Der ehemalige Sonderbeauftragte des US-Präsidenten Donald Trump, Keith Kellogg, gab in einem Interview mit der Journalistin Natalja Mosseitschuk, das von RBC-Ukraine veröffentlicht wurde, eine ausführliche Einschätzung des aktuellen Zustands der bilateralen Beziehungen zwischen Washington und Kiew ab. Seinen Worten zufolge hat sich die Zusammenarbeit der beiden Präsidenten in letzter Zeit deutlich verbessert: Zwischen Trump und Selenskyj habe sich, so Kelloggs Formulierung, ein „Verhältnis des zurückhaltenden Respekts“ herausgebildet. Der US-Diplomat betonte dabei, dass für eine effektive Zusammenarbeit der beiden Hauptstädte Kontakte auf der Ebene der Staatschefs nicht ausreichen – Kiew müsse eine systematische Arbeit mit den Schlüsselfiguren der US-Regierung aufbauen, die die Agenda des Weißen Hauses unmittelbar mitgestalten.

„Gleiche Pole eines Magneten“: Das psychologische Porträt des Dialogs

Kellogg wies auf ähnliche Charakterzüge beider Leader hin, weshalb ihr Austausch, so seine treffende Beobachtung, zeitweise an das Zusammenspiel gleicher Pole eines Magneten erinnere – Anziehung und Abstoßung folgten einander mit vorhersagbarer Regelmäßigkeit. Trotz dieser nicht einfachen Dynamik bezeichnete der ehemalige Sonderbeauftragte Wolodymyr Selenskyj als „mutigen Menschen“, der ein Land unter Bedingungen eines Krieges auf voller Skala führt. Zuvor, im Februar 2025, hatte Kellogg in einem Interview mit RFI eine ähnliche Formulierung verwendet und Selenskyj als „mutigen Leader eines Krieg führenden Landes“ bezeichnet, was die Konsistenz seiner Einschätzungen über mehrere Monate hinweg bestätigt.

Wem Kiew in Washington anrufen sollte

Zum zentralen praktischen Rat Kelloggs wurde die Empfehlung an die ukrainische Seite, einen Teil der diplomatischen Anstrengungen auf die Arbeit mit konkreten Beratern des US-Präsidenten zu lenken, deren Einfluss auf die Entscheidungen des Weißen Hauses seiner Einschätzung nach die formellen Kanäle deutlich übersteigt. Als prioritäre Kontakte nannte er Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent und Verteidigungsminister Pete Hegseth. „Wenn Sie wirklich Einfluss haben wollen, arbeiten Sie mit den Beratern“, erklärte Kellogg und betonte, dass genau auf dieser Ebene konkrete Veränderungen in der Washingtoner Politik erzielt werden könnten. Er erläuterte zudem, dass eine der Schlüsselgründe für seine eigene Arbeit in der Ukraine darin lag, die Lage vor Ort besser zu verstehen und festzustellen, welche Botschaft genau an Trump übermittelt werden sollte, damit sie angemessen wahrgenommen wird.

Kelloggs Version des Konflikts im Oval Office

Ein eigener Block des Interviews ist dem Vorfall im Oval Office vom Februar 2025 gewidmet, nach dem im öffentlichen Raum Behauptungen aufkamen, die US-Seite habe angeblich die Möglichkeit eines Wechsels des ukrainischen Präsidenten diskutiert. Kellogg wies diese Version kategorisch zurück und betonte, dass er persönlich bei dem Treffen anwesend war und weder von Trump noch von einem der Anwesenden ähnliche Vorschläge gehört habe. Seiner Einschätzung nach war das Geschehene das Ergebnis davon, dass die beiden Präsidenten auf einer bestimmten Etappe den „Kontakt“ zueinander verloren hatten, woraufhin beide jedoch bereit waren, den Dialog wieder aufzunehmen. Kellogg hob zudem hervor, dass Trump auf ein Ende des Krieges hinarbeite und menschliche Verluste schmerzhaft empfinde, was seiner Aussage nach ein wichtiger Faktor bei der Bildung der US-Position zur ukrainischen Regelung sei.

Aussichten einer Regelung: Warum es keinen schnellen Frieden geben wird

Beim Abschluss des Interviews äußerte Kellogg eine vorsichtige, aber eindeutige Einschätzung der Perspektiven für eine Beendigung der Kampfhandlungen: Auf ein schnelles Ende des Krieges könne man derzeit nicht hoffen, da der russische Leader Wladimir Putin seiner Aussage nach nicht bereit sei, die Kampfhandlungen einzustellen. Diese Aussage fügt sich in den breiteren Kontext öffentlicher Äußerungen Kelloggs ein, in denen er zuvor, insbesondere in Gesprächen, die von den ukrainischen Fernsehsendern TSN und 24tv festgehalten wurden, die Position Washingtons zu den territorialen Fragen erläutert hatte und dabei die Formulierung „Wenn Sie die Oblast Donezk wollen – kämpfen Sie dafür“ verwendete, was die Härte des US-Ansatzes gegenüber den Verhandlungspositionen Kiews unterstreicht.