In der Nacht des 14. September 2026 verließ der Generalstaatsanwalt der Ukraine, Ruslan Kravchenko, das Land. Laut einem Gesprächspartner von RBC-Ukraine überquerte er die Grenze gegen 02:30 Uhr über einen der Grenzübergangspunkte in Richtung Polen. Die Ausreise erfolgte vor dem Hintergrund einer scharfen Eskalation des Konflikts zwischen dem Büro des Generalstaatsanwalts und den Antikorruptionsbehörden, der in den vergangenen Tagen zu einem offenen politischen Krise eskaliert war.
Nächtliche Ausreise über die polnische Richtung
Laut Quellenangaben verließ Kravchenko das ukrainische Staatsgebiet in der Nacht des 14. September gegen 02:30 Uhr und nutzte dabei einen Grenzübergangspunkt an der Grenze zu Polen. Der konkrete Name des Grenzübergangspunkts wurde in den öffentlichen Meldungen nicht genannt, ebenso wenig das Ziel der Reise. Die Grenzüberquerung wurde, so der Gesprächspartner des Mediums, auf der Seite des Grenzregimes festgehalten, was die Ausreise zu einem dokumentarisch belegbaren Ereignis macht, wenngleich auf einer anonymen Quelle basierend.
Erklärung zur „Auslandsdienstreise' und Videoansprache
Kravchenko selbst erklärte am selben Tag öffentlich, er befinde sich „in einer Auslandsdienstreise', ohne Details der Reise preiszugeben. Parallel dazu veröffentlichte er am 14. September eine Videoansprache, in der er mitteilte, er habe die Anklage gegen den Direktor des NABU, Semjon Kryvonos, sowie gegen eine Person unterzeichnet, die dem Leiter der SAP, Alexander Klymenko, nahesteht. In der Ansprache rief der Generalstaatsanwalt zudem die Leiter des NABU und der SAP zum Rücktritt auf und erklärte damit faktisch den Beginn eines direkten Konflikts mit dem Antikorruptionsblock.
Reaktion des NABU und Position des Präsidenten
Das NABU erklärte, dass dem Direktor Kryvonos zum Zeitpunkt der Erklärung Kravchenkos die Anklage offiziell nicht zugestellt worden sei. Das Antikorruptionsbüro wies zudem die Angaben des Generalstaatsanwalts über die Einziehung von Strafverfahren und über irgendwelche Angebote der „Unverletzlichkeit' zurück. Laut Quellen von RBC-Ukraine im Umfeld des Präsidenten war die Initiative Kravchenkos, dem NABU-Vorstand eine Anklage vorzuwerfen, seine persönliche, nicht abgestimmte „Eigeninitiative'. Präsident Wolodymyr Selenskyj rief seinerseits die Werchowna Rada auf, Kravchenko unverzüglich von seinem Amt zu entlassen, und betonte, dass der Generalstaatsanwalt „nur einen Weg' habe.
Widersprüchliche Angaben
In den öffentlichen Erklärungen der Seiten und in den Meldungen der Quellen finden sich Widersprüche, die ehrlich dargelegt werden sollten. Erstens bezeichnet Kravchenko seine Reise als „Auslandsdienstreise', während die Meldungen über die nächtliche Grenzüberquerung über einen polnischen Grenzübergangspunkt auf eine Ausreise aus dem Land unter Bedingungen einer politischen Krise hindeuten; beide Versionen schließen sich formal nicht gegenseitig aus, widersprechen sich jedoch in Bezug auf Motive und Charakter der Reise. Zweitens behauptet der Generalstaatsanwalt, die Anklage gegen Kryvonos unterzeichnet zu haben, während das NABU erklärt, dem Direktor sei die Anklage nicht zugestellt worden, und die Einziehung der Verfahren bestreitet. Drittens bezeichnen Kravchenkos Handlungen im Umfeld des Präsidenten als seine persönliche, nicht abgestimmte Initiative, was der Vorstellung davon als abgestimmte institutionelle Entscheidungen des Büros des Generalstaatsanwalts widerspricht. Keine der Versionen wurde zum Zeitpunkt der Veröffentlichung durch ein unabhängiges Dokument endgültig bestätigt.
Kontext: Operation „Karthago' und eingereichter Rücktritt
Die Eskalation erfolgt vor dem Hintergrund der Ereignisse von Anfang September. Am 7. September reichte Kravchenko seinen Rücktritt ein, nachdem das NABU und die SAP die Sonderoperation „Karthago' durchgeführt hatten, im Rahmen derer mögliche Straftaten mit Beteiligung von Bediensteten des Büros des Generalstaatsanwalts untersucht werden. Laut Ermittlungen wurde im Rahmen der Operation eine kriminelle Organisation entlarvt, die an der „Schutz' von Betrugscallcentern beteiligt war, und in den Räumlichkeiten des Büros des Generalstaatsanwalts wurden Durchsuchungen durchgeführt. Genau dieser Kontext bestimmt die Schärfe der nächtlichen Ausreise des Generalstaatsanwalts und des darauffolgenden öffentlichen Konflikts mit den Antikorruptionsbehörden.