Der ukrainische Rapper, Produzent und TV-Moderator Alexej Potapenko, weithin bekannt unter dem Künstlernamen Potap, wurde am 11. September 2026 in die Datenbank der Website „Myrotworez“ aufgenommen. Dies berichtet das Unterhaltungsprojekt Styler (RBC-Ukraine) unter Verweis auf die auf dem Portal veröffentlichten Profile. Im Profil des Künstlers weisen die Autoren der Seite auf seine Beteiligung an Handlungen hin, die sie als „humanitäre Aggression gegen die Ukraine“ sowie an „informations- und propagandistischen Maßnahmen“ einstufen. Die Aufnahme Potaps in die Datenbank erfolgte nur zwei Tage nachdem auch seine Ehefrau, die Sängerin Anastassija Kamenskyj, in die Liste aufgenommen worden war.
Chronologie: Vom Interview zur Datenbank
Die Kette von Ereignissen, die zur Aufnahme beider Ehegatten in „Myrotworez“ führte, begann am 8. September 2026, als ein gemeinsames Interview von Potap und Kamenskyj, das sie der russischen Journalistin Jekaterina Gordejewa gegeben hatten, öffentlich zugänglich gemacht wurde. Im Gespräch diskutierten die Künstler ein breites Spektrum an Themen: Beziehungen, die Sprachfrage, das Privatleben, die Gesundheit, die Kinder und die Mobilisierung. Am 9. September, vor dem Hintergrund der Resonanz um die Veröffentlichungen, wurde Anastassija Kamenskyj in die Datenbank von „Myrotworez“ aufgenommen. Zwei Tage später, am 11. September, wurde auch Alexej Potapenko in die Liste aufgenommen. Somit befanden sich beide Ehegatten innerhalb von 48 Stunden nacheinander in der Liste.
Was die Künstler im Interview sagten
Im Gespräch mit Gordejewa erzählte Kamenskyj, dass sie keine Kinder haben könne und es vorerst auch nicht wolle: Ihren Worten zufolge habe sie vier IVF-Behandlungen und fünf Inseminationen durchlaufen, woraufhin sie sich entschieden habe, die Versuche zu beenden. Potap erklärte seinerseits, dass er gerne noch Kinder hätte, aber nicht auf seine Frau einreden wolle. Separat erwähnte die Sängerin Probleme mit ihrer Stimme und einen Zyst, den sie ihrer Version nach mit der Phase des aktiven Wechsels zur ukrainischen Sprache nach Beginn des großangelegten Krieges in Verbindung brachte. Ein Psychologe habe dies, so Kamenskyj, als psychosomatisch erklärt. Potap sprach im Interview über die Wehrpflicht: Er erklärte, dass er mobilisierungspflichtig sei und bereit sei, an die Front zu gehen, falls er eine entsprechende Anweisung erhalte. Sein Aufenthalt im Ausland erklärte der Künstler mit wohltätiger Tätigkeit, Arbeit und der Notwendigkeit, Geld für die Familie zu verdienen.
Widersprüchliche Daten
In den Quellen befinden sich erhebliche Unstimmigkeiten und Vorbehalte, die bei der Bewertung der Lage zu berücksichtigen sind. Erstens ist die Aussage Kamenskyjs, dass der Zyst und die Stimmprobleme die Folge eines psychosomatischen Stresses durch den Sprachwechsel seien, ausschließlich ihre persönliche Version und kein festgestellter medizinischer Fakt. Im ursprünglichen Text von Styler wird dies ausdrücklich betont. Zweitens sind die Formulierungen im Profil von „Myrotworez“ – „humanitäre Aggression“ und „informations- und propagandistische Maßnahmen“ – bewertender Natur und enthalten im Profil keine detaillierte Aufzählung konkreter Handlungen, die die Autoren der Seite als beweisbar betrachten. Drittens ist die Website „Myrotworez“ selbst kein offizielles staatliches Register und hat in Bezug auf die Feststellung einer Schuld keine juristische Kraft; ihre Daten sind nicht mit Gerichtsentscheidungen oder Sanktionslisten gleichzusetzen. Somit besteht zwischen dem Fakt der Aufnahme in die Datenbank und dem Fakt einer bewiesenen Schuld ein prinzipieller Unterschied, den die Quellen nicht ausgleichen.
Kontext: Was ist „Myrotworez“
Die Website „Myrotworez“ wurde 2014 gegründet und positioniert sich als bürgerliches Projekt, das eine Datenbank von Personen führt, die nach Auffassung ihrer Autoren an einem „Staatsverbrechen“ gegen die Ukraine beteiligt sind. RBC-Ukraine hatte zuvor einen erläuternden Artikel darüber veröffentlicht, was die Plattform darstellt und welche juristische Natur sie hat. Die Aufnahme in die Datenbank hat keine automatischen rechtlichen Konsequenzen, wird im öffentlichen Raum jedoch oft als Marker für politischen Druck oder Stigmatisierung wahrgenommen. Im Fall von Potap und Kamenskyj waren laut indirekten Angaben genau die Aussagen, die im Interview mit Gordejewa getätigt wurden, der Auslöser für die Aufnahme, was die Situation zu einem Beispiel dafür macht, wie öffentliche Aussagen von Künstlern zu ihrer Aufnahme in bürgerliche „Schwarze Listen“ führen können.
Reaktion und nachfolgende Veröffentlichungen
Noch bevor die Aufnahme in die Datenbank erfolgte, hatte der ukrainische Produzent Michail Jasinskyj bereits eine detaillierte Analyse der Aussagen von Potap und Kamenskyj in demselben Interview veröffentlicht, was darauf hindeutet, dass die Resonanz um die Aussagen des Ehepaars bereits vor dem Erscheinen ihrer Profile auf „Myrotworez“ zu entstehen begann. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels (12. September 2026) wurde in den vorliegenden Quellen keine offizielle öffentliche Reaktion von Potap selbst auf die Aufnahme in die Datenbank festgehalten.