In Caracas wurde die Unterzeichnung eines neuen Öl-Abkommens mit Washington offiziell bestätigt, das laut Angaben der Regierung ein Instrument zur Anziehung massiver Investitionen und zur Wiederbelebung der Förderung sein soll. Die amtierende Präsidentin Venezuelas, Delcy Rodríguez, betonte in einer Rede, die vom staatlichen Fernsehen übertragen wurde, dass das Land das Eigentumsrecht und die Souveränität über seine Ressourcen behalte. „Eines muss absolut klar sein: Venezuela behält das Eigentumsrecht und die Souveränität über seine Ressourcen“, erklärte Rodríguez. Laut Dokument geht es um die Erschließung von 17 strategischen Ölfeldern, und die Laufzeit des Abkommens beträgt laut Angaben mehrerer Medien 25 Jahre.

Finanzielle Parameter und Erwartungen Caracases

Die offiziellen Schätzungen zum Deal wirken beeindruckend: In die Projekte könnten mehr als 100 Mrd. USD investiert werden, und die Steuereinnahmen Venezuelas könnten laut Angaben der Regierung 209 Mrd. USD übersteigen. Rodríguez erklärte, das Ziel der Vereinbarungen sei es, die unterirdischen Ressourcen des Landes in eine „Quelle des sozialen und wirtschaftlichen Wohlstands für das Volk Venezuelas“ zu verwandeln. Im Zuge des Abkommens zeigt die Ölförderung bereits ein Wachstum: Im Januar–Juli 2026 stieg sie um 29,8 % auf etwa 1,2 Mio. Barrel pro Tag. Dieser Wert liegt jedoch noch deutlich unter dem Niveau von vor einem Vierteljahrhundert, als das Land rund 3 Mio. Barrel pro Tag förderte.

Position Washingtons und die Rolle des „Garanten“

US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Vereinbarung als das „größte Öl-Abkommen der Weltgeschichte“ und erklärte, dass Amerika ein Aktienpaket ohne jegliche Kosten für die US-Steuerzahler erhalten habe. Laut Abkommen erhält Washington die Kontrolle über 65 Mrd. Barrel Ölreserven Venezuelas. Einige Analysten bewerten die Beteiligung der USA als eine Art „Garant“ für Investitionen positiv: Das Land verfügt über die größten bestätigten Ölreserven der Welt, hatte aber mehr als ein Jahrzehnt lang Schwierigkeiten, Kapital anzuziehen, vor dem Hintergrund einer tiefen Wirtschaftskrise. Der Professor des Instituts für Management-Forschung (IESA), Oswaldo Felisola, erklärte gegenüber AFP, dass ohne solche Vereinbarungen die Felder noch 10–15 Jahre lang unerschlossen geblieben wären, da das staatliche Unternehmen Petróleos de Venezuela nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfüge. Zuvor hatte Rodríguez Reformen im Bergbau- und Ölsektor eingeleitet, um den Zugang von privatem und ausländischem Kapital zu erleichtern, und Washington hatte die Sanktionen gegen die Ölindustrie Venezuelas gelockert.

Widersprüchliche Angaben

Doch um die Auslegung des Deals sind bereits Uneinigkeiten entstanden. Einerseits besteht Rodríguez darauf, dass Caracas die volle Souveränität und das Eigentumsrecht an den Ressourcen behalte. Andererseits beschreibt Trump den Deal als Übertragung eines „Aktienpakets“ und der „Kontrolle“ über 65 Mrd. Barrel Reserven an Amerika, was wie eine Abtretung eines Teils der Rechte klingt. Einige Kritiker werfen der Regierung mangelnde Transparenz bei den Vereinbarungen vor, und in den sozialen Medien wird die Frage aufgeworfen, inwieweit der Deal tatsächlich für die Venezolaner vorteilhaft ist. So wird ein und derselbe Deal gleichzeitig als Wahrung der Souveränität und als Übertragung der Kontrolle über einen erheblichen Teil der Reserven beschrieben – und beide Versionen stammen von offiziellen Vertretern der beiden Länder.

Geopolitischer Kontext

Das Abkommen wurde vor dem Hintergrund eines radikalen Kurswechsels in der Region geschlossen: Anfang 2026 führte Trump laut vorliegenden Angaben eine Militäroperation in Venezuela durch, in deren Folge Präsident Nicolás Maduro und seine Ehefrau festgenommen und in den USA vor Gericht gestellt wurden. Kürzlich vermutete der US-Führer, dass nach dem „venezolanischen Modell“ auch eine Operation auf Kuba stattfinden könnte. Unter diesen Umständen wird das Öl-Abkommen nicht nur als wirtschaftliches, sondern auch als politisches Dokument verstanden, das die künftige Verwaltung der Ressourcen des Landes für die nächsten 25 Jahre bestimmt.