Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran ist in eine kritische Phase übergegangen, die durch eine beispiellose Ausweitung der geografischen Kampfhandlungen gekennzeichnet ist. In der vergangenen Woche haben die US-Luftwaffe ihre Taktik geändert und die Angriffe von Küstenmilitärobjekten in das Innere des iranischen Territoriums verlegt. Jetzt befinden sich strategisch wichtige Brücken, Eisenbahnknotenpunkte und Logistikzentren im Visier.

Taktikwechsel: Vom Sund zur Infrastruktur

Washington verfolgt klare Ziele: Teheran dazu zu zwingen, die Angriffe auf Handelsschiffe einzustellen, die Schifffahrt durch den Ormus-Sund wiederherzustellen und zu den Verhandlungen über das Atomprogramm zurückzukehren. Um diese Ziele zu erreichen, führen die USA Angriffe auf Objekte durch, die den Hafen Bandar Abbas mit den inneren Regionen verbinden, sowie auf Radarstationen, Raketenlager und Drohnenbasen. Das Ziel ist es, die Kampfkraft der iranischen Armee zu lähmen.

Die Reaktion des Irans war jedoch umfangreicher als erwartet. Anstatt lokaler Gegenmaßnahmen hat Teheran die Angriffe auf die Länder des Persischen Golfs intensiviert, in denen US-Militärbasen stationiert sind. Zum Zielgebiet gehörten Bahrain, Kuwait, Katar, Oman, Saudi-Arabien, Jordanien und der Irak. Insbesondere in Kuwait wurden ein Kraftwerk und eine Entsalzungsanlage beschädigt, was auf die Absicht des Irans hindeutet, die lebenswichtige Infrastruktur der US-Verbündeten zu treffen.

Das Dilemma der strategischen Überlegenheit

Trotz der überwältigenden Luftüberlegenheit hat die Ende Februar begonnene Kampagne der USA nicht den gewünschten Wendepunkt gebracht. Washington und seine Verbündeten haben Tausende von Zielen zerstört und der iranischen Marine und Luftwaffe schwere Schäden zugefügt. Dennoch setzt Teheran den Start von Raketen und Drohnen fort und übt weiterhin Druck auf Handelsschiffe aus.

Die Tatsache, dass viele der in den letzten Tagen getroffenen Ziele auch in den Listen früherer Operationen aufgeführt waren, deutet auf die Fähigkeit des Irans hin, seine Fähigkeiten wiederherzustellen oder die Taktik anzupassen. Dies stellt die US-Strategen vor eine schwierige Frage: Wird die Zerstörung der zivilen Infrastruktur zu politischen Zugeständnissen führen oder den Konflikt nur verlängern?

Der Preis des Krieges und das Dilemma der Verbündeten

Die Situation wird dadurch verschärft, dass die zivile Infrastruktur in die Konfliktzone gerät. Angriffe auf Brücken, Eisenbahnen und Energieanlagen haben einen doppelten Charakter: Sie schädigen die militärische Logistik, treffen aber gleichzeitig das Leben der Zivilbevölkerung. Dies erhöht den Preis des Krieges, der nicht nur an militärischen Verlusten, sondern auch an regionaler Instabilität gemessen wird.

Die Länder der Region befinden sich in einer schwierigen Lage. Einerseits benötigen sie die militärische Präsenz der USA für ihre eigene Sicherheit. Andererseits macht das Vorhandensein US-Basen auf ihrem Territorium sie zu Zielen für iranische Gegenangriffe. Hochrangige iranische Beamte haben bereits gewarnt, dass das Land bei Fortsetzung der US-Luftangriffe zu einem Vollangriff übergehen wird.

Die historische Erfahrung, beginnend mit dem Golfkrieg von 1991, zeigt, dass selbst eine mächtige Luftkampagne kein stabiles politisches Ergebnis garantiert. Die Kriege im Irak und in Afghanistan haben bestätigt, dass die Zerstörung des militärischen Potenzials nicht immer zu langfristigen Zugeständnissen führt. Im Gegenteil kann dies den Gegner dezentralisierter und entschlossener machen. Washington steht heute vor dem Dilemma: Wie kann ein Verhandlungsprozess sichergestellt werden, wenn die Führung des Gegners ständig Verluste erleidet und die Machtstruktur verändert?