Am Abend des 9. September 2026 erschien der Name der ukrainischen Sängerin Nastja Kamenskych in der Datenbank des Zentrums für die Erforschung von Anzeichen von Straftaten gegen die nationale Sicherheit der Ukraine „Myrotworez'. Die Aufnahme der Künstlerin in das Dossier erfolgte vor dem Hintergrund eines vielbeachteten Interviews, das sie der russischen Journalistin Katja Gordejewa gab und in dem sie eine Reihe von Aussagen über die ukrainische Sprache und ihren eigenen Patriotismus machte. Die Information über die Aufnahme in die Datenbank wurde vom Unterhaltungsprojekt Styler (RBC-Ukraine) unter Verweis auf den „Myrotworez' selbst veröffentlicht.
Was steht im Dossier des „Myrotworez'
Laut den von Styler unter Verweis auf die Organisation zitierten Daten wird die Sängerin im Dossier der Provokation, der Beteiligung an Akten der sogenannten „humanitären Aggression' gegen die Ukraine sowie an Informations- und Propagandamaßnahmen beschuldigt, die nach Angaben der Ersteller der Datenbank auf die Destabilisierung des öffentlichen Lebens im Land abzielen. Wichtig ist zu betonen: Der „Myrotworez' ist ein privates Medium mit einem eigenen Bewertungssystem für öffentliche Handlungen und Aussagen, und der bloße Fakt, dass eine Person in seiner Datenbank erscheint, ist keine gerichtliche Entscheidung oder eine offizielle Feststellung der Schuld.
Das Interview mit Gordejewa und die „Sprachzyste'
Anlass für eine neue Welle der Kritik war das Interview, in dem Kamenskych erzählte, dass sie nach Beginn des großangelegten Einmarschs etwa ein halbes Jahr ausschließlich auf Ukrainisch kommunizierte. Ihren Worten zufolge hatte sie genau in dieser Zeit Probleme mit ihrer Stimme, und Ärzte entdeckten eine Zyste, weshalb sie Konzerte absagen musste. „Ich bin auf die ukrainische Sprache umgestiegen und habe ein halbes Jahr ausschließlich auf Ukrainisch gesprochen. Und, stell dir vor, mir ist eine Zyste gekommen und ich habe meine Stimme verloren. Ehrlich gesagt, wusste ich nicht einmal, was ich tun soll, und habe die Konzerte abgesagt. Und meine Psychologin hat mir gesagt: ‚Geh zurück zum Russischen, dein Körper nimmt das nicht an'', zitiert Styler die Sängerin. Die Künstlerin erklärte die Situation aus der Perspektive der Psychosomatik.
„Ich bin keine Patriotin': Aussage über Sprache und Patriotismus
In demselben Gespräch erklärte Kamenskych, dass die Sprachfrage in der Ukraine übermäßig politisiert sei, und fügte hinzu: „Natürlich sollte die Ukraine zu 100 % auf Ukrainisch sprechen, aber ich selbst möchte entscheiden, auf welcher Sprache ich spreche und singe'. Noch mehr Aufmerksamkeit erregte ihr Geständnis, dass sie sich nicht als Patriotin der Ukraine betrachte, da für sie das Persönliche wichtiger sei als das Öffentliche. Gerade die Kombination dieser Aussagen mit der Erzählung über die „Zyste' und die Sprache diente nach Einschätzung von Beobachtern als Auslöser für die Aufnahme des Namens in die Datenbank des „Myrotworez'.
Widersprüchliche Daten
Hier müssen zwei Ebenen getrennt werden. Einerseits ist die Aussage Kamenskychs über den kausalen Zusammenhang zwischen dem Wechsel zur ukrainischen Sprache und dem Auftreten der Zyste ihre persönliche Erklärung und kein festgestellter medizinischer Fakt — in den Quellen wird dies ausdrücklich betont. Andererseits sind die Vorwürfe des „Myrotworez' („humanitäre Aggression', Destabilisierung) eine bewertende Position eines privaten Mediums und kein Urteil eines Gerichts oder einer zuständigen staatlichen Behörde. Somit ist nur der Fakt, dass der Name der Künstlerin am 9. September 2026 in der Datenbank erschien; die Natur und „Angemessenheit' der im Dossier enthaltenen Vorwürfe, ebenso wie die medizinische Interpretation ihrer Worte über die Zyste, bleiben Gegenstand der Bewertung und sind keine bewiesenen Umstände.