Der ehemalige ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk erinnerte sich im Rahmen des Sonderprojekts von RBC-Ukraine „Ukraine: 35 Jahre Unabhängigkeit“ an das politische противостояние mit Petro Poroschenko während der Revolution der Würde und der darauffolgenden Präsidentschaftswahlen 2014. In der Sendung bewertete der Ex-Ministerpräsident mit seiner charakteristischen Ironie die kommunikativen und polit-technologischen Fähigkeiten des fünften Präsidenten der Ukraine und räumte ein, dass dieser „wirklich einzigartige“ Fähigkeiten besaß, die Sympathien der Wähler in einem kritischen Moment für das Land zu gewinnen.
„Einer Kuchen“ als Symbol des politischen Sieges
Zentrales Element der Aussagen Jazenjukes wurde ein Witz, der bereits Teil des ukrainischen politischen Folklores ist: „Man muss wirklich erstaunliche Fähigkeiten haben: Einen einzigen Kuchen auf den Maidan bringen – und dafür unterstützen und wählen Sie einen zum Präsidenten!“ – sagte der ehemalige Regierungschef mit Bezug auf den Vorfall, als Poroschenko vor dem Hintergrund des hungernen Maidan seine Fürsorge für die Demonstranten zeigte, was sein Image als „Retter der Nation“ deutlich stärkte. Nach Einschätzung Jazenjukes ermöglichte genau dieses „phänomenale Geschick, den Moment zu nutzen und um sich ein Bild eines Retters zu formen“, es Poroschenko, ein starkes Vertrauensvotum ohne übermäßigen Aufwand zu erhalten. Der Ex-Ministerpräsident betonte, dass es hier nicht um die Unterverschätzung des Gegners gehe, sondern um die Feststellung einer Tatsache: Unter den Bedingungen der informations- und emotionalen Überlastung der Jahre 2013–2014 konnte selbst eine minimale Geste, die im Medienraum richtig präsentiert wurde, zu einem entscheidenden Wahlkapital werden.
Zusammenbruch der Koalition und die „Kombination“ mit der Auflösung des Parlaments
Einen gesonderten Block der Erinnerungen widmete Jazenjuk der Rolle Poroschenkos beim Zusammenbruch der regierenden Koalition nach der Revolution der Würde. Laut dem ehemaligen Ministerpräsidenten „setzte der damalige Staatschef eine Kombination mit der vorzeitigen Auflösung des Parlaments um“, die 2019 wiederholt wurde. Jazenjuk legte nicht alle Details der innerpolitischen Vereinbarungen offen, wies jedoch auf den systemischen Charakter dieses Mechanismus hin: Das formal legale Verfahren der Auflösung der Werchowna Rada wurde als Instrument zur Neustart des politischen Feldes zugunsten des amtierenden Präsidenten eingesetzt. Diese These korrespondiert mit der bekannten Praxis des Jahres 2014, als Poroschenko das Dekret über die Auflösung der Werchowna Rada unterzeichnete, was zu außerordentlichen Parlamentswahlen im Oktober 2014 und zur weiteren Konsolidierung der Macht um den Block Petro Poroschenko führte.
Eingeständnis eines Fehlers: Das Projekt „Mauer“ und der Informationskrieg
Das resonanzstärkste Element des Interviews war das öffentliche Eingeständnis Jazenjukes eines eigenen Fehlers in Bezug auf das Projekt „Mauer“ – ein System von Ingenieurbauwerken und Absperrungen an der Grenze zu Russland. Der ehemalige Ministerpräsident stellte fest, dass er „die Kraft der Informationsmaschine und der Diskreditierungskampagnen erheblich unterschätzt“ habe, die gegen seine Regierung im Zusammenhang mit diesem Projekt entfesselt wurden. Laut seinen Worten wurde die Informationsbegleitung der „Mauer“ erfolglos durchgeführt: Anstatt als Element der nationalen Sicherheit positioniert zu werden, wurde das Projekt von den Gegnern zu einem Symbol einer „trennenden Mauer“ gemacht, was dem Ruf des Kabinetzes schadete. Dieses Eingeständnis war einer der wenigen Fälle, in denen Jazenjuk im öffentlichen Raum die Verantwortung für einen konkreten Fehler übernahm, anstatt die Schuld auf sein Umfeld oder externe Faktoren zu schieben.
Historischer Kontext: Die Wahlen 2014 und ihre Ergebnisse
Die außerordentlichen Wahlen des Präsidenten der Ukraine, über die im Interview die Rede ist, fanden am 25. Mai 2014 statt. Petro Poroschenko gewann bereits in der ersten Runde mit 54,7 % der Stimmen der Wähler, was ihm das Mandat ohne eine zweite Runde sicherte. Dieses Ergebnis wurde durch eine Kombination mehrerer Faktoren ermöglicht: dem Image des „Retters des Maidan“, der breiten Medienunterstützung sowie der Spaltung des pro-Präsidenten-Blocks Janukowytsch und der Konsolidierung praktisch aller demokratischen und nationalen Kräfte um Poroschenko. Jazenjuk, der selbst bei den Präsidentschaftswahlen 2019 antrat, ging in seiner Rede nicht detailliert auf die Mechanik seiner Wahlkampagne ein und beschränkte sich auf die Feststellung, dass die Erfahrung von 2014 gezeigt habe: In Krisenzeiten wird die Wählerunterstützung weniger durch das Programm als durch die Fähigkeit des Kandidaten geformt, den emotionalen Anspruch der Gesellschaft in den ersten Tagen der Kampagne „zu treffen“.
Widersprüchliche Daten
In den bereitgestellten Quellen wurden keine wesentlichen faktischen Widersprüche festgestellt. Beide Medien – RBC-Ukraine und novosti.ua – übermitteln den Inhalt der Rede Jazenjukes in einem einheitlichen Stil und registrieren sowohl die ironische Darreichungsform („einer Kuchen“) als auch die inhaltlichen Thesen über die Polit-Technologien Poroschenkos, den Zusammenbruch der Koalition und den Fehler mit dem Projekt „Mauer“. Die Unterschiede betreffen nur die Stilistik der Schlagzeilen und das Zitatvolumen, aber nicht die faktische Basis. Der einzige Nuance: Im Text von RBC-Ukraine liegt der Akzent auf dem humoristischen Aspekt der Aussage, während novosti.ua den Kontext des Präsidentschaftsrennens von 2014 unterstreicht. Keine der Quellen enthält eine alternative Version der Ereignisse, die der anderen widerspräche.