Das skandalöse Interview von Potap und Nastja Kamenskyh, das der russischen Journalistin Jekaterina Gordejewa gegeben wurde, löste in der ukrainischen Gesellschaft eine breite Resonanz aus. Der Produzent Michail Jasinsky analysierte das Gespräch der Künstler und erklärte in einem Gespräch mit Slawa Demin für das Projekt Styler (RBC-Ukraine), für wen dieses Auftritt seiner Meinung nach gedacht war und welche Botschaft im Gedächtnis der Zuschauer bleiben sollte. Seine Bewertungen waren extrem scharf: von der Feststellung der Suche nach einem neuen Publikum außerhalb der Ukraine bis hin zum direkten Vorwurf an die Künstler, vom Kontext der in der Ukraine und in der Welt stattfindenden Veränderungen entkoppelt zu sein.

Die Suche nach einem neuen Publikum: Jasinskys Hauptthese

Laut Jasinsky suchen Potap und Kamenskyh derzeit faktisch nach einem neuen Publikum außerhalb der Ukraine. Der Produzent behauptet, dass ihr russischsprachiges Repertoire bei ukrainischen Hörern nicht mehr die frühere Nachfrage genießt und es immer schwieriger wird, die früheren Einkommensniveaus wiederzuerreichen. Gleichzeitig äußert er Zweifel daran, dass das Gespräch mit Gordejewa ein wirksames Instrument zur Rückgewinnung des russischen Publikums hätte sein können. „Die Leute, die Interviews von Gordejewa, Irina Schichman oder Juri Dud schauen, sind nicht das Publikum, das Potap und Kamenskyh früher viel Geld eingebracht hat“, erklärte er. Jasinsky vermutete zudem, dass das Interview gerade in der Ukraine die größte Resonanz hervorrief, während es in Russland eher aus Neugier oder Interesse am Skandal, der nach der Veröffentlichung entstand, geschaut worden sein könnte.

Strategischer Fehltritt: Was die Künstler erwarteten und was sie erhielten

Der Produzent ist der Ansicht, dass Potap und Kamenskyh strategisch auf eine andere Reaktion des Publikums hofften könnten. Nach seiner Einschätzung hätte die persönliche Geschichte Kamenskyhs über die Unfähigkeit, Kinder zu bekommen, einen der wichtigsten emotionalen Trigger darstellen sollen. „Ich denke, sie haben das sogar selbst angesprochen, und es gab möglicherweise die strategische Meinung, eine ähnliche emotionale Verbindung zum Publikum aufrechtzuerhalten, damit man sie ein wenig, nun ja, bemitleidet und als Frau versteht. Sie hat gesagt, dass sie keine Kinder haben kann. Aber man hat etwas anderes in Erinnerung behalten. Darüber spricht niemand“, erklärte Jasinsky. Nach seiner Meinung haben gerade die Aussagen der Künstler über die ukrainische Sprache und andere resonnante Themen das Interesse des ukrainischen Publikums in viel größerem Maße auf sich gezogen als die persönlichen Geständnisse der Sängerin, sodass das Ergebnis des Interviews dem entgegengesetzt war, was die Protagonisten des Gesprächs vermutlich erwartet hatten.

„Von der Realität entkoppelt“: Die schärfste Aussage des Produzenten

Einen besonderen Platz in Jasinskys Bewertung nimmt die Reaktion der Künstler auf den gesellschaftlichen Kontext ihrer eigenen Aussagen ein. Der Produzent erklärte, dass es, wenn Potap und Kamenskyh nach dem Ansehen ihres eigenen Interviews nicht verstanden hätten, warum ihre Worte in der Ukraine Empörung ausgelöst haben, für ihre tiefe Entkoppelung von der Realität spricht. „Wenn sie dieses Interview später angesehen und das nicht gesehen und nicht verstanden haben, dann bedeutet das nur eines, dass sie sehr, sehr tief und ernsthaft vom Kontext entkoppelt sind, nicht nur von dem, was in der Ukraine passiert, sondern überhaupt vom Kontext der Veränderungen, die bei modernen Menschen stattfinden“, betonte er. Dieser Satz wurde im Wesentlichen zum am häufigsten zitierten Fragment seines Kommentars und wurde von ukrainischen Medien als zentrale Charakterisierung der Position der Künstler aufgegriffen.

Der Kontext des skandalösen Interviews: Sprache, Mobilisierung und Privatleben

Im Gespräch mit Jekaterina Gordejewa berührten Potap und Nastja ein breites Themenspektrum. Kamenskyh erzählte, dass sie keine Kinder haben kann und es vorerst auch nicht möchte: Laut ihr hat sie vier IVF-Behandlungen und fünf Inseminationen durchlaufen, jedoch ist keine Schwangerschaft eingetreten. Die Sängerin gestand, dass sie früher Druck von der Gesellschaft empfand, aber jetzt die Mutterschaft nicht mehr als Pflichtbedingung für das weibliche Glück betrachtet. Potap erklärte seinerseits, dass er noch Kinder haben würde, aber nicht auf seine Frau einreden werde. Separat erklärte Kamenskyh, warum sie nach einer Phase aktiver Nutzung der ukrainischen Sprache zur russischen Sprache zurückgekehrt ist: Sie verknüpfte Probleme mit der Stimme und das Auftreten einer Zyste mit dem Wechsel zur ukrainischen Sprache und berief sich auf die Meinung eines Psychologen zur Psychosomatik. Gerade diese Aussage wurde im ukrainischen Internet besonders scharf aufgenommen. Potap antwortete auch auf die Frage zur Wehrpflicht und erklärte, dass er der Mobilisierung unterliegt und bereit ist zu gehen, wenn er eine entsprechende Anweisung erhält, fügte aber hinzu: „Wer in diesem Leben Potap sein soll, habe ich mich entschieden, Potap zu sein“. Aleksej erklärte auch, warum er sich weiterhin im Ausland aufhält: Laut ihm waren die Ausreisen nach Beginn des großflächigen Krieges mit wohltätiger Tätigkeit verbunden, und außerhalb der Ukraine betätigt er sich in kommerziellen Projekten und verdient Geld, insbesondere zur Sicherung der Familie. Zuvor wurde berichtet, dass Nastja Kamenskyh wegen ihrer Aussagen über die ukrainische Sprache und die Zyste in die Datenbank „Myrotworez“ aufgenommen wurde.