In der Anfrage für das Verteidigungsbudget des Haushaltsjahres 2027 hat Japan erstmals ausdrücklich das Vorhaben festgehalten, eine Langstreckenrakete zu entwickeln, die unter Wasser startbar und hoch widerstandsfähig ist. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf das Fachblatt The Maritime Executive. Die Tatsache, dass der Antrag als eigenständige Budgetposition und nicht als Teil eines allgemeinen Rüstungsprogramms eingebracht wurde, zeigt, dass Tokio die Unterwasser-Hyperschallwaffe als eigenständigen strategischen Schwerpunkt und nicht als Nebenprodukt der Flottenmodernisierung betrachtet.
Zwei Szenarien: ballistisch oder Lenkflugkörper
Laut The Maritime Executive werden in Japan derzeit zwei Waffenszenarien geprüft. Das erste ist eine ballistische Hyperschallrakete mit vertikalem Start. Das zweite ist eine Hyperschall-Lenkflugkörper mit Staustrahltriebwerk, die durch die Torpedorohre eines U-Boots abgefeuert werden kann. Beide Typen teilen gemeinsame Merkmale: sehr hohe Geschwindigkeit über große Reichweiten und die Fähigkeit, im Flug zu manövrieren. Genau diese Kombination verkürzt die Reaktionszeit des Gegners und erschwert das Erfassen und Abschneiden der Rakete durch Luftabwehr- und Raketenabwehrsysteme erheblich.
Was Japan heute hat und was noch fehlt
Bis zur praktischen Umsetzung eines solchen Systems ist Tokio jedoch noch weit entfernt. Die Marineeinheiten der Selbstverteidigung verfügen derzeit weder über entsprechende Hyperschallraketen noch über speziell dafür angepasste U-Boote. Beide Entwicklungslinien sind jedoch bereits als Forschungs- und Entwicklungsprogramme angekündigt. So ist für die Version Block 2B des Projekts Type 25 hyper-velocity gliding projectile eine Reichweite von rund 1620 Seemeilen, also etwa 3000 km, bei Geschwindigkeiten ab Mach 5 geplant. Parallel wird an einem weniger fortgeschrittenen Projekt einer Hyperschall-Lenkflugkörper mit Staustrahltriebwerk gearbeitet. Die neuesten Angriffs-U-Boote der Flotte sind die Einheiten der Taigei-Klasse mit sechs Torpedorohren im Kaliber 533 mm, die in der Lage sind, Unterschall-Lenkflugkörper Harpoon UGM-84 zu starten; derzeit befinden sich fünf solche Boote im Bestand, das letzte – die JS Chōgei (SS-517) – wurde im März 2026 zu Wasser gelassen.
Die Frage der atomgetriebenen U-Boote und die Verbindung zu AUKUS
Gesondert wird in Tokio über die Möglichkeit diskutiert, atomgetriebene U-Boote zu bauen. Trotz der verfassungsrechtlichen Beschränkungen hat sich Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi offen dafür ausgesprochen, dass das Land solche Schiffe erhält. Sollte Japan tatsächlich diesen Weg gehen, könnte ein künftiges U-Boot mit vertikalen Starteinrichtungen konzeptionell den in dem Bündnis AUKUS entwickelten Projekten nahekommen. Damit würde der Unterwasseranteil der Flotte zum Trägersystem nicht nur für Lenkflugkörper, sondern auch für ballistische Hyperschallraketen.
Bedrohungskontext: Nordkorea, China, Russland und die ukrainische Erfahrung
Die Stärkung des Unterwasseranteils erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Bedrohungen, die Tokio seitens Chinas, Russlands und Nordkoreas sieht. Die Unterwasser-Hyperschallwaffe hat für Japan eine besondere Bedeutung wegen der Entwicklung des nuklearen Arsenal Nordkoreas: Pjöngjang arbeitet an der Schaffung einer unterseeischen nuklearen Bedrohung, und Kim Jong-un inspizierte zuvor ein U-Boot mit 8700 Tonnen Verdrängung, das sich im Bau befindet. In Japan und Südkorea besteht zudem die Sorge, dass Russland Nordkorea im Tausch gegen Moskaus Unterstützung im Krieg gegen Ukraine dabei geholfen haben könnte, entsprechende Technologien zu entwickeln. In diesem Zusammenhang hat Tokio die ukrainischen Drohnen hoch bewertet: Die ersten Lieferungen der Drohne Terra B1 des Unternehmens TerraDrone werden demnächst an die japanische Marine übergeben, und auf der Grundlage der Kriegserfahrung in der Ukraine hat Japan eine eigene Trainingsdrohne im Wert von rund 450 Dollar entwickelt, die es den Bedienern ermöglicht, Fähigkeiten ohne Risiko für teure Technik zu üben. Außerdem haben Australien und Japan die Laserwaffe Boobook erprobt – das erste Kooperationsprojekt der Verteidigungsindustrien beider Länder.