Der ehemalige Kommandant der Armee der bosnischen Serben, Ratko Mladić, bekannt in der Welt als der „Bosnische Metzger“, ist im Gefängnis des Internationalen Tribunals in Den Haag gestorben. Dies berichten RBC-Ukraine unter Berufung auf The New York Times und BBC. Laut den Angaben der Medien trat der Tod vor dem Hintergrund einer Verschlechterung des Gesundheitszustands des Verurteilten ein, der eine lebenslange Haftstrafe wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verbüßte, die während des Bosnienkriegs in den Jahren 1992–1995 begangen wurden.

Umstände des Todes und die Position des Tribunals

Die Anwälte Mladic hatten wiederholt Anträge auf seine vorzeitige Freilassung oder Verlegung in eine medizinische Einrichtung in Serbien gestellt und behauptet, dem Verurteilten bleibe nicht mehr als ein Monat zu leben. Das Internationale Tribunal wies diese Bitten zurück und betonte, dass das medizinische Zentrum des Hafengefängnisses mit allem Notwendigen ausgestattet sei und Hilfe höchster Stufe leiste, dem Häftling maximalen Komfort biete. Dabei ordnete das Tribunal nach Berichten mehrerer Medien nach dem Tod eine neue Untersuchung der Todesumstände an.

Urteil und Aufzählung der Verbrechen

Im Juli 2021 wurde Ratko Mladić zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sprach ihn der Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig, einschließlich der mehrjährigen Belagerung von Sarajevo und der Organisation des Völkermords in Srebrenica. Mladić bekleidete den Rang eines Generals und befehligte die Armee der bosnischen Serben in einer Zeit, in der der politische Führer der serbischen Seite Radovan Karadžić war, der zuvor ebenfalls wegen Völkermords zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Nach Ende des Krieges versteckte sich Mladić 16 Jahre vor der Justiz; er wurde erst 2011 in Serbien festgenommen und umgehend nach Den Haag ausgeliefert. Trotz der Urteile internationaler Gerichte halten ihn Teile der serbischen Nationalisten bis heute für einen „Helden“.

Das Massaker von Srebrenica als zentrales Ereignis

Das Massaker von Srebrenica, begangen im Juli 1995, gilt als eines der schwerwiegendsten Kriegsverbrechen in der modernen Geschichte Europas. Nach der Einnahme des Stadtteils durch die Truppen der Republika Srpska unter dem Kommando Mladic wurde der Massermord an etwa 8.000 bosnischen Muslimen männlichen Geschlechts im Alter von 12 bis 77 Jahren geplant und methodisch durchgeführt. An dem Verbrechen war nach Feststellung der Gerichte die bewaffnete Formation „Skorpione“ beteiligt, die mit dem serbischen Innenministerium verbunden war. Das Haager Tribunal für das ehemalige Jugoslawien qualifizierte das Massaker in mehreren Urteilen als Völkermord, und im Februar 2007 stufte der Internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen die Ereignisse ebenfalls als Völkermord ein.

Widersprüchliche Angaben

In Veröffentlichungen verschiedener Medien wird eine Unstimmigkeit im Alter des Verstorbenen festgestellt. In einigen Quellen (einschließlich RBC-Ukraine) wird angegeben, dass Mladić im Alter von 85 Jahren starb, während die Publikation aroundprague.cz von seinem Tod im Alter von 84 Jahren berichtet. Außerdem wurden die ersten Meldungen den Tod als vollendete Tatsache darstellend, während laut tut-news.ru das Tribunal in Den Haag eine neue Untersuchung anordnete, was auf die Notwendigkeit einer zusätzlichen Überprüfung der Umstände hindeuten könnte. Diese Abweichungen in den Zahlen und im verfahrensrechtlichen Status des Ereignisses erfordern eine vorsichtige Interpretation bis zu einer abschließenden offiziellen Bestätigung.

Kontext: internationale Verantwortungsmechanismen

Der Tod Mladic lenkt erneut die Aufmerksamkeit auf die Arbeit der internationalen Justizinstitutionen für das ehemalige Jugoslawien und auf die Mechanismen der Verfolgung wegen Völkermords. Eine Erinnerung an den aktuellen Kontext ist die jüngste Billigung auf der Sitzung des Ministerrats des Europarats einer Schlüsselentscheidung zum Verfahren der Einleitung des Sondertribunals für den Aggressionskrieg Russlands gegen die Ukraine, was die Aktualität der Präzedenzfälle unterstreicht, die von den Haager Prozessen der 1990er Jahre gelegt wurden.