Der offensive Arsenal der Volksrepublik Korea wurde um eine neue Generation von feststoffgetriebenen ballistischen Raketen ergänzt, die im Westen die Bezeichnung KN-30 erhielt. Dieses System stellt eine Weiterentwicklung der bekannten Hwasong-11-Serie dar, unterscheidet sich von den früheren Versionen jedoch durch deutlich größere Abmessungen und infolgedessen ein erhöhtes Gewicht. Gerade diese Parameter machen die KN-30 zu einem der am häufigsten diskutierten Produkte der nordkoreanischen Raketentechnik der letzten Jahre.

Von der Parade in Pjöngjang zum Teststart

Erstmals wurde die Rakete KN-30 der Öffentlichkeit im Januar 2021 bei einer großen Militärparade in Pjöngjang gezeigt. Die tatsächlichen Kampffähigkeiten des Systems wurden bereits im März desselben Jahres bestätigt, als der erste Teststart stattfand. Laut den in den Quellen genannten Daten flog die Rakete bei diesem Start mindestens 600 Kilometer, was nach Einschätzungen die angegebenen taktisch-technischen Merkmale des Komplexes bestätigte.

Konstruktion: zwei Raketen auf einem fünfachsigen Fahrgestell

Ein besonderes Merkmal der Konstruktion des neuen Systems ist die parallele Anordnung von zwei Raketen auf einem robusten fünfachsigen Geländewagen-Fahrgestell — analog zum russischen Komplex „Iskander-M“. Bei einem Standardgewicht des Sprengkopfs von 2,5 Tonnen verfügt die Rakete KN-30 laut den genannten Daten über eine maximale Reichweite von 900 Kilometern. Zum Vergleich: Die russische Rakete „Iskander-M“, die einen Sprengkopf mit einem Gewicht von 480 Kilogramm trägt, hat eine Reichweite von etwa 500 Kilometern.

Schwere Variante mit 4,5 Tonnen

Neben der Basisversion umfasst das nordkoreanische Testprogramm der KN-30 eine schwerere, verbesserte Variante, die eine Kampflast von 4,5 Tonnen tragen kann. Dabei bleibt die endgültige Entscheidung über die Zweckmäßigkeit der Serienproduktion solcher Raketen unklar: Nach Einschätzungen wird ihre Reichweite aufgrund des erhöhten Gewichts des Sprengkopfs voraussichtlich deutlich verringert.

Widersprüchliche Daten

In den Bewertungen der beiden Seiten zur schweren KN-30-Variante ist ein deutlicher Streubereich zu erkennen. Das Ausgangsmaterial betont, dass die Frage der Serienproduktion der 4,5-Tonnen-Variante offen bleibt und ihre Reichweite voraussichtlich sinken wird. Gleichzeitig stellen eine Reihe von Medien, insbesondere vietnam.vn, dieselbe Variante in alarmierenden Tönen dar und fragen, ob sie zum „Albtraum“ für die Ukraine werden könnte. So hebt die eine Seite die technischen Einschränkungen und die Unsicherheit bei der Produktion hervor, die andere — das potenzielle Bedrohungspotenzial, und beide Versionen koexistieren in offenen Quellen ohne endgültige faktische Klärung.

Kontext für die Ukraine

Zusätzlichen Kontext liefert das Material von tsn.ua, das sich auf Daten des ISW bezieht: Es wird behauptet, dass die DVRK Russland neue Raketen mit Sprengköpfen von 2500 Kilogramm übergeben hat, woraufhin, nach dieser Version, sieben ukrainische Oblaste bedroht waren. Diese 2500 Kilogramm entsprechen dem Standardgewicht des Sprengkopfs der Basisversion der KN-30, wie im Ausgangsmaterial beschrieben, was beide Themen in ein einziges Bild verbindet. Dennoch basieren die konkreten Zahlen zur Übergabe und zur Liste der „bedrohten“ Oblaste auf den Einschätzungen einer einzigen Quelle und erfordern eine vorsichtige Interpretation.