Die Indische Raumfahrtagentur (ISRO) hat am 9. Oktober 2026 den ersten Heißlauftest eines originalgroßen Gasgenerators für das zukunftsweisende Raketentriebwerk LME1100 auf Basis von flüssigem Sauerstoff und Methan erfolgreich abgeschlossen. Der Test stellt einen Meilenstein im Programm für Methantriebwerke der nächsten Generation dar: Die Funktionsfähigkeit der Hauptbaugruppe, ohne die eine Vorbereitung des Arbeitsmediums für die Brennkammer nicht möglich ist, wurde bestätigt. Nach Angaben der Behörde soll die integrierte Version des Triebwerks mit 1.100 kN Schub bis Mitte 2027 vorbereitet werden.

Gasgenerator-Kreisprozess und Fokus auf additive Fertigung

Das LME1100 wird nach dem Gasgenerator-Schaltkreis entwickelt, wobei die Arbeiten 2023 begannen. Ein zentrales Konstruktionsmerkmal ist der massive Einsatz additiver Fertigungsverfahren: Laut ISRO werden über 70% der Triebwerksteile im 3D-Druckverfahren hergestellt. Dies verkürzt die Lieferkette, beschleunigt Iterationen und senkt das Gewicht komplexer Guss- und Zerspanungselemente. Nach dem ersten erfolgreichen Start des Gasgenerators planen die Fachleute eine Reihe von Qualifikationsprüfungen in verschiedenen Betriebsmodi, um Lebensdauer und Stabilität der Leistungsdaten zu bestätigen.

Komponententests: Von verkleinerten Modellen zum Vollzyklus

Parallel zum originalgroßen Gasgenerator testet die ISRO weitere Triebwerksbaugruppen. Für den Gasgenerator wurde vorab ein verkleinertes Modell geprüft, wodurch die Zündsequenz erprobt und die Eigenschaften der gedruckten Injektorelemente bewertet werden konnten. Tests einer verkleinerten Brennkammer halfen bei der Auswahl der Injektorkonfiguration und der Überprüfung von Zündsystemen, die auf unterschiedliche Treibstoffförderbedingungen ausgelegt sind. Unabhängig davon laufen Tests an Turbopumpenaggregaten für flüssigen Sauerstoff und Methan – kritische Elemente zum Aufbau des Betriebsdrucks im Kreislauf.

Von LM20-TD zu LME1100: Chronologie des Methanprogramms

Die ISRO begann bereits 2019 mit den Arbeiten an Methantriebwerken. In der ersten Phase wurde der Technologiedemonstrator LM20-TD mit 20 Tonnen Schub geschaffen, bei dem Baugruppen des bestehenden Kryotriebwerks CE-20 (flüssiger Sauerstoff und flüssiger Wasserstoff) verwendet wurden. In den Jahren 2019–2020 absolvierte der Demonstrator fünf Brenntests, was grundlegende Erfahrungen im Umgang mit kryogenen Komponenten lieferte und den Übergang zur Entwicklung des vollwertigen Methantriebwerks LME1100 ermöglichte.

Methan für Mond und Mars: Strategie bis 2040

Der Übergang zu flüssigem Sauerstoff und Methan gilt als vielversprechender Weg für neue Raketen. Verglichen mit herkömmlichen Kohlenwasserstoffen sorgt Methan für eine sauberere Verbrennung und kann die Wartung wiederverwendbarer Stufen erleichtern. Darüber hinaus könnte Methan potenziell auf dem Mars aus Kohlendioxid und Wassereis hergestellt werden, was es für künftige interplanetare Missionen besonders attraktiv macht. Die ISRO plant den Einsatz solcher Triebwerke in der NGLV-Rakete der nächsten Generation sowie in einer schweren Trägerrakete für eine bemannte Mondexpedition, die Indien bis 2040 durchführen will.

LME2400: Die Schwerlastklasse für bemannte Missionen

Für die schwere Trägerrakete hat die ISRO zudem die Entwicklung des Triebwerks LME2400 mit 2.400 kN Schub abgeschlossen. Im Gegensatz zum LME1100 wird es ein Schema mit volldurchströmter gestufter Verbrennung (full-flow staged combustion) für die Treibstoffkomponenten nutzen, was den spezifischen Impuls und die Effizienz erhöht. Dieses Triebwerk soll das Fundament des künftigen schweren Trägers bilden, der für bemannte Mondmissionen vorgesehen ist, und den Abschluss der Triebwerksfamilie der indischen Raumfahrtprogramm-Methanstrategie darstellen.