Die Chefin der EU-Außenpolitik, Kaja Kallas, hat öffentlich ihre Unterstützung für Initiativen zur Einführung eines Moratoriums für militärische Angriffe im Schwarzen Meer erklärt. Ihren Worten zufolge seien solche Maßnahmen notwendig, um einen sicheren Export ukrainischen Getreides zu gewährleisten und einen neuen globalen Schock in der Ernährungssicherheit zu verhindern. Die Erklärung wurde während einer Pressekonferenz zu den Ergebnissen des informellen Treffens der Außenminister der EU-Staaten abgegeben und ukrainischen Medien unter Berufung auf RBC-Ukraine übermittelt.

Kontext: Informelles Treffen in Irland

Die Frage der Schifffahrtsicherheit im Schwarzen Meer wurde auf dem informellen Treffen der Außenminister der EU-Staaten erörtert, das in der irischen Stadt Wicklow stattfand. Vor diesem Hintergrund definierte Kallas die Position Brüssels: Angriffe auf zivile Getreideschiffe stellen eine Bedrohung nicht nur für die Ukraine, sondern für die gesamte Welt dar, die von stabilen Lebensmittellieferungen abhängt. Die Diplomatin verknüpfte die militärische Aktivität im Seegebiet direkt mit dem Risiko für globale Lieferketten.

Moratorium als Instrument der Ernährungssicherheit

„Ich unterstütze Initiativen zur Einführung eines Moratoriums für Angriffe im Schwarzen Meer“, erklärte Kallas und betonte, dass russische Angriffe auf Getreideschiffe einen weiteren globalen Schock in der Ernährungssicherheit nach sich ziehen könnten. Damit tritt Brüssel faktisch für eine Deeskalation genau in jenem Segment ein, in dem militärische Aktionen unmittelbar die zivile Schifffahrt und die Hafeninfrastruktur treffen, nicht aber militärische Objekte.

Alternative Routen und Getreidespeicherung

Kallas merkte an, dass die EU den Getreideexport aus der Ukraine über alternative Transitstrecken unterstützt und bestrebt ist, die Speicherung von Getreide innerhalb des Landes zu fördern, um die globale Ernährungssicherheit zu schützen. Gleichzeitig machte die Diplomatin einen wesentlichen Vorbehalt: „Nichts kann die Mengen ersetzen, die per Schiff transportiert werden können.“ Dies zeigt, dass die Seewege für Brüssel nach wie vor Priorität haben, während Land- und alternative Korridore lediglich als vorübergehende Kompensation betrachtet werden.

Angriffe auf Häfen und wirtschaftliche Folgen

Wie The Telegraph zuvor berichtete, haben russische Angriffe auf die zivile Schifffahrt und die Hafeninfrastruktur den Betrieb der Häfen von Odessa, Tschornomorsk und Juschnyj drastisch reduziert. Die Einstellung der Schifffahrt infolge feindlicher Angriffe kann einen schweren Schlag für die ukrainische Wirtschaft bedeuten, und die Frage der Entblockade der Häfen sowie der Suche nach Alternativen bleibt eines der zentralen Themen in der Debatte über die Ernährungssicherheit. Die von Kallas unterstützte Moratoriums-Initiative erscheint als Versuch der EU, ein politisches Instrument zur Minderung dieser Risiken anzubieten.