Angesichts des Übergangs der Luftangriffe auf ein neues Niveau bereitet Kiew eine umfassende Überarbeitung der Sicherheitsregeln für die Bewohner vor. Laut RBC-Ukraine erarbeiten der Ministerrat und der Stadtrat für Verteidigung ein Paket von Änderungen, das den Betrieb der Metro, den Verkehrsmodus auf den Brücken, die Ausgangssperre, den Betrieb der Bahnhöfe und sogar die Taxitarife betreffen wird. Eine Illustration des Alltagslebens unter diesen Bedingungen ist ein gewöhnlicher Bahnhof der Kiewer Metro, an dem Fahrgäste und Züge auch in Zeiten erhöhten Risikos weiter verkehren.
Hintergrund: Raketen-Drohnen und Dutzende Alarme pro Tag
Der entscheidende Auslöser für die Überprüfung der Maßnahmen war die Veränderung des Angriffscharakters: Ende August begann der Gegner, gegen Kiew aktiv Raketen-Drohnen einzusetzen, die für die Luftverteidigung deutlich schwerer abzufangen sind. Das Ergebnis war eine stabil hohe Frequenz der Luftalarme – 10 und mehr pro Tag. Genau das, so Premierminister Serhij Kyrelenko, machte das bisherige System von Einschränkungen zu einem Faktor, der die wirtschaftliche Aktivität der Hauptstadt lahmlegt, und zwang die Behörden, die Sicherheitsregeln an die neuen Realitäten anzupassen.
Zwei Alarmstufen: Wie sich der Metro-Betrieb ändern wird
Der zentrale Vorschlag besteht darin, den Luftalarm in zwei Stufen zu gliedern: „grün“ und „rot“. Derzeit verkehren während des Alarms weder die „grüne“ noch die „rote“ Metro-Linie zwischen dem rechten und dem linken Ufer. Der Verteidigungsrat von Kiew schlägt, wie Bürgermeister Vitali Klitschko mitteilte, vor, der „grünen“ Linie auch während des Alarms die Fahrt zwischen den Ufern zu erlauben. Die „rote“ Linie, die auf dem linken Ufer eine oberirdische Strecke ist, behält die geltenden Einschränkungen bei. Die Änderungen sind somit asymmetrisch: Ein Teil des Netzes bleibt im bisherigen Modus, ein anderer Teil erhält mehr Bewegungsfreiheit.
Brücken, Ausgangssperre und Bahnhöfe
Neben der Metro hat der Verteidigungsrat den Verteidigungskräften und der Stadtverwaltung Kiews (KGGA) beauftragt, Vorschläge zur Aufhebung der Einschränkungen für den Brückenverkehr vorzulegen, die derzeit während der Alarme gesperrt werden. Parallel wird eine Lockerung der Ausgangssperre geprüft. Der Minister für Wiederaufbau, Infrastruktur und Verkehr, Mykola Kalaschnik, sprach von der Vorbereitung eines rund-um-die-Uhr-Betriebs der Bahnhöfe. Zur Risikominimierung wird vorgeschlagen, Züge und Fahrgäste zu verteilen, ein gleichzeitiges Eintreffen auf benachbarten Bahnsteigen zu vermeiden, die Ein- und Ausstiegszeit zu verkürzen sowie die Kontrollen an den Bahnhöfen bei erhöhter Bedrohung zu vereinfachen.
Taxi, Tarife und wirtschaftliche Aktivität
Separat prüft der Ministerrat die Möglichkeit, die Taxitarife während der Luftalarme in Kiew zu begrenzen. Dabei wird in den Quellen betont, dass zu diesem Punkt noch keine konkreten Entscheidungen getroffen wurden – er befindet sich in der Beratungsphase. Die Logik aller Maßnahmen, so die Einschätzung der Regierung, lautet: das wirtschaftliche und Verkehrslife der Stadt trotz der regelmäßigen Alarme funktionsfähig zu halten.
Widersprüchliche Daten und Nuancen
Wichtig ist, zu unterscheiden, was bereits beschlossen ist und was auf der Ebene der Vorschläge bleibt. Das zweistufige Alarmsystem, der Verkehr der „grünen“ Linie zwischen den Ufern, die Öffnung der Brücken und der rund-um-die-Uhr-Betrieb der Bahnhöfe werden als erarbeitete Initiativen beschrieben, nicht als in Kraft getretene Normen; das letzte Wort hat die Regierung. Zu den Taxitarifen gibt es überhaupt noch keine Entscheidung. Außerdem läuft in der Gesellschaft bereits eine öffentliche Debatte darüber, inwieweit die aktuellen Maßnahmen (einschließlich der Aufstellung von Zelten und Schutzräumen in der Metro während der Alarme) den Erwartungen der Bewohner entsprechen: Ein Teil der Bürger kritisiert die Bedingungen, ein anderer Teil hält sie für notwendig. Diese Diskrepanzen zwischen der offiziellen Position und der öffentlichen Meinung sowie zwischen „Vorschlag“ und „Entscheidung“ sind bei der Bewertung der Neuerungen zu berücksichtigen.
Wann die finalen Entscheidungen getroffen werden
Laut der Volksdeputierten Olha Wasyliwska-Smagljuk, die dies nach der Sitzung der Fraktion „Diener des Volkes“ mit dem Premierminister erklärte, wird die Regierung die endgültige Entscheidung über die neuen Sicherheitsregeln in Kiew in den nächsten Tagen treffen. Bis dahin bleiben die beschriebenen Maßnahmen Arbeitsvarianten, die vor der Genehmigung noch angepasst werden können.