Die Werchowna Rada der Ukraine bereitet ein grundlegend neues Arbeitsformat des Parlaments unter Bedingungen von Luftalarmen vor. Laut Informationen, die von der Volksdeputierten der Fraktion „Diener des Volkes“ Olha Wasyliwska-Smahliuk offengelegt und von Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk auf der Fraktionssitzung bestätigt wurden, werden die Sitzungen des Rates künftig nicht mehr automatisch bei Erklärung eines Luftalarms unterbrochen. Die Abgeordneten erhalten 10 Minuten Zeit, um in vorbereitete Bunker hinabzusteigen, danach wird die Parlamentsarbeit im regulären Modus fortgesetzt und die Abstimmung erfolgt über persönliche Geräte auf Distanz.

Infrastruktur für 330 Abgeordnete ist bereits bereit

Für die Umsetzung des neuen Formats wurde in den unterirdischen Bunkern unter dem Gebäude der Werchowna Rada eine umfassende Infrastrukturvorbereitung durchgeführt. Insbesondere wurden dort Stühle für alle 330 Volksvertreter aufgestellt, sodass der vollständige Parlamentsapparat in einem sicheren Raum untergebracht werden kann. Nach dem Konzept der Organisatoren soll dieser Ansatz die Situation ausschließen, in der langanhaltende Luftalarme zu wiederholten Unterbrechungen der Ratsarbeit und zur Störung des Gesetzgebungsprozesses führten.

Abstimmung per QR-Code: So wird der Mechanismus aufgebaut

Das zentrale Element des neuen Formats wird die Distanzabstimmung. Nach dem Hinabsteigen in den Bunker kann jeder Abgeordnete seine Arbeit mit seinem Tablet oder Smartphone fortsetzen. Für den Zugriff auf das Abstimmungssystem werden die Parlamentarier persönliche QR-Codes verwenden, über die die entsprechende Seite mit den Beschlussentwürfen geöffnet wird. Damit ist die physische Anwesenheit am Rednerpult oder im Abstimmungssaal keine zwingende Voraussetzung mehr für die Teilnahme am Entscheidungsprozess. Der Mechanismus ermöglicht es, die Legitimität und Transparenz der Abstimmung zu wahren, da jede Stimme an den persönlichen Identifikator des Abgeordneten gebunden ist.

Die Testphase beginnt in den nächsten Tagen

Bevor die neue Arbeitsordnung vollständig eingeführt wird, werden die Abgeordneten eine Reihe praktischer Prüfungen durchführen. Wie berichtet wird, werden die Parlamentarier in den nächsten Tagen in Gruppen von 20 Personen in die Bunker hinabsteigen, um die Funktionsfähigkeit des Abstimmungssystems, die Geschwindigkeit des Zugriffs auf die Plattform und die allgemeine Organisation des Prozesses in der Praxis zu bewerten. Die Testergebnisse werden es ermöglichen, mögliche technische Störungen aufzudecken und die Geschäftsordnung zu korrigieren, bevor das neue Format dauerhaft in Betrieb genommen wird.

Doppelter Alarmsignal: „Gelb“ und „Rot“ für Unternehmen

Neben den Änderungen in der Parlamentsarbeit erwägen die Behörden vor dem Hintergrund der langanhaltenden Luftalarme in Kiew eine Überarbeitung des Ansatzes zur Signalgebung für kommerzielle Einrichtungen. Es wird vorgeschlagen, die Warnung auf zwei Ebenen zu gliedern: einen „gelben“ Alarm, der bei Drohnenangriffen erklärt wird, und ein „rotes“ Signal, das bei Raketenbedrohung angewendet wird. Im Falle eines „gelben“ Alarms erhalten die Einrichtungen das Recht, selbst zu entscheiden, ob sie ihre Arbeit fortsetzen, während das „rote“ Signal die zwingende Einstellung der Tätigkeit erfordern wird. Die Initiative zielt darauf ab, die wirtschaftlichen Verluste der Unternehmen bei gleichzeitiger Wahrung der Sicherheit der Bürger zu verringern.