Am Morgen des 1. September 2026 ging in der Stadt Koltschi in der Oblast Leningrad, die in der Nähe von Sankt Petersburg liegt, eine gewaltige Explosion zu Boden, der ein großflächiger Brand folgte. Laut Angaben von Anwohnern brach das Feuer im Bereich der Agrarfirma „Izbiratel“ aus. Eine Säule dichten Rauchs, die sich in beträchtliche Höhe erhob, war aus vielen Kilometern Entfernung vom Epizentrum des Vorfalls zu sehen. Die ukrainische Ausgabe RBC-Ukraina, die sich auf Daten des Telegram-Kanals „Astra“ stützte, verzeichnete das Ereignis in den Morgenstunden des 1. September.
Offizielle Version: Vorfall auf einer illegalen Mülldeponie
Die russischen Behörden und Medien gaben eine eigene Einordnung des Geschehens. Laut dem Ministerium für Notfälle (MChS) kam es zu der Explosion und dem anschließenden Brand auf dem Gebiet einer illegalen Mülldeponie in Koltschi. Die Medien KP.ru und „Rossbalt“ bestätigten, dass die Ursache des Feuers genau diese nicht genehmigte Deponie war, auf der sich vermutlich leicht entzündliche oder explosionsgefährliche Materialien befanden. Anwohmer weisen jedoch darauf hin, dass vor Beginn des aktiven Brennens ein scharfer Knall zu hören war, was ihrer Meinung nach auf einen explosiven Charakter des Vorfalls hindeutet.
Brand im Hafen Ust-Luga: Drohnenangriff
Parallel zum Vorfall in Koltschi meldete der Gouverneur der Oblast Leningrad, Alexander Drozdenko, die Löschung eines Feuers im Hafen Ust-Luga, das in den Nachtstunden des 1. September ausgebrochen war. Laut seinen Worten war der Brand im Hafen die Folge eines Angriffs unbemannter Luftfahrzeuge. Somit wurden in der Oblast Leningrad innerhalb eines Tages mindestens zwei große Vorfälle mit Bränden verzeichnet, von denen jeder, nach Angaben der offiziellen Stellen, eine andere Ursache hat.
Weiterer Kontext: Schläge vom 31. August bis in die Nacht zum 1. September
Die Vorfälle in Koltschi und Ust-Luga ereigneten sich vor dem Hintergrund einer Serie von Schlägen der Streitkräfte der Ukraine auf militärische und logistische Objekte auf dem Gebiet Russlands und in den vorübergehend besetzten Regionen. So griffen am 31. August Drohnen das Logistikzentrum von Wildberries in Jekaterinburg an, in dessen Folge auf dem Gebiet des Objekts Brände ausbrachen. Den vorliegenden Angaben zufolge ist dies bereits das achte von zehn größten Lagern des Unternehmens, das seit Mitte Juli 2026 durch ukrainische Schläge außer Betrieb gesetzt wurde. In derselben Nacht wurden ein Radarstand und ein Kommandofahrzeug der Flugabwehr-Raketenanlage S-400 in der Oblast Brjansk, ein Kommunikationsknoten in der Oblast Belgorod sowie eine Drohnen-Leitstelle im Gebiet von Gulajpole getroffen. Die Schläge richteten sich gegen Objekte von der vorübergehend besetzten Krim bis in die Hinterlandregionen Russlands, einschließlich von Orten zur Lagerung, Vorbereitung und zum Start von Angriffsdrohnen in dem vorübergehend besetzten Donezk.
Widersprüchliche Angaben
Zwischen ukrainischen und russischen Quellen besteht ein erhebliches Abweichen bei der Einordnung der Explosion in Koltschi. Ukrainische Medien (RBC-Ukraina, Telegram-Kanal „Astra“) stellen das Ereignis in den Kontext der andauernden Kampfhandlungen und der Angriffe auf Hinterlandobjekte, ohne die Ursache der Explosion zu konkretisieren, ordnen es aber in die Reihe der Vorfälle ein, die mit den Aktionen der Streitkräfte der Ukraine verbunden sind. Russische Quellen weisen hingegen eindeutig auf eine alltags-/technogene Ursache hin: Das MChS und regionale Medien sprechen von einer Explosion auf einer illegalen Mülldeponie. Dabei wird der Fakt der Explosion und des anschließenden Großbrands von beiden Seiten und von den Anwohnern bestätigt. Die endgültige Ursache des Vorfalls ist derzeit offiziell nicht ermittelt, und beide Versionen bleiben bis zum Abschluss der Prüfung in Kraft.
Die Lage in Koltschi entwickelt sich weiter. Stand Morgen des 1. September arbeiten die Feuerwehrkräfte am Ort des Feuers. Zusätzliche Angaben zu Verletzten und zur Schadenshöhe lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels nicht vor.