Russische Kosmonauten an Bord der Internationalen Raumstation haben eine Reihe von Forschungssitzungen im Rahmen des wissenschaftlichen Experiments «Virtual» abgeschlossen. Dieses Raumfahrtprogramm soll die komplexen Mechanismen der Anpassung des menschlichen Körpers an Bedingungen eines langfristigen Orbitalflugs detailliert untersuchen sowie die Merkmale der Interaktion zwischen dem visuellen und dem vestibulären System bei fehlender Schwerkraft identifizieren.
Wesen und Methodik des «Virtual»-Experiments
Unter Raumflugbedingungen verschwinden vertraute Orientierungspunkte, was zu schwerer Desorientierung und der sogenannten «Raumkrankheit» führt. Um zu verstehen, wie das Gehirn widersprüchliche Signale verarbeitet, verwenden Kosmonauten spezialisierte VR-Brillen. Während der Tests muss ein Besatzungsmitglied die Bewegung einer kleinen Zielmarke auf einem virtuellen Bildschirm, die sich auf verschiedenen Trajektorien bewegt, visuell verfolgen.
Technische Details und Datenerfassung
Die Markierung auf dem Bildschirm kann sich reibungslos oder sprunghaft bewegen, manchmal begleitet von zusätzlichen visuellen Störungen, um die Aufgabe zu erschweren. In das Gerät und den Helm integrierte Sensoren erfassen selbst kleinste Mikrobewegungen der Augen, sodass Wissenschaftler auf der Erde den Ermüdungsgrad und visuelle Verfolgungsmerkmale bewerten können. Die Erfassung biometrischer Informationen erfolgt zyklisch: vor dem Flug, direkt während des Aufenthalts im Orbit und nach der Rückkehr zur Erde.
Bedeutung der Studie für zukünftige Missionen
Die während des «Virtual»-Experiments gewonnenen Daten sind von entscheidender Bedeutung für die Planung zukünftiger interplanetarer Expeditionen und langfristiger bemannter Flüge. Auf der Grundlage der gesammelten Telemetrie können Experten die Bodentrainingsepisoden für Kosmonauten erheblich verbessern und neue Methoden zur Vorbeugung vestibulärer Störungen in der Schwerelosigkeit entwickeln.