In Kiew hat sich vor dem Hintergrund eines anhaltenden Luftalarms eine akute Verkehrslage entwickelt: Auf den Straßen der Hauptstadt bildeten sich kilometerlange Staus, und an den U-Bahn-Stationen sowie an den Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs versammelten sich Scharen von Fahrgästen, die versuchten, nach Hause zu kommen. Dies teilte der ukrainische Ministerpräsident Serhij Koreszkyj laut RBC-Ukraine in seinem Telegram-Kanal mit und fügte hinzu, dass er persönlich ein dringendes Treffen mit Beamten und Vertretern der Stadtführung abgehalten habe.
Dringendes Treffen und Anweisungen des Ministerpräsidenten
Was auf den Straßen Kiews geschieht
Bewegungsprobleme wurden auch in offenen Quellen festgestellt: Noch vor der Erklärung des Ministerpräsidenten begannen im Internet Fotos von Staus auf den Straßen der Hauptstadt zu erscheinen, die durch den anhaltenden Luftalarm entstanden waren. Ein besonderes Menschenansammeln wurde an der U-Station „Swjerynezka“ sowie an einer Reihe von Bushaltestellen beobachtet. Genau deshalb wurde die Frage der stabilen Funktion des öffentlichen Verkehrs unter Alarmbedingungen besonders akut: Fahrgäste müssen stundenlang auf eine Fahrt warten, was nach Einschätzung der Behörden zusätzliche Sicherheitsrisiken schafft.
Neue Regeln ab dem 10. September
Zu berücksichtigen ist, dass umfassende neue Regeln für den Betrieb der Metro und des öffentlichen Verkehrs während Luftalarms in Kiew erst am 10. September in Kraft treten. Sie sehen eine Änderung des Betriebs der U-Bahn, der Buslinien und des Verkehrs über die Brücken der Hauptstadt je nach Gefahrenstufe vor. So wird bei „gelber“ Stufe die Syrezko-Pescherska-Linie ohne Einschränkungen fahren, während bei „roter“ Stufe der Verkehr auf dieser Linie in zwei Abschnitte aufgeteilt wird. Der Swjatoschynsko-Brjawska-Zweig wird während der Alarme nur im unterirdischen Abschnitt zwischen den Stationen „Akademhrohodok“ und „Arsenalyjnyj“ funktionieren.
Widersprüchliche Angaben
Hier gibt es eine bemerkenswerte Unstimmigkeit in den Fristen und der Logik der Anweisungen. Einerseits fordert der Ministerpräsident, „sofort“ und „ohne Grund zu zögern“ die Funktionsfähigkeit der Metro „gemäß den vom Kabinett beschlossenen Entscheidungen“ sicherzustellen, stützt sich also auf bereits geltende Normen. Andererseits treten erst am 10. September – drei Tage nach den beschriebenen Ereignissen – neue, detailliertere Regeln in Kraft, die an Gefahrenstufen geknüpft sind. Damit funktionierte die Stadt im Moment des Kollapses nach den alten, weniger flexiblen Schemata, während der Mechanismus, der solche Staus hätte abbauen sollen, noch nicht in Gang gekommen war. Außerdem betonen einige Medien (darunter TSN), dass der Verkehrskollaps Kiew „wieder“ erfasst habe, und weisen auf den wiederkehrenden Charakter des Problems hin, während die offizielle Rhetorik die Situation als einen einmaligen Ausfall darstellt, der eine schnelle Reaktion der Stadtführung erfordert.
Insgesamt hat der Vorfall einen Bruch zwischen der aktuellen Praxis und den vorbereiteten Änderungen aufgezeigt: Bis zum 10. September handelt Kiew weiterhin nach den alten Regeln, während der Ministerpräsident von der Stadt sofortige Ergebnisse verlangt. Wie genau die dringenden Anweisungen und die neuen Vorschriften synchronisiert werden, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.