Ein Luftalarm ist ein Signal zur Rettung, nicht zur Fortsetzung von Arbeitsaufgaben. Aber was passiert mit dem Gehalt und dem Status des Arbeitnehmers, wenn die Sirene ihn im Büro erwischt? Die rechtliche Kollision zwischen der Notwendigkeit, Schutz zu suchen, und der Pflicht zu arbeiten, wird zu einem der Hauptthemen von Arbeitsstreitigkeiten unter Kriegsrecht.

Anwalt und Magister iuris Jewhen Bulymenko hat in einem Kommentar für RBC-Ukraine die Feinheiten des Arbeitsrechts untersucht: Kann man für die Zeit, die im Schutzraum verbracht wurde, entlassen werden, und wie ist ein solches Fehlen korrekt zu dokumentieren?

Der Mythos der "Nacharbeit" am Wochenende

Die häufigste Angst der Arbeitnehmer ist die Forderung des Arbeitgebers, die aufgrund des Luftalarms verlorenen Stunden "nachzuholen". Führungskräfte bieten oft an, die Zeit, die im Bunker verbracht wurde, durch Wochenenden oder Abendstunden an Werktagen zu kompensieren.

Das Gesetz gibt hier eine eindeutige Antwort: Einen Arbeitnehmer zu zwingen, die Zeit, die er für die Rettung seines Lebens aufgewendet hat, nachzuarbeiten, ist illegal. Der Arbeitgeber hat kein Recht, den Arbeitstag eigenmächtig zu verlängern oder Wochenenden einzubehalten, mit der Begründung, dass der Arbeitnehmer aufgrund des Alarms nicht am Arbeitsplatz anwesend war.

Wird die Zeit im Schutzraum bezahlt?

Auch die Frage der Bezahlung der im Schutzraum verbrachten Zeit wird durch klare Normen geregelt. Standardmäßig ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, für die Stunden zu zahlen, in denen der Arbeitnehmer keine Arbeitsaufgaben erfüllte, sondern sich im Schutzraum aufhielt.

Es gibt jedoch Ausnahmen. Wenn in den internen Regeln des Unternehmens oder im Tarifvertrag etwas anderes festgelegt ist – beispielsweise, dass die Alarmzeit als Arbeitszeit oder als Stillstand aufgrund des Arbeitgebers bezahlt wird –, erfolgt die Zahlung gemäß diesen Dokumenten. Wenn es keine speziellen Vereinbarungen gibt, muss das Unternehmen für diese Zeit nicht zahlen, kann aber auch keine Nacharbeit verlangen.

Wie man die Abwesenheit legal dokumentiert

Um Anschuldigungen wegen Fehlens zu vermeiden, muss die Abwesenheit des Arbeitnehmers am Arbeitsplatz während der Sirene dokumentiert werden. Jewhen Bulymenko erklärt, dass dies über ein spezielles Protokoll (Akt) erfolgt.

Dieses Dokument wird vom Arbeitgeber direkt am Tag der Abwesenheit erstellt. Der Akt ist die offizielle Grundlage für die Erfassung der Arbeitszeit und bestätigt, dass der Arbeitnehmer nicht aus eigenem Willen, sondern aufgrund der Umstände abwesend war.

Geografie der Risiken: Wo eine Entlassung wegen Fehlens unmöglich ist

Der Schutz vor Entlassung wegen Nichterscheinen bei der Arbeit hängt direkt vom Status des Gebiets ab, in dem sich das Unternehmen befindet. Das Arbeitsrecht führt strenge Einschränkungen für Arbeitgeber in Zonen aktiver Kampfhandlungen ein.

Wenn ein Arbeitnehmer direkt auf Gebieten aktiver Kampfhandlungen arbeitet, wird sein Fehlen am Ort automatisch als wichtiger Grund anerkannt. Einen solchen Arbeitnehmer wegen Fehlens zu entlassen, ist unmöglich.

Für Kiew und andere Städte, die sich im relativen Hinterland befinden, gelten jedoch andere Realitäten. Der Status der Gebiete wird durch eine offizielle Liste bestimmt, die durch den Erlass des Ministeriums für Entwicklung von Gemeinden und Territorien der Ukraine vom 28.02.2025 Nr. 376 genehmigt wurde.

Im Dokument werden nicht nur Zonen aktiver Kampfhandlungen, sondern auch "Gebiete möglicher Kampfhandlungen" hervorgehoben. Der Anwalt warnt: Die Schutzbestimmung des Gesetzes über das Verbot von Entlassungen gilt für diese Regionen nicht. Formal sind Arbeitnehmer in solchen Zonen oder im tiefen Hinterland nicht automatisch vor Entlassung wegen Fehlens geschützt, wenn sie einfach nicht zur Arbeit erscheinen.

Was tun, wenn der Arbeitgeber ein Fehlen dokumentiert

Wenn der Arbeitgeber versucht, eine Abwesenheit von mehr als drei Stunden ohne wichtigen Grund als Fehlen zu dokumentieren, bleibt dem Arbeitnehmer nur der Weg, die Anordnung vor Gericht anzufechten.

Um den Fall zu gewinnen und den Job nicht zu verlieren, müssen Beweise für die Wichtigkeit der eigenen Abwesenheit im Voraus gesammelt werden. Jewhen Bulymenko rät zur Verwendung von:

  • Aussagen von Zeugen, die sich ebenfalls im Schutzraum aufhielten;
  • Materialien zur Foto- und Videoaufnahme des Aufenthalts im Schutzraum;
  • Screenshots von Benachrichtigungen über den Luftalarm.

Wichtig zu beachten: Dieses Material dient nur der Information. Im Falle tatsächlicher Arbeitsstreitigkeiten wird empfohlen, sich an qualifizierte Juristen zu wenden, um eine professionelle Beratung zu erhalten.