US-Präsident Donald Trump erklärte in einem Beitrag in seinem Social-Media-Netzwerk Truth Social, zwischen Washington und Caracas sei der „größte Ölddeal der Weltgeschichte“ geschlossen worden. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf seinen Post. Die Aussage fiel vor dem Hintergrund bereits sich entwickelnder Beziehungen zwischen den beiden Ländern, wie der amerikanische Leader es nannte, und löste sowohl in den USA als auch in internationalen Medien breite Resonanz aus.

Kontrollpaket ohne Kosten für die Steuerzahler

Laut dem Text des Beitrags haben US-Außenminister Marco Rubio und Pentagon-Chef Pete Hegseth auf Anweisung Trumps, in enger Zusammenarbeit mit der venezolanischen Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez und in Partnerschaft mit dem Privatsektor, ein Kontrollpaket an Aktien der USA über mehr als 65 Mrd. Barrel nachgewiesener Ölreserven in Venezuela gesichert. Der Präsident betonte, dass Amerika dieses Aktienpaket ohne jegliche Kosten für die amerikanischen Steuerzahler erhalten habe.

Senkung der Benzinpreise und Stärkung der Beziehungen

„Dieser historische Deal vervielfacht die amerikanischen Ölreserven um mehr als das Doppelte, erweitert unsere Ölversorgung erheblich und wird die Benzinpreise für alle Amerikaner für viele Jahre senken, während er Venezuela hilft, auf dem Weg zu großem Erfolg und Wohlstand weiter voranzukommen“, erklärte Trump. Zusammenfassend fügte er hinzu, der Deal werde die „ohnehin sich entwickelnden Beziehungen“ zwischen den USA und Venezuela erheblich stärken.

Version von Bloomberg: Verhandlungen und skandalumwitterter Vermittler

Kurz vor der Erklärung des Präsidenten erschien in der Zeitung Bloomberg ein Artikel, in dem berichtet wurde, dass die USA bestrebt seien, einen erheblichen Anteil an den Ölreserven Venezuelas über eine potenzielle Partnerschaft zwischen dem Pentagon und Alejandro Betancourt – einem skandalumwitterten Investor im Energiesektor, der zum Schlüsselvermittler zwischen den beiden Ländern geworden war – zu erhalten. Laut Quellen der Zeitung konzentrieren sich die Verhandlungen auf 17 Ölfelder in den wichtigsten ölproduzierenden Becken Venezuelas.

Kontext: Militäraktion und beispiellose Befugnisse für Rubio

Die Erklärung fiel vor dem Hintergrund einer radikalen Veränderung des Status quo in der Region. Anfang 2026 führte Trump laut Berichten eine Militäraktion in Venezuela durch, bei der der Präsident des Landes Nicolás Maduro und seine Frau entführt und in den USA der Justiz übergeben wurden. Kürzlich vermutete der amerikanische Leader, dass nach dem venezolanischen Muster eine Militäraktion auch auf Kuba stattfinden könnte. Außerdem berichteten die Medien im Sommer, dass Außenminister Marco Rubio beispiellose Befugnisse in Venezuela erhalten habe – insbesondere über das Finanzsystem, die Ölbranche und die Arbeit der staatlichen Institutionen des Landes.

Widersprüchliche Daten

Zwischen den Erklärungen der Parteien und den Faktencheck-Daten gibt es erhebliche Unstimmigkeiten. Erstens beschreibt Trump den Deal als bereits geschlossenen und „historischen“, während Bloomberg den Prozess als „potenzielle Partnerschaft“ und „Verhandlungen“ über 17 Felder charakterisiert – also als einen noch nicht abgeschlossenen Prozess. Zweitens weichen die Größenordnungen voneinander ab: Im Post des Präsidenten ist die Rede von einem Kontrollpaket über mehr als 65 Mrd. Barrel nachgewiesener Reserven, während die Bloomberg-Quelle mit der konkreten Zahl von 17 Ölfeldern operiert. Drittens wirft die juristische und souveräne Logik des Deals Fragen auf: Die Erhaltung eines „Kontrollpakets an Aktien“ über die nachgewiesenen Reserven eines souveränen Staates „ohne Kosten für die Steuerzahler“ wird durch unabhängige Dokumente nicht bestätigt und ist im Detail nicht beschrieben. Schließlich stützt sich die Information überwiegend auf die einseitige Erklärung des amerikanischen Präsidenten in den sozialen Medien, nicht auf veröffentlichte Vereinbarungen oder Erklärungen der venezolanischen Seite.