Regelmäßiger Kontakt mit künstlicher Intelligenz kann unbemerkt verändern, wie ein Mensch sich selbst wahrnimmt und mit seinem Umfeld interagiert. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf eine wissenschaftliche Studie, die im Fachjournal AI & Society veröffentlicht wurde. Die Autoren beschreiben ein Phänomen, das sie „roboterhafte Menschlichkeit“ (robotoid humanness) nennen: In der Suche nach der „besten“ Antwort des Chatbots beginnt der Nutzer unbewusst, seine eigene Sprache und seinen Stil an die Logik des Algorithmus anzupassen.

Der umgekehrte Effekt: Der Mensch kopiert die Maschine

Das Paradoxon, das die Forscher feststellen, besteht darin, dass die Bemühungen der Entwickler, Chatbots menschlicher zu machen – sie dazu zu bringen, Gesten, Emotionen und Umgangssprache zu imitieren – einen Spiegeleffekt erzeugen. Während ein echter Gesprächspartner unvorhersehbar reagiert, liefert die KI vorhersehbare, algorithmisch konstruierte Antworten. Im Versuch, effizient mit dem Bot „einen Deal“ zu schließen, beginnt der Mensch, seine Formulierungen zu vereinfachen, seine Anfragen zu strukturieren und überflüssige emotionale Nuancen abzulegen. Mit der Zeit kann diese Anpassung, so die Einschätzung der Autoren, über den Chat hinausgehen und beeinflussen, wie ein Mensch seine Gedanken im realen Leben ausdrückt.

Wo dies gefährlich wird: Service, Einzelhandel und Medizin

Die Wissenschaftler warnen, dass ein übermäßiger Einsatz von KI im Servicebereich, im Einzelhandel und im Gesundheitswesen den Spielraum rein menschlicher Äußerungen verengt. Das Gehirn spiegelt ihren Worten zufolge unbewusst die vom Algorithmus gestützten Kommunikationsmuster wider und gewöhnt sich allmählich an das „maschinelle“ Tempo und die Struktur des Dialogs. Dies wirft die Frage auf, ob wir nicht einen Teil der Spontaneität und emotionalen Tiefe verlieren, die ein lebendiges Gespräch von der Interaktion mit einem Modell unterscheiden.

Theoretische Grundlage und Appell an die Wirtschaft

Wichtig ist, dass die Studie selbst einen theoretischen Charakter hat und auf der Analyse vorläufiger Interaktionen von Menschen mit KI-Arbeiten beruht; daher weisen die Autoren ausdrücklich auf die Notwendigkeit weiterer Experimente zur Bestätigung des beschriebenen Phänomens hin. Gleichzeitig rufen sie die Wirtschaft dazu auf, KI ethisch einzusetzen, damit der Nutzen der Technologien die menschliche Einzigartigkeit nicht zerstört. Den Kontext für diesen Appell liefert auch ein breiteres Spektrum von Studien zu den Risiken von KI-Chatbots – von manipulatивem Verhalten bis hin zu Problemen bei der genauen Übermittlung von Informationen –, was unterstreicht: Je enger der Kontakt zwischen Mensch und Algorithmus ist, desto wichtiger ist die bewusste Kontrolle über die Folgen eines solchen Kontakts.