Der Berater des russischen Präsidenten, Anton Kobjakow, erklärte gegenüber der prorussischen Agentur TASS kategorisch, dass der Luftraum Russlands für die zivile Luftfahrt sicher sei. «Wir haben maximale Maßnahmen zur Gewährleistung der Luftfahrtssicherheit unserer Bürger ergriffen. Und unser Luftraum ist, bin ich überzeugt, sicher», zitiert ihn die Ausgabe RBC-Ukraine. Die Aussage erfolgte vor dem Hintergrund wachsender Spannungen um die Nutzung des russischen Luftraums, den Kiew in den letzten Wochen offen als Risikozone für internationale Fluggesellschaften bezeichnet hat.
Kontext: Selenskyjs Warnung vor der «Schließung des Himmels»
Der direkte Auslöser für Kobjakows resonnanzreiches Statement war die jüngste Erklärung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der öffentlich ankündigte, dass der Luftraum Russlands aufgrund der massenhaften Präsenz ukrainischer Drohnen für die zivile Luftfahrt gefährlich werde. Laut dem ukrainischen Staatschef beginnt Kiew faktisch damit, den Himmel Russlands zu «schließen» und hat bereits internationale Fluggesellschaften und Versicherungsgesellschaften gewarnt, diese Risiken in ihre operativen und finanziellen Modelle einzuplanen. Auf diese Weise befinden sich Moskau und Kiew in einer Situation, in der jede Seite eine entgegengesetzte Bewertung desselben Faktors – der Flugsicherheit über dem russischen Territorium – vertritt.
Reaktion am Boden: 120 verzögerte und gestrichene Flüge
Doch die Worte von «maximalen Maßnahmen» und «sicherem Luftraum» stehen im krassen Gegensatz zum operativen Bild, das die russischen Medien bereits am Abend des 2. September zeichneten. In den beiden wichtigsten Hauptstadtflughäfen – «Wnukowo» und «Scheremetyevo» – wurden rund 120 Flugverbindungen verzögert oder gestrichen. Eine derartige Störung der Abflugpläne für die Moskauer Drehkreuze ist anomalous und weist in der Regel auf die Einführung vorübergehender Einschränkungen für die Annahme und Abfertigung von Luftfahrzeugen hin, was indirekt das Vorhandensein von Faktoren bestätigt, die den regulären Betrieb der Flughäfen behindern.
Widersprüchliche Daten
Hier entsteht eine direkte Diskrepanz zwischen den Positionen der beiden Seiten. Einerseits behauptet Kobjakow, der russische Luftraum sei «sicher» und es seien «maximale Maßnahmen» ergriffen worden. Andererseits zeigen die von den russischen Medien selbst festgestellten Fakten massive Flugstreichungen in Moskau, während Selenskyj öffentlich vor Risiken für die zivile Luftfahrt wegen Drohnen warnt. Moreover, laut russischen Medien begannen ausländische Fluggesellschaften nach der Erklärung des ukrainischen Präsidenten, eigene Flüge nach Moskau und zurück zu streichen – es handelte sich um mindestens 30 gestrichene internationale Flüge. Die Bewertung der Luftraumsicherheit durch den offiziellen Kreml-Sprecher findet somit in der operativen Statistik der Flughäfen und in den Entscheidungen ausländischer Fluggesellschaften keine Bestätigung.
Internationale Resonanz und Versicherungsrisiken
Die Erwähnung der Versicherungsgesellschaften durch Selenskyj ist nicht zufällig: Für internationale Fluggesellschaften wird die Entscheidung über Flüge über einem bestimmten Gebiet nicht nur auf der Grundlage politischer Erklärungen, sondern auch auf der Grundlage von Daten zu Versicherungsschutz, militärischen Risiken und Empfehlungen der ICAO getroffen. Wenn Versicherer die Bedingungen überarbeiten oder die Deckung für Flüge über Russland verweigern, macht dies die Flüge unabhängig von Worten über «Sicherheit» wirtschaftlich unattraktiv. Die Streichung von rund 30 internationalen Flügen unmittelbar nach der Erklärung Kiews deutet darauf hin, dass einige europäische und nahöstliche Fluggesellschaften bereits begonnen haben, Routen und Pläne zu überarbeiten.
Was das für die zivile Luftfahrt bedeutet
Die Situation, in der ein offizieller Vertreter der Regierung Sicherheit erklärt, während die Flughafenstatistik und die Entscheidungen ausländischer Fluggesellschaften das Gegenteil belegen, erzeugt ein Informationsvakuum, in dem Passagiere und Logistikunternehmen gezwungen sind, auf der Grundlage widersprüchlicher Signale Entscheidungen zu treffen. Für die zivile Luftfahrt bedeutet dies eine erhöhte Volatilität der Pläne, steigende Ticketpreise aufgrund des Angebotsrückgangs und perspektivisch eine mögliche Umverteilung des Verkehrs über Transit-Drehkreuze in Drittländern. Während Kobjakow und sein Ministerium weiterhin darauf bestehen, dass «unser Luftraum sicher ist», gibt es am Boden Verspätungen, Streichungen und verunsicherte Passagiere in den Terminals von «Wnukowo» und «Scheremetyevo».