage für die angekündigten Maßnahmen nicht vollständig offen, weshalb ein Teil der Details einseitig bleibt und derzeit keiner unabhängigen Verifizierung unterzogen werden kann.